04.05.2009 · Nach einem starken Anstieg Ende 2008 bewegt sich der Goldpreis derzeit seitwärts. Das World Gold Council ist die Organisation der großen Minengesellschaften. Die gebürtige Neuseeländerin Rozanna Wozniak ist für die Anlageforschung zuständig.
Nach einem starken Anstieg Ende 2008 bewegt sich der Goldpreis derzeit seitwärts. Das World Gold Council ist die Organisation der großen Minengesellschaften. Die gebürtige Neuseeländerin Rozanna Wozniak ist für die Anlageforschung zuständig.
Ist Gold wirklich ein sicherer Hafen in Krisenzeiten, oder ist das nur ein Mythos?
Gold ist als Anlageklasse einzigartig. Andere Geldanlagen, die gemeinhin als sicherer Hafen gelten, wie zum Beispiel der amerikanische Dollar, sind immer Inflationsrisiken ausgesetzt. Gold ist der einzige Rohstoff, der sowohl an sich einen Wert hat und zugleich als Währung eingesetzt werden kann. In Vietnam werden Häuser zum Beispiel auch heute noch in Goldmünzen bezahlt, weil die Menschen ihrer eigenen Währung misstrauen.
Gemeinhin wird das Edelmetall als "totes Kapital" bezeichnet. Warum sollte ein Anleger trotzdem in Gold investieren?
Man darf Gold nicht isoliert betrachten, sondern muss sich fragen, wie es das eigene Portfolio ergänzen kann. Als Investor sollte man nie alle Eier in einen Korb legen, sondern sein Vermögen diversifizieren. Gold hat die Rolle eines Kissens, das Härten abfedert, wenn andere Anlageklassen unter Druck geraten. Das ist genau die Funktion, die im Moment wieder so geschätzt wird.
Welchen prozentualen Anteil sollte Gold am Portfolio haben?
Unsere Studien haben ergeben, dass 5 bis 10 Prozent optimal sind - je nach Wirtschaftslage. Wenn die Konjunktur brummt, ist es eher weniger; in einer Krise wie dieser hingegen eher mehr.
Was sind die Vorteile von Gold gegenüber anderen Anlageklassen?
Die Nachfrage ist relativ konstant, weil Gold sowohl ein industrieller Rohstoff als auch eine Geldanlage ist. Brummt die Konjunktur, steigt die Nachfrage der Schmuckindustrie. In Krisen geht die industrielle Nachfrage zurück, dafür kaufen die Investoren. Diese Faktoren balancieren sich gegenseitig aus und stabilisieren den Preis ein Stück weit.
Welchen Einfluss hatten die Altgold-Rückflüsse in den vergangenen Monaten auf den Goldmarkt?
Wenn der Goldpreis steigt, zieht sich die Schmuckindustrie zurück, es fließt mehr Altgold in den Markt. Sinkt der Goldpreis daraufhin, geht das Angebot an Altgold zurück, und die Juweliere greifen wieder zu. Diesen Mechanismus haben wir schon oft beobachtet. Aber diesmal war es anders als sonst.
Inwiefern?
Wir haben einen starken Anstieg des Altgold-Angebots registriert. Und zwar nicht nur als Antwort auf Preiserhöhungen. Diesmal haben die Leute Gold bei jedem Preis verkauft, weil sie Bargeld brauchten. Dieses Phänomen haben wir nicht nur - wie sonst üblich - in Asien und im Mittleren Osten beobachtet, sondern auch in Westeuropa. Das ist ein Resultat der Krise.
Waren die Altgold-Rückflüsse denn so stark, dass sie Druck auf den Preis ausgeübt haben?
Ich denke schon. Nur so ist es zu erklären, dass die enorme Zunahme der Investmentnachfrage den Preis nicht stärker nach oben getrieben hat.
Gibt es denn außerhalb der Schmuckbranche eine industrielle Nachfrage für Gold?
Es gibt vielversprechende Ansätze für den Goldeinsatz in der Autoindustrie als Alternative zu Platin. Außerdem findet es in der Wasserreinigung und in der Medizintechnik Verwendung.
Und wie sieht es mit der Investment-nachfrage aus? Sind schon viele institutionelle Investoren auf dem Goldmarkt aktiv, oder kaufen bislang eher die Kleinanleger?
Das Interesse der institutionellen Investoren am Goldmarkt hat zugenommen, ist aber immer noch gering. Dort schlummert noch viel Potential.
Was ist die Rolle der Zentralbanken auf dem Goldmarkt? Ist ihr Interesse an dem Edelmetall wieder gewachsen?
Die europäischen Zentralbanken, die in der Vergangenheit als Nettoverkäufer unterwegs waren, geben immer weniger Gold an den Markt ab. Russland und China haben ihre Goldreserven in der letzten Zeit hingegen ordentlich aufgestockt.
Warum hat China in der letzten Zeit so viel Gold akkumuliert?
Ich denke, sie schätzen es vor allem als Absicherung gegen den Dollar. Außerdem ist es wohl die einzige Anlageklasse, die keinerlei Korrelation zu amerikanischen Staatsanleihen hat, von denen sie sehr, sehr viele besitzen.
In der Vergangenheit gab es immer wieder Spekulationen darüber, dass der Goldstandard wieder eingeführt werden könnte. Halten Sie solche Gedankenspiele für realistisch?
Als Verfechterin eines freien Marktes bin ich der Ansicht, dass die Regierungen eher die Ursachen der Krise kurieren sollte als ihre Symptome. Ich halte die Einführung des Goldstandards für wenig wahrscheinlich.
Sauber, sachlich, und auf dem neusten Stand
Konrad Fit (Einstein-1)
- 05.05.2009, 00:24 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |