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Industriemetalle Der Kupferboom scheint zuende zu gehen

24.01.2006 ·  Kupfer notiert dreimal so hoch wie noch vor drei Jahren. Doch seit Jahresbeginn bleibt der Preisanstieg hinter dem anderer Rohstoffe zurück. Investoren beginnen verstärkt über Alternativen nachzudenken.

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Er steigt und steigt und steigt. Der Preis für Kupfer ist an den Rohstoffmärkten hat sich in den vergangenen drei Jahren verdreifacht. Schon im Oktober, als der Preis bei 3.927 Dollar noch um 15 Prozent tiefer stand, war die Furcht vor einer Korrektur groß und der Markt nervös.

„Obwohl viele der Meinung sind, daß die Preise einer langanhaltenden Korrektur bedürfen, will derzeit verständlicherweise niemand einen Rückzieher machen. Das Risiko, jetzt short zu gehen ist momentan einfach viel zu groß.“, sagte seinerzeit Adam Rowley, Metallanalyst der australischen Macquarie Investment Bank.

Fonds heizen Preisauftrieb an

Doch die Bank räumte jetzt ein, sie sei „auf dem falschen Fuß erwischt worden“. „Wir haben tatsächlich den Faktor der Investment-Zuflüsse in den Sektor massiv unterschätzt“, heißt es bei Macquarie. Es sei allgemeiner Konsens gewesen, daß die Preise für Kupfer und andere Industriemetalle in diesem Jahr von ihren derzeitigen Rekordständen zurückfallen und sich auch 2007 abschwächen werden.

Die zusätzlichen Impulse aus den Fonds in Märkte, in denen sich das Angebots-Nachfrage-Verhältnis entweder noch weiter anspanne oder ohnehin eine chronische Knappheit herrsche, würden zu höheren Preisen im Jahr 2006 führen. Auch für 2007 bestehe die Möglichkeit eines Ausreißers nach oben, falls die Wirtschaft weiterhin fest tendiere und 2007 die Nachfrage nach den Hauptmetallen nochmals um fünf Prozent wachsen sollte. Es sehe immer mehr danach aus, daß die Metallpreise erst bei einem gravierenden Wirtschaftseinbruch wieder auf „normaleres“ Maß zurückkehren würden, meint Macquarie.

Die Märkte sind nervös

Im Grunde gestehen die Analysten der Macquerie Bank damit zu, daß die Märkte für Industriemetalle sich vom physischen Bedarf längst entfernt haben - ein Umstand, den Nick Moore, Rohstoffanalyst der ABN Amro, bereits im Oktober konstatierte. „Es ist wie, wenn man an einem Gummi zieht“, verglich der Analyst das Wechselspiel von Gewinnmitnahmen und spekulativen Käufen.

Im November kam dem nervösen Kupfermarkt eine Fehlspekulation eines Händlers des Chinas State Reserve Bureau (SRB) zu Hilfe. Liu Qibing ließ Verluste von 200 Millionen Dollar auflaufen, weil er einem Bericht des „China Daily“ zufolge 130.000 t Kupfer zu 3.300 Dollar je Tonne auf Termin verkauft. Als aber der Kupferpreis 4.000 Dollar erreichte und weiter stieg, brach Liu den Kontakt zu anderen Händlern in London und China ab und verschwand. Ebenso verschwanden die damaligen Bedenken fürs Erste.

Am Dienstag zeigte sich das Wechselspiel abermals. In Schanghai ließen zum einen Short-Eindeckungen die Kupfernotierungen fester schließen.Bis zum Mittag setzte sich dies in London fort, nachdem bekannt geworden war, daß Chinas Einfuhren von Kupferkathoden im Januar und Februar zunehmen dürften, weil das knappe inländische Angebot die dortigen Metallpreise hatte steigen lassen.

Andere Rohstoffe versprechen mehr Rendite

Doch dann drehte sich der Markt, weil sich die Erkenntnis durchsetzte, daß die chinesischen Importeure nur Lagerbestände für die anstehenden Mondfeiertage (30. Januar bis 3. Februar) aufbauten, um die Fabriken am Laufen zu halten. Tatsächlich aber machen die Importeure pro Tonne trotz der in China gestiegenen Preise weiter Verluste. Somit rechnet man nicht mit einem nachhaltigen Anstieg des Bedarfs.

Und so verwundert es nicht, wenn immer mehr Stimmen am Markt davor warnen, daß die Anleger das Interesse an Kupfer verlieren. „Die Investoren wenden ihre Aufmerksamkeit jetzt stärker anderen Metallen und Agrarrohstoffen zu, sagt Andrew Silver, Händler bei Natexis Metals an der Londoner Metallbörse der Agentur Bloomberg. Kupfer schiene ihnen mittlerweile zu teuer.

Das rote Metall fällt auch mittlerweile in der Wertentwicklung zurück. Während der Kupferpreis seit Jahresbeginn lediglich um 3,6 Prozent stieg, legte Zink um 13,7 und Zucker sogar um 22,4 Prozent zu. Bei den hohen Risiken an den Rohstoffmärkten allgemein und in der derzeitigen Situation im besonderen, erwarten die Investoren einfach mehr.

Chinesische Fehlspekulationen künftig passé

Auch eine neuerliche chinesische Fehlspekulation wird wohl nicht mehr zu erwarten sein. Die SRB plant künftig eine strenge Reglementierung beim Handel, „um weitere riesige Verluste“ zu vermeiden. Demnach soll es den Abteilungen unter anderem nicht mehr erlaubt sein, in Futures zu handeln und im Ausland zu investieren. Damit hat die Behörde nebenbei erstmals die gewaltigen Verluste eingeräumt.

In diese Situation platzen auch fundamentale Meldungen, die tendenziell dämpfend auf den Kupfermarkt wirken sollten. So gab der Rohstoffkonzern BHP Billiton bekannt, in den letzten sechs Monaten des vergangenen Jahres eine Rekordmenge an Kupfer und anderen Metallen produziert zu haben. Die Kupferproduktion wurde um 24 Prozent auf 637.300 t ausgeweitet.

Zeitgleich ließ die chinesische Tongling Nonferrous Metals Group verlauten, sie wolle in diesem Jahr über 500.000 Tonnen Kupferkathoden produzieren und damit die Produktion um zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr steigern. Zudem will die chinesische Regierung eine stärkere Investitionskontrolle bei Kupferschmelzen durch die Einführung von Importquoten für Kupferkonzentrat erreichen.

Falls Kupfer weiter in der Wertentwicklung zurückbleibt, so dürfte auch das spekulative Interesse der Rohstoffonds zurückgehen, die nach Renditekritierien agieren. Denn zur Reflektion der tatsächlichen Angebots-Nachfrage-Verhältnisse erscheinen die Preissteigerungen bei Kupfer ausreichend gewesen zu sein. Alles in allem erscheint eine Korrektur des Kupfermarkt immer wahrscheinlicher.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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