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Industriemetalle Chinas Überkapazitäten dürften Aluminiumpreis weiter drücken

02.08.2006 ·  Chinas Kapazitäten in der Aluminiumproduktion scheinen weiter stark zu steigen. Nun sollen Dämpfungsmaßnahmen helfen. Doch an deren Erfolgsaussichten läßt sich zweifeln.

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Die Herrlichkeit des Aluminiumpreises ist länger schon vorbei. Anfang Mai erreichte der Preis bei rund 3.275 Dollar je Tonne ein Niveau, das zuvor nur im Sommer 1988 kurzzeitig übertroffen worden war. Mittlerweile notiert das Metall nur noch knapp unter 2.500 Dollar.

Obgleich der Preis seinen Tiefpunkt bereits Ende Juni erreicht hat, sieht es momentan nicht so aus, als ob er sich bald wieder erholen könnte. Zwar sind die Lagerbestände an der Londoner Metallbörse seitdem deutlich von knapp 775.000 Tonnen auf aktuell 712.000 Tonnen gefallen. Doch bewegen sie sich damit immer noch auf hohem Niveau, nachdem sie Anfang des Jahres rapide von 500.000 Tonnen angewachsen waren.

Chinas Kapazitäten wachsen rapide

Das ist zwar immer noch ein deutlich niedrigeres Niveau als 2004, ist aber dennoch dazu angetan, dämpfend auf den Preis zu wirken - zumal die insgesamt kleineren Lagerbestände an der Nymex im selben Zeitraum um 32.000 Tonnen zulegten.

Vor allem aber sorgt die Angebotsseite für Druck. Chinas Kapazität zur Produktion von Aluminium ist in den vergangenen Monaten rapide angewachsen. Die derzeit neu entstehenden Kapazitäten, die über die Reaktivierung stilliegender Hütten hinausgehen, besitzen nach Ansicht von Beobachtern das Potential, einen Überschuß am globalen Aluminiummarkt herbeizuführen.

Die derzeit in Bau befindlichen Kapazitäten stellten etwa die Hälfte der bestehenden Gesamtkapazitäten dar, schreibt das „China Securities Journal“ unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Vertreter der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC), der wichtigsten Planungsbehörde des Landes.

Ende 2005 belief sich Chinas Aluminiumkapazität auf 10,7 Millionen Jahrestonnen. Derzeit befinden sich Anlagen mit einer Kapazität von über fünf Millionen Jahrestonnen im Bau. Das würde bedeuten, daß die Kapazität mindestens 15,7 Millionen Jahrestonnen erreichen dürfte. Die NDRC veröffentlichte im April eine Schätzung, wonach bis Ende des laufenden Jahres eine Kapazität von 11,6 Millionen Jahrestonnen und bis Ende 2007 eine Kapazität von 12,5 Millionen Jahrestonnen erreicht werden wird.

Überinvestition als ordnungspolitisches Problem

Dem NDRC-Sprecher zufolge sind aber inzwischen einige im vergangenen Jahr unterbrochenen Hüttenprojekte wieder aufgenommen worden, da der Aluminiumpreis an der Londoner Metallbörse hoch bleibe und im Juli der Preis für den Rohstoff Bauxit wieder zurückgegangen ist - übrigens war auch dies eine Folge gestiegener Produktionskapazitäten in China.

Die Schuld für dieses ungebremste prozyklische Verhalten liegt nicht zuletzt im chinesischen Wirtschaftssystem, in dem weiter Elemente einer staatlich gelenkten mit marktwirtschaftlichen Elementen konkurrieren. Auf Betriebesebene herrscht weiter eine modifizierte „Tonnenideologie“, die weniger auf die längerfristige Bewährung am Markt setzt, weil Mißerfolge nur unzureichend durch den Markt sanktioniert werden, absolute Gewinnsteigerungen sich aber sofort positiv für die Unternehmen auswirken.

Das hatte sich unter anderem am Stahlmarkt bemerkbar gemacht, wo in China hohe Überkapazitäten aufgebaut wurden, die sich auf den Stahlpreis und in Folge auch auf die Unternehmensgewinne negativ auswirkten.

Die Regierung des Landes verstärkt mittlerweile ihre Maßnahmen, um eine Überhitzung des Sektors zu verhindern. Man werde die Ende April vorgelegten Restrukturierungsmaßnahmen nun „aggressiv“ umsetzen, sagte der NDRC-Sprecher. Demnach sollen Vorhaben, die nicht den Umweltrichtlinien entsprechen, keine Betriebsgenehmigung mehr erhalten. Die Regierung will Allianzen von Tonerde- und Aluminiumproduzenten fördern. Vor allem aber sollen mindestens 35 Prozent der Investitionen in neue Projekte aus der Hütte selbst generiert werden, während die Steuervergünstigungen für den Aluminiumexport bereits gestrichen worden seien.

„Als Plan klingt es doch ganz gut

Dies bedeutet umgekehrt, daß bislang die Investitionskosten kaum zulasten der Hütten gingen, diese aber umgekehrt Subventionen erhielten. Damit wurden selbst wenig rentable oder unwirtschaftliche Standorte profitabel.

Betrachtet man den Grad der Politisierung staatlich gelenkter Volkswirtschaften, so lassen sich Zweifel anmelden, ob Dämpfungsmaßnahmen von Erfolg gekrönt sein werden. Denn so gerne Expansionserfolge verbucht werden, will die Konsolidierungsfolgen niemand gern tragen. Daher pflegen diese immer etwas geringer auszufallen als angestrebt.

Der ehemalige ungarische Außenminister Gyula Horn verbürgt in seiner Autobiographie eine Äußerung des ehemaligen Generalsekretärs Károly Grosz, der 1988 zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl gesagt haben soll, man werde die Subventionen innerhalb von drei Jahren um ein Drittel kürzen. Nachdem Horn ihn auf die Undurchführbarkeit des Vorhabens angesprochen haben will, soll Grósz geäußert haben: „Als Plan klingt es doch ganz gut.“

Als Plan klingen auch Chinas Stabilisierungsmaßnahmen ganz gut, wobei eine Beteiligung von 35 Prozent an den Investitionskosten immer noch äußerst gering ist und das Rentabilitätsgefüge verzerrt.

Auch die Erfolglosigkeit der bisherigen Bemühungen zur Dämpfung des Wachstums sind bislang kaum zu übersehen. Die Tendenz zur Überinvestition ist die Kehrseite des chinesischen Wachstums. Die Fehlallokation bindet Kapital in unrentablen Verwendungen und lähmt auf der monetären Seite.

Unter diesen Umständen dürften sich die angekündigten Maßnahmen nicht so stark auf das Angebot auswirken wie beabsichtigt, die Produktionskapazitäten damit weiter steigen und sich der Aluminiumpreis mittelfristig weiter in der Defensive befinden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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