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Industriemetalle Nickelpreis dürfte weiter hoch bleiben

19.01.2007 ·  Der große Boom am Markt für Industriemetalle ist wohl vorbei. Nur Nickel zeigt sich stark. Die Lager sind leer und so treibt anhaltende Unsicherheit über die Versorgungslage den Preis auf neue Rekordhöhen.

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Der große Boom am Markt für Industriemetalle ist wohl vorbei. Der Kupferpreis, der lange Jahre zuverlässig gestiegen war, befindet sich seit dem vergangenen Mai immer stärker auf dem Rückzug. Von einst 8.600 Dollar je Tonne ist der Preis mittlerweile auf 5.540 Dollar gefallen. Auch Zink befindet sich seit Anfang Dezember im Abwärtstrend und hat sich seitdem um 20 Prozent auf 3.610 Dollar je Tonne verbilligt. Auch Blei und Zinn schwächeln.

Ganz anders Nickel. Hier sorgt die anhaltende Unsicherheit über den Nachschub für weiter hohe Nachfrage. Derzeit werden an der Londoner Metallbörse 35.400 Dollar für eine Tonne des vor allem in der Stahlherstellung benötigten Metalls bezahlt. Am Donnerstag hatte der Nickelpreis an der London Metal Exchange (LME) erstmals die Marke von 36.000 Dollar je Tonne überwunden. Selbst inflationsbereinigt steht der Preis kurz davor, so hoch wie noch nie zuvor zu sein (siehe Infografik).

Lager sind leer

Derzeit sorgen Negativmeldungen über Angebotsengpässe für Preisauftrieb, angesichts eines Lagerbestandsniveaus, das seit dem Sommer auf einem Rekordtief von nur noch um 6.000 Tonnen liegt. Die Lager sind so leer, dass sie den Bedarf nur zwei Tage lang decken können.

So hatte ein im Orkan beschädigtes Containerschiff im Ärmelkanal mindestens 1.000 Tonnen Nickel geladen. Das Schiff wird zwar in den Hafen von Le Havre geschleppt, doch würden die Lieferungen mit Verspätung in Südafrika eintreffen. Gleichzeitig drohen weitere streikbedingte Produktionsausfälle in den Nickelminen von Xstrata. Nach einem Streik am Dienstag könnte am 31. Januar eine weitere Arbeitsniederlegung folgen. „Angesichts der Streikgefahr haben die Käufer den Markt nun total geplündert“, sagte David Thurtell, Analyst bei BNP Paribas.

Gefahr von Produktionsengpässen besteht

Das World Bureau of Metal Statistics (WBMS) bezifferte unlängst das Defizit am Weltmarkt für die ersten elf Monate des vergangenen Jahres auf 80.000 Tonnen. Die gemeldeten Bestände seien um 33.000 Tonnen niedriger ausgefallen. Die Bergbauproduktion sei um 5,1 Prozent auf 1,28 Milliarden Tonnen gestiegen, während die Raffinerieerzeugung um zwei Prozent höher gelegen habe. Dabei hätte ein Produktionsplus in Russland und Kanada eine niedrigere Produktion in Ozeanien mehr als kompensiert. Indes sei die Weltnickelnachfrage um 72.000 Tonnen gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen.

Einige Produzenten von rostfreiem Stahl liefen mittlerweile Gefahr, wie schon im Vorjahr vor Engpässen zu stehen, da sie wegen des hohen Preisniveaus ihre Käufe aufschöben. Diese potentiellen Käufer warten auf niedrigere Preise. Vanessa Davidson, Analystin bei der unabhängigen Marktforschungsgruppe CRU, zeigte sich gegenüber der Nachrichtenagentur Dow Jones erstaunt, dass Stahlerzeuger noch nicht einmal in Erwägung zögen, angesichts der Ereignisse des vergangenen Jahres für 2007 mehr auf Kontrakt zu nehmen.

Kurzfristige erhöhte Volatilität erwartet

Doch angesichts der hohen Nachfrage auf einem chronisch unterversorgten Markt sei kurzfristig nicht mit einer Abschwächung zu rechnen, meint Anindya Mohinta von JP Morgan. Schon im vergangenen Jahr hatten die Stahlproduzenten im Sommer den Spotmarkt fast leer gekauft. Und diese Leere hält seitdem an. Sollten sie wieder dringend Nachschub benötigen, dürfte dies akute Lieferengpässe zur Folge haben. Denn die Produktion ist bereits weitgehend verkauft.

Für die längere Frist dürfte die Marktlage weitere Preissteigerungen begünstigen. Kurzfristig wird die Situation von den Lohnverhandlungen bei Xstrata angeheizt, so Händler. Nickel werde nicht billiger werden, zumindest nicht, bis die Streikfrage vom Tisch sei oder die Lagerbestände anzögen, heißt es.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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