30.11.2009 · Die indische Wirtschaft entwickelt sich robust. Die Währung jedoch wertet nach einem Rückschlag nur gegen den Dollar auf, während sie gegen den Euro seit Jahren im Trend an Wert verliert. Die Inflationsentwicklung wird langsam zum Problem.
Die indische Währung wertet gegen den Euro schon seit Jahren im Trend ab. Auch der effektive Wechselkurs des Landes läuft auf nominaler Basis im Trend nach unten, während er sich real seitwärts bewegt. Das heißt, insgesamt kann Indien seine Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Handel über die realen Wechselkurse stabil halten, während sich das Land im Verhältnis zu Europa durch eine stetige Abwertung relative Vorteile verschafft.
Gegen den Dollar dagegen wertet die Währung nach einem massiven Rückschlag im vergangenen Jahr und einem Werttief beziehungsweise einem Kurshoch im März des laufenden Jahres wieder auf. Nach knapp 52 Rupien sind inzwischen noch 46,5 indische Rupien nötig, um eine Einheit der schwachen amerikanischen Währung erwerben zu können.
Indische Rupie erholt sich gegen den Dollar - gegen den Euro weiterhin schwächlich
Grundsätzlich dürfte Indien an einer robusten Entwicklung der Währung interessiert sein. Denn das Land importiert deutlich mehr als es exportiert, vor allem an Energie. Die Rupie sollte grundsätzlich auch von der wirtschaftlichen Entwicklung der Landes profitieren können. Denn sie übertraf mit einer Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 7,9 Prozent die hohen Erwartungen des Marktes. Das ist die höchste Zahl dieser Art seit zweieinhalb Jahren.
Angeschoben wurde das Wachstum von der kräftigen Expansion im verarbeitenden Sektor. Hier betrug die Zuwachsrate 9,2 Prozent, der höchste Wert seit Juni 2007. Er wiederum profitierte von den fiskalischen und monetären Impulsen, die von der Regierung und von der Zentralbank als Folge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise gegeben wurden. Notenbankgouverneur Duvvuri Subbarao hatte, um die indische Wirtschaft durch die weltweite Finanzkrise zu navigieren, den Repo-Satz seit April auf einem Rekordtief von 3,25 Prozent belassen.
Durch staatliche Investitionen und Steuersenkungen ist das Volumen der Konjunkturmaßnahmen auf zwölf Prozent vom BIP gestiegen. Branchen bezogen wuchsen die Bereiche Handel-, Transport- und Kommunikationsleistungen im abgelaufenen Quartal um 8,5 Prozent, während die Landwirtschaft nur um 0,9 zulegte - der geringste Anstieg seit Dezember 2008. Die Landwirtschaft steht noch für knapp 18 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes und beschäftigt 60 Prozent der Erwerbstätigen, während die Industrie mit 12 Prozent der Beschäftigten rund 30 Prozent des Wachstums erwirtschaftet und der Dienstleistungsbereich mit knapp 30 Prozent der Beschäftigten die Hälfte des BIP.
Mit den jüngsten Wachstumszahl erhält die Notenbank des Landes Spielraum, ihre Konjunktur stützenden Maßnahmen zurückzufahren. Schon in der vergangene Woche hatte Subbarao von der Notwendigkeit gesprochen hatte, die unkonventionelle Wachstumspolitik teilweise zurückzunehmen. Immerhin baut sich schon jetzt deutlicher Inflationsdruck auf. Die Notenbank rechnet damit, dass die Teuerungsrate bis zum 31. März auf 6,5 Prozent steigt. Im Oktober lag sie noch bei 1,34 Prozent und im September bei 0,5 Prozent.
Deutlicher Preisauftrieb wird in Indien langsam zum Problem
Politisch besonders heikel ist der Anstieg der Lebensmittelpreise in einem Land, in dem nach Schätzungen der Weltbank drei Viertel der Bevölkerung von weniger als zwei Dollar am Tag lebt. Die Lebensmittelpreise sind um 15,58 Prozent gestiegen. Der Preisauftrieb bei so genannten Primärgütern lag Mitte November bei etwas mehr als elf Prozent. Angesichts des Umfangs der geldpolitischen Lockerung und des Tempos, mit dem die Inflation zurückgekommen ist, müsse die Geldpolitik recht bald restriktiver werden, schrieb die OECD am 19. November. In einer Parlamentsdebatte erklärte Finanzminister Pranab Mukherjee, man müsse die Notwendigkeit, Stellen zu schaffen, gegen die Inflationsgefahr abwägen. Die Notenbank hatte am 27. Oktober bereits stimulierende Maßnahmen zurückgenommen, indem sie die Banken anwies mehr Geld in Staatsanleihen vorzuhalten.
Das Wachstum wird tatsächlich weitgehend vom Binnenmarkt getragen. Denn im Unterschied zu den Importen erholten sich die Exportaktivitäten in den vergangenen Monaten kaum vom Rückschlag aufgrund der Krise. Die Anzahl er in China verkauften Automobile hat in den vergangenen Jahren dagegen stetig zugenommen und im Oktober des laufenden Jahres einen Rekordwert erreicht.
Das zieht Investitionen von Konzernen aus dem Ausland ebenso an, wie das Kapital internationaler Anleger. Sie haben dazu beigetragen, dass sich der Sensex 30 vom massiven Rückschlag im vergangenen Jahr teilweise erholt und ausgehend vom Zwischentief schon wieder etwas mehr als 100 Prozent auf zuletzt 16926 Punkte erholt hat. Allerdings sind sie die Papiere inzwischen mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinnverhältnis von mehr als 20 auf Basis der Gewinnschätzungen für das laufende Geschäftsjahr schon etwas teuer geworden.
Sollte der Preisauftrieb im Lande, der vom Basiseffekt der inzwischen schon wieder teuer gewordenen Energie- und Rohstoffe weiter angeheizt werden, könnte eine deutlich restriktivere Geldpolitik notwendig werden. Das kann die Kursentwicklung an der indischen Börse dämpfen, während die Rupie davon profitierten sollte. Immerhin würde eine aufwertende Währung über die Importschiene dazu beitragen, den Preisauftrieb zu dämpfen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |