26.07.2006 · Der Kupferpreis hatte sich ganz gut erholt, doch seit Mitte Juli weist der Trend wieder nach unten. Die Produktion steigt, der Verbrauch wächst langsamer. Ist die Kupfer-Hausse vorbei?
Um Kupfer ist es bemerkenswert ruhig geworden. Vorbei sind offenbar die Zeiten, in denen selbst Medien, die sich sonst nicht so sehr mit Rohstoffen befassen, fast täglich neue Rekordpreise für das Metall vermeldet haben.
Dies liegt gewiß daran, daß die Notierungen von Anfang Mai bis Mitte Juni weit gefallen sind. Der Rückgang war groß genug, um das Kriterium für eine Baisse, nämlich 20 Prozent, zu erfüllen. Doch es setzte bald eine Erholung ein, die von technisch orientierten Analysten als Test des Rekordhochs vom Mai gedeutet wird. Dieser Test schlug fehl, und die Tendenz weist seit Mitte Juli wieder nach unten.
Kupferpreis eng mit Aktienindizes korreliert
Es fällt auf, daß die Preisbewegungen am Kupfermarkt seit Monaten bemerkenswert eng mit den Veränderungen der meisten Aktienindizes korrelieren. Dies läßt Analysten vermuten, daß sich der Kupferpreis nur begrenzt nach seinen eigenen fundamentalen Bedingungen bildet, sondern in starkem Maße vom Geschehen an den Finanzmärkten abhängt.
Eine Erklärung lautet, daß Rohstoff-Fonds, die einschlägige Indizes mehr oder minder exakt nachbilden und von institutionellen Anlegern als Vehikel zur Teilnahme an den Rohstoffmärkten oder zur Absicherung von Positionen in Rohstoffaktien genutzt werden, sich in großem Umfang in Kupfer engagiert hätten. Wenigstens ein Teil dieser Engagements sei im Gleichklang mit den Veränderungen an den Wertpapiermärkten mal auf- und mal abgebaut worden.
Streit über die Lage am Kupfermarkt
Kupfer zieht das Interesse von Anlegern und Spekulanten traditionell auf sich, weil es als "Flaggschiff" der Industriemetalle wahrgenommen wird und weil sein Markt der breiteste und liquideste unter allen Rohstoffen dieser Gattung ist.
Über die fundamentale Lage am Kupfermarkt wird seit dem ersten Preiseinbruch im Mai wieder heftiger gestritten als in den Monaten zuvor. Skeptiker, die Zweifel an den Grundfesten der im Mai 2005 entstandenen, im Herbst letzten Jahres in ein exponentielles Stadium eingetretenen Haussephase anmeldeten, wagen sich wieder aus der Deckung hervor. Sie halten jenen, die von einer sich zuspitzenden, wahrscheinlich bis zum Ende des Jahrzehnts reichenden Knappheit an dem Metall sprechen, entgegen, sie sähen die Konsequenzen der im historischen Vergleich noch immer extrem hohen Preise nicht, oder sie unterschätzten sie.
Kunststoff ersetzt Kupfer
Auf der einen Seite nehme die Produktion überall, wo Kupfer gewonnen werden könne, spürbar zu. Zudem werde kupferhaltiges Material in Massen als Schrott zum Recycling angeliefert. Auf der anderen Seite schwinde das Wachstum des Verbrauchs. Bei der Verwendung des Metalls werde inzwischen gespart, wo es nur gehe. Die Miniaturisierung kupferhaltiger Erzeugnisse habe einen neuen Schub erhalten. In bedeutenden Bereichen, darunter beim Bau von Gebäuden, habe eine massive Substitution des Kupfers vor allem durch Kunststoffe eingesetzt.
Wer sich auf diese Argumente stützt, sagt gravierende Veränderungen in den noch als aktuell angenommenen Prognosen der Kupferstatistiker voraus. Es wird zwar nicht bestritten, daß sich 2006 die bereits Jahre dauernde Serie von Produktionsdefiziten fortsetzt, doch erwarten nicht wenige Experten eine deutlich geringere Fehlmenge, als sie heute noch weithin in Aussicht gestellt wird.
Steht ein Wiederaufbau der Vorräte an?
Dabei sind die Folgen des sich bereits abschwächenden Wachstums der Weltwirtschaft noch nicht einmal berücksichtigt. China, das mit der Zunahme seines Kupferbedarfs in den vergangenen Jahren alle anderen Länder weit in den Schatten gestellt hat, dämpft seine Wirtschaft gezielt und wird nach Ansicht von Fachleuten damit fortfahren. Da das Land zu dem mit Abstand bedeutendsten Kupferverbraucher geworden ist, muß diese Politik Konsequenzen auch für den Bedarf an diesem Metall dort haben.
In Amerika, dem drittgrößten Kupferverbraucher, sieht es nicht anders aus. Für manche Experten zeichnet sich daher ab, daß sich steigende Produktion und sinkender Verbrauch vielleicht schon im nächsten Jahr kreuzen und ein Wiederaufbau der extrem geschrumpften Vorräte beginnen kann.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |