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Anlagen in Schwellenländern : Oft entscheidet die Währung über die Aktienrendite

Konnte die brasilianische Talfahrt auch nicht aufhalten: Christus-Statue in Rio de Janeiro Bild: Reuters

Nach der amerikanischen Zinswende war die Angst vor Kapitalflucht groß. Doch plötzlich werten in den Schwellenländern überraschend viele Währungen auf. Ist dort das Schlimmste also vorbei?

          Viele Anleger hatten befürchtet, dass jetzt Geld aus den Schwellenländern abgezogen wird. Doch zumindest am ersten Tag nach der ersten Zinserhöhung der amerikanischen Notenbank seit neun Jahren blieb die befürchtete Abwertungswelle aus. Euro und Franken werteten zwar zum Dollar deutlich ab, die Währungen von Ländern wie Südafrika, Indonesien, Indien und der Türkei werteten am Donnerstag dagegen auf, zum Teil sogar kräftig. Die französische Bank Société Générale, die ihren Kunden zuvor zu einer Wette gegen die türkische Lira geraten hatte, nahm diesen Rat am Donnerstag zurück, nachdem er Verluste eingebracht hatte.

          Bild: F.A.Z.
          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Währungen sind nicht nur etwas für Spekulanten. Ihre Wertentwicklung müssen alle beachten, die Geld im Ausland anlegen. Währungen geben oft den Ausschlag für die Rendite, schließen schwanken sie häufig stärker als Aktienindizes. Davon können auch Profis wie Angelika Millendorfer ein Lied singen. Die Fondsmanagerin ist bei der österreichischen Investmentgesellschaft Raiffeisen für die Geldanlage in osteuropäischen Aktien verantwortlich und verfügt über 20 Jahre Erfahrung. Anders als die meisten ihrer Wettbewerber hat Millendorfer nur 50 und nicht 60 Prozent in russischen Aktien investiert. Doch auch ihr Fonds Raiffeisen-Osteuropa-Aktien leidet unter seinen russischen Aktien wie Gazprom und Lukoil. Seit einem Jahr hat der Fonds 11 Prozent, in drei Jahren 33 Prozent an Wert verloren. Hätte der Fonds mehr russische Aktien, wären die Verluste noch höher.

          Brasilien und Südafrika wirken wie Kapitalvernichtungsbeschleuniger

          Dabei hat der russische Aktienindex Micex seit Jahresanfang 2014 und in den vergangenen sechs Monaten in Punkten zugelegt, trotz des im Frühjahr 2014 ausgebrochenen Ukraine-Konflikts und der tiefsten Ölpreise seit 2009. Aber die russische Währung hat allein in den vergangenen sechs Monaten 21 Prozent zum Euro verloren, der gleichzeitig gegen den Dollar 4 Prozent abgewertet hat. Deutsche haben mit russischen Aktien also nicht wie in Rubel 7 Prozent verdient, sondern 15 Prozent verloren. Das zeigt, wie wegen schwacher Währungsentwicklung aus einem eigentlich positiven Aktieninvestment ein Verlust werden kann. In Brasilien und Südafrika, wirken die Währungen Real und Rand, die zum Euro 18 und 15 Prozent verloren haben, für ausländische Anleger wie Kapitalvernichtungsbeschleuniger: In Euro erhöht sich der Verlust des brasilianischen Aktienindex Bovespa allein in den vergangenen sechs Monaten von knapp 16 auf 31 Prozent.

          Aber der Währungseffekt kann auch positiv ausschlagen. Anleger, die in den nächsten Jahren einen „weichen“ Euro befürchten, können darauf setzen, mit Auslandsanlagen eine Rendite zu verdienen. Diese Rechnung ging in den Schwellenländern in den Jahren 2000 bis 2013 weitgehend auf. Damals hoben sich die dynamischen „BRIC“-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) vorteilhaft von den nur noch langsam wachsenden Industrienationen ab. In der Finanzkrise der Industrieländer floss besonders viel des von den Notenbanken immer billiger gemachtes (Fremd-)Kapital in Schwellenländer. Zwischen 2009 und 2014 zogen sie nach Daten des Internationalen Währungsfonds 4000 Milliarden Dollar an.

          Indien gilt als Anlagefavorit 2016

          Doch seit amerikanische Notenbanker im Mai 2013 erstmals Zinserhöhungen andeuteten, ist der Kapitalzufluss weitgehend gestoppt. An den Finanzmärkten ist selten noch positiv von „Bric“ die Rede, stattdessen ist das zweifelhafte Bonmot „Fragile Five“ in vieler Munde. Damit sind Brasilien, Indonesien, Indien, Südafrika und die Türkei gemeint, deren Gemeinsamkeit ein Leistungsbilanzdefizit ist. Dieses Defizit kann durch Investitionen von Unternehmen und von Anlegergeld gedeckt werden. Weil internationale Fonds schnell Geld abziehen können, gelten die fünf mit Leistungsbilandefizit als fragil – besonders dann, wenn Amerika mit höheren Zinsen lockt.

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