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Industriemetalle : Banken sichern sich Lagerhäuser

  • -Aktualisiert am

Lagerbestand oder nicht? Bild: AFP

Die Finanzinstitute versuchen, ihren Einfluss auf das Geschäft mit Rohstoffen auszubauen. Die Sorgen wachsen, dass die Märkte noch stärker manipuliert werden könnten als bisher.

          Das lukrative Geschäft mit Industriemetallen lockt einflussreiche Banken in das Geschäft mit Lagerhäusern, in denen Rohstoffe wie Aluminium und Nickel aufbewahrt werden. Nicht nur Goldman Sachs, sondern auch J.P. Morgan Chase haben zuletzt Lagerhausbetreiber übernommen. Anfang dieser Woche kaufte der Rohstoffhändler Trafigura den britischen Lagerhausbetreiber Nems.

          Das Agieren der Banken und Rohstoffhändler belegt das weiter steigende Interesse an Rohstoffen - besonders was das physische Geschäft mit Industriemetallen angeht. In den Lagerhäusern bewahren Minengesellschaften, aber auch Händler die Metallvorräte auf. Die größte Metallbörse auf der Welt, die London Metal Exchange (LME), spielt dabei eine wichtige Rolle. Über die LME ist die physische Lagerung von Metallen möglich. Aluminium und andere Waren werden aber nicht nur in London aufbewahrt, sondern von Lagerhausbetreibern überall auf der Welt. Sie gelten als spezielle LME-Lagerstätten.

          Kleine Dienstleister werden beiseite geschoben

          Rohstoffanleger verfolgen mit großer Aufmerksamkeit die Daten zu den LME-Lagerbeständen, weil sie wichtige Preisindikationen bieten. Die an der LME registrierten Vorräte haben sich seit Ende 2008 verdreifacht. 2009 gab es etwa 550 LME-Lagerstätten in 14 Ländern mit 6 Millionen Tonnen Metall. Aluminium hat sich innerhalb eines Jahres um 60 Prozent verteuert, Nickel um 130 Prozent.

          Bisher war der Metall-Lagermarkt von eher kleineren und unabhängigen Dienstleistern bestimmt. Einer der wenigen unabhängigen Betreiber bleibt das niederländische Logistikunternehmen C. Steinweg Handelsveem. Nun kommt Bewegung in die Branche, nachdem Goldman Sachs den amerikanischen LME-Lageranbieter Metro International Trade Services gekauft hat. JP Morgan Chase übernahm einen großen Teil des Rohstoffhändlers RBS Sempra, inklusive des Anbieters Henry Bath, der LME-Metalle aufbewahrt.

          „Eine einfache Möglichkeit, um Geld zu verdienen“

          Aus Sicht von Rohstoffexperten ist klar, warum sich Goldman und andere Institute die Lagerhausanbieter einverleiben: „Es ist eine einfache Möglichkeit, um Geld zu verdienen“, sagt David Wilson von der Bank Société Générale. Viele Akteure im Rohstoffgeschäft suchten derzeit Lagerplätze für Metalle: „Wer solche Lager hat, kann schnell und einfach einen Profit erzielen.“

          Es fallen nicht nur Gebühren für die Aufbewahrung an. Wer die Rohstoffe hortet, kann auch Arbitragegeschäfte durchführen. Denn auf den Rohstoffmärkten gibt es einen Spotpreis für unmittelbare Lieferung und einen Terminpreis für die Lieferung in der Zukunft. Wenn der Spotpreis niedriger ist als der Terminpreis, sprechen Fachleute von „Contango“. Diese Differenz nutzen Händler für Arbitrage, das lohnt sich derzeit besonders für Aluminium.

          Nach Einschätzung von Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank, belegt das Interesse der Banken an den Lagerhäusern, dass Finanzinstitute im physischen Rohstoffgeschäft weiter expandieren: „Es zeigt die Zuversicht, die diese Spieler in den Rohstoffmarkt haben.“ Die Lagergebühren dürften steigen, und zudem erhalten Banken wichtige Informationen über den Rohstoffmarkt. Und sie können Wertpapierprodukte anbieten, die mit Rohstoffen unterlegt sind, weil sie die Metalle selbst besitzen.

          Die Manipulation der Lagerbestände

          Der Trend, dass Banken im physischen Rohstoffgeschäft ihren Einfluss ausbauen, zeigt sich schon länger: So ist Morgan Stanley an Unternehmen beteiligt, die Öltanker und Ölpipelines betreiben. Das macht es einfach, Öl auf hoher See zu parken, mit Arbitragegeschäften Geld zu verdienen und nicht nur im Ölterminmarkt mitzumischen. Auch kleinere Märkte wie der für Zucker sind interessant. Die Deutsche Bank ging im Herbst 2009 eine Allianz mit einem Zuckerhandelshaus ein. Der Zuckerpreis notierte Anfang Februar dieses Jahres so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr, ist seither aber um 25 Prozent gesunken.

          Wenn große Banken nun im Rohstoffgeschäft noch größere Bedeutung erlangen, erhöht dies nach Einschätzung von Kritikern die Gefahr einer Marktbeeinflussung, zumal das Lagerhausgeschäft bisher schon intransparent war. Es ist nicht schwer, den Markt und die Metallpreise zu beeinflussen: „Lagerbestände senden Preissignale“, sagt Analyst Weinberg: „Doch diese Signale sind unzureichend.“

          So tauchten Metalle, die außerhalb eines Lagerhauses - etwa auf dem Hof - geparkt werden, nicht mehr in den LME-Lagerdaten auf. Dies führe dann zu sinkenden Lagerbeständen und würde von Marktteilnehmern als Angebotsverknappung gedeutet. Dies wiederum könnte steigende Preise nach sich ziehen. „Das war wahrscheinlich auch im Jahr 2006 der Fall, als der Nickelpreis ständig stieg, obwohl weder Produzenten noch Konsumenten eine Verknappung erkennen konnten“, sagt Weinberg: „Doch die LME-Lagerdaten zeigten ständig eine Knappheit an.“

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