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Industriemetalle Ende der Kupfer-Rally in Sicht

29.05.2009 ·  Seit Anfang des Jahres ist der Kupferpreis um mehr als 40 Prozent gestiegen. Das lag vor allem an der Nachfrage aus China. Doch die könnte schon bald deutlich zurückgehen.

Von Judith Lembke
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Den Markt für Industriemetalle haben in den vergangenen Wochen vor allem zwei Faktoren bestimmt: der aufkeimende Konjunkturoptimismus, der sich auch in steigenden Aktienkursen niederschlug, und die Reservekäufe des chinesischen Strategiebüros. Es verging kaum eine Woche, in der nicht neue Rekordimporte nach China gemeldet wurden. Kürzlich teilte die chinesische Zollbehörde mit, dass die Kupfereinfuhr im April um mehr als 7 Prozent im Vergleich zum März auf rund 318 000 Tonnen gestiegen sei. Das waren fast 150 Prozent mehr als im Vorjahr und im dritten Monat in Folge ein Rekordwert.

Doch die Abhängigkeit des Kupferpreises vom chinesischen Rohstoffhunger hat auch seine Tücken. Denn trotz des enormen Nachfragezuwachses aus China um ein Drittel in den ersten beiden Monaten dieses Jahres ist der Verbrauch des rotbraunen Metalls im gleichen Zeitraum weltweit um 4,4 Prozent gesunken. Nun mehren sich die Stimmen, die einen baldigen Rückgang der chinesischen Importe voraussagen. Als Indiz werden Aussagen von Händlern gewertet, das Strategiebüro habe schon einen kleinen Teil seiner Bestände wieder an den Markt abgegeben. Zudem ist der Kupferpreis seit Jahresbeginn um 44 Prozent auf knapp 4700 Dollar je Tonne gestiegen, so dass die preisbewussten Chinesen bald ihr Interesse am strategischen Schnäppchenkauf verlieren dürften.

Analysten sind nicht optimistisch

"Da die Unterstützung durch die Käufe des chinesischen Reservebüros nachlässt, scheint die jüngste Kupfer-Rally auszulaufen", schreiben die Analysten der Credit Suisse in einem Marktkommentar. Auch Sven Streitmayer von der Landesbank Baden-Württemberg zeigt sich nicht sonderlich optimistisch: "Ohne eine Nachfrageverbesserung in den drei anderen großen Metallmärkten, den Vereinigten Staaten, Japan und der EU, kann die Preiserholung nicht nachhaltig sein", sagt der Rohstoffanalyst. Zudem wirke die Angebotsseite nicht besonders preisstützend. "Durch die hohen Kupferpreise ist das Angebot bislang kaum heruntergefahren worden", sagt Barbara Lambrecht von der Commerzbank. Die Rohstoffanalystin geht kurz- bis mittelfristig von einer starken Korrektur des Kupferpreises aus. Gegen Ende des Jahres, wenn sich die Konjunkturwende als nachhaltig erweisen sollte, könnte der Preis ihrer Ansicht nach jedoch wieder anziehen.

Gabor Vogel, Industriemetallexperte der DZ Bank, glaubt hingegen nicht an ein schnelles Ende der Kupferrally. Er geht davon aus, dass die chinesischen Kupferimporte noch eine Zeit auf dem hohen Niveau bleiben dürften. Im eigenen Land sei zu wenig Kupfer vorhanden, so dass die Chinesen das Metall einführen müssten. "Außerdem wird die Nachfrage hoch bleiben, weil die Konjunkturprogramme vor allem in den Aufbau von Infrastruktur fließen. Dort wird Kupfer hauptsächlich eingesetzt", sagt Vogel.

Aluminium-Preis dürfte weiter sinken

Konsens besteht unter den Analysten hingegen darin, dass Aluminium so schnell keine Rally erleben wird, sondern der Preis im Gegenteil eher weiter sinken dürfte. Dabei hatte das Industriemetall die Preissteigerungsraten der anderen Basismetalle der vergangenen Monate gar nicht nachvollzogen, sondern ist seit Anfang März nur moderat um etwa 6 Prozent auf 1400 Dollar je Tonne gestiegen. Als Grund werden vor allem die hohen Lagerbestände an der Metallbörse in London genannt, die in der vergangenen Woche zum ersten Mal die Marke von 4 Millionen Tonnen überschritten haben. "Das macht deutlich, dass die Angebotskürzungen der Aluminiumproduzenten noch immer nicht weit genug gehen, um dem massiven Angebotsüberhang entgegenzuwirken", sagt Streitmayer. Nach Ansicht von Vogel wird in diesem Fall auch die chinesische Nachfrage kaum zur Preissteigerung beitragen. Erstens hätten die Chinesen selbst mit Überkapazitäten zu kämpfen, und zweitens werde Aluminium vor allem im Transportsektor eingesetzt, der momentan nicht gerade floriere.

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Jahrgang 1978, Redakteurin in der Wirtschaft.

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