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Neue Steuer geplant : Inder kaufen wie verrückt Gold

Ab Juli wird es in Indien eine spezielle Umsatzsteuer auf Schmuck geben. Bild: AP

Eine neue Mehrwertsteuer in Indien sorgt für Bewegung im Goldgeschäft. Goldhändler in Deutschland hingegen sorgen sich wegen neuer Gesetze.

          Verschiedene Zahlen deuten auf eine außergewöhnliche Nachfrage nach Gold aus Indien hin. So hat die Zollverwaltung der Schweiz mitgeteilt, dass im Mai 67,8 Tonnen Gold aus der Schweiz nach Indien exportiert wurden. Das waren 271 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Auch die von Indien selbst verbreiteten gesamten Gold-Importzahlen sind stark gestiegen, von 37 Tonnen im Mai 2016 auf 115 Tonnen im Mai 2017 (plus 211 Prozent).

          Dahinter stecken offenbar die Pläne der indischen Regierung, zum 1. Juli eine neue Mehrwertsteuer von 3 Prozent auf Gold einzuführen, wie die Commerzbank berichtet. „Höhere Importe im Vorfeld der Steuereinführung wirken derzeit preisstützend“, sagt Rohstoff-Analyst Daniel Briesemann: „Nach der Einführung sollte diese Stütze aber wegfallen.“ Der Goldpreis notierte am Freitag wieder fester bei 1256 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Seit Jahresbeginn ist Gold damit knapp 10 Prozent teurer geworden.

          Bisheriges System war unübersichtlich

          Die Wirkung der Steueränderung in Indien sei allerdings nicht ganz eindeutig, meint Heinrich Peters, Rohstoffanalyst der Landesbank Hessen-Thüringen. „Vom 1. Juli an wird es in Indien eine spezielle Umsatzsteuer auf Schmuck geben, wodurch die bisherige Besteuerung im Zusammenhang mit Gold vereinfacht wird.“ Da ein höherer Satz als die nun vorgesehenen 3 Prozent erwartet worden sei, hätten Händler im Vorgriff auf die Steueränderung ungewöhnlich viel Gold importiert.

          Gold

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          Dies könnte kurzfristig angesichts eines zu erwartenden Lagerabbaus zu einer Gegenbewegung bei den Importen führen. Immerhin solle offenbar im Zuge der Steuervereinfachung auch die Importsteuer auf Gold von 10 auf 2 Prozent in zwei Jahren (in einem ersten Schritt auf 6 Prozent) reduziert werden. Insgesamt sei wohl mit Blick auf den Goldhandel in Indien die höhere Transparenz der Besteuerung zu begrüßen, zumal das bisherige System vielen unübersichtlich erschienen sei. Allerdings werde die Importsteuer ja nicht völlig entfallen, womit die Politik sich ein Türchen offengelassen habe.

          Kunden müssen in Deutschland bald Ausweis vorzeigen

          Robert Hartmann, Geschäftsführer des Goldhändlers Pro Aurum, meint: „Noch vor wenigen Jahren galt man als Verschwörungstheoretiker, wenn man den Regierungen die geplante Abschaffung von Bargeld unterstellt hat. Mittlerweile betreiben einige Länder aktiv und ungeniert dieses Ziel.“ Nun gebe es auf allen fünf Kontinenten Maßnahmen oder zumindest Pläne zum Einschränken der Bargeldfunktion. Der indischen Regierung seien die eigenen Bürger, die seit Generationen massiv Gold kauften, offenbar ein Dorn im Auge. Erst voriges Jahr habe man die großen Banknoten abgeschafft, mit denen gerne Gold gekauft worden sei; jetzt solle die Goldsteuer kommen.

          In Deutschland treibe die Goldinvestoren hingegen eine andere Frage um, sagt Hartmann. Die Mehrwertsteuer auf Gold sei 1993 abgeschafft worden – mit einer Wiedereinführung rechne man nicht. Im Rahmen einer Ausweitung des Geldwäschegesetzes solle aber die Grenze für anonyme Bargeldzahlungen jetzt von 15000 auf 10000 Euro gesenkt werden. Auch der Edelmetallhandel sei betroffen. Künftig müssten Kunden bei einem Goldkauf von 10000 Euro an Personalausweis oder Reisepass vorlegen. Dabei seien gerade anonyme Tafelgeschäfte bei Pro Aurum sehr beliebt: „Anders als bei den meisten Investment-Produkten sind keine langwierigen Transaktionen erforderlich – und es werden auch keine hohen Bearbeitungsgebühren fällig.“

          Quelle: F.A.Z.

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