06.02.2010 · Kupfer ist wieder teuer geworden. Der Preis spiegele die sich erholende Weltkonjunktur wider, vor allem in China, heißt es gemeinhin. David Threlked ist anderer Meinung. Der Kupfermarkt werde zu 90 Prozent von Spekulanten bewegt, sagt er.
Nach einer massiven Zwischenkorrektur im vergangenen Jahr ist Kupfer in den vergangenen Monaten wieder teuer geworden. Der Preis des Industriemetalls sei ein vorlaufender Konjunkturindikator. Er spiegele die sich erholende Weltkonjunktur wider, vor allem in China heißt es gemeinhin.
David L. Threlkeld ist anderer Meinung. Der Kupfermarkt werde nicht mehr von der Realwirtschaft bewegt, sondern zu 90 Prozent von Spekulanten. Wann immer auch sie sich zum Verkauf entschließen sollten, werde es zu einem dramatischen Preisverfall kommen, erklärt er. Threlked hat mehr als 40 Jahre Erfahrung im Handel mit Industriemetallen. Er trug schon vor Jahren dazu bei, dass die Manipulation des Kupfermarktes durch Nomura aufgedeckt wurde.
Sie erklären, der Kupfermarkt sei manipuliert. Ist das richtig?
Nein der Markt ist nicht unbedingt manipuliert, aber er bildet mit Sicherheit eine Preisblase. Das zeigt sich ganz einfach daran, dass die Herstellung von Kupfer ein Dollar je Pfund kostet. Gehandelt wird es jedoch zu einem Preis von drei Dollar pro Pfund. Und das, obwohl wir gerade den größten Finanzkollaps seit dem Jahr 1929 hinter uns haben und obwohl die Produktion um mindestens zwei Millionen Tonnen größer ist als der Verbrauch.
Also das Angebot ist größer als die Nachfrage?
Nutzen Sie nicht den Begriff Nachfrage. Denn wenn ein chinesischer Spekulant 1.000 Tonnen Kupfer kauft, so nennt man das gemeinhin chinesische Nachfrage. Das bedeutet jedoch nicht, dass dieses Kupfer in China tatsächlich benötigt wird. Denn China produziert selbst Kupfer und dort steigt die Kupferproduktion schneller als der Verbrauch.
Wer kauft denn das ganze Kupfer?
Spekulanten. Das heißt, Hedge-Fonds, Investmentbanken und Indexfonds. Sie kaufen das Kupfer, nur um es aus statistischen Gründen nach China zu verschiffen. Auf diese Weise wird die Illusion erweckt, die Nachfrage sei groß genug sei, um sämtliche Überschüsse zu absorbieren.
Worauf schauen Sie, wenn Sie so argumentieren?
Alle Daten zeigen, dass die Kupfernachfrage mit Ausnahme von Asien in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen ist. Dagegen war die Differenz zwischen Kupferverbrauch und -produktion in China selbst nur sehr gering. Das spricht für sich.
Viele argumentieren jedoch mit der wirtschaftlichen Erholung und erklären, der Kupferpreis gebe die reale Nachfrage wieder und sei in diesem Sinne ein vorlaufender Konjunkturindikator.
Diese Argumentationskette wurde vor langer, langer Zeit eingeführt von einem Mann namens Alan Greenspan. Er war damals Mitglied der New Yorker Rohstoffbörse. Damals bestand der Kupfermarkt zu zehn Prozent aus Spekulation. 90 Prozent des Handelsvolumens ging auf Kupferproduzenten und -verbraucher zurück. Heute dagegen besteht der Markt zu 90 Prozent aus Spekulanten und gerade einmal zu zehn Prozent aus Marktteilnehmern mit Bezug zur Realwirtschaft. Der Kupfermarkt ist also kein Wirtschaftsindikator mehr.
Welche Rolle spielen so genannte OTC-Geschäfte?
Dieser Markt gleicht einem „Dark Pool“. Die Transparenz ist gleich Null. Die Mehrheit der Geschäfte beruhen auf Gegenseitigkeit und werden über die Handelsdesks von Investmentbanken und Hedge-Fonds et cetera abgewickelt. Es gibt nur sehr wenig Hinweise darauf, was im Markt wirklich vor sicht geht.
Heißt das, die CFTC-Daten sind nutzlos?
Diese Daten beziehen sich nur auf den Handel in den Vereinigten Staaten. Diese Marktteilnehmer agieren aber nicht an den amerikanischen Märkten, weil dort nicht gemacht werden kann, was zum Beispiel an den europäischen Märkten möglich ist.
Wollen Sie damit sagen, der Handel an der London Metal Exchange funktioniere nicht sauber?
Die London Metal Exchange erfüllt nicht mehr den Zweck für den sie eigentlich eingerichtet wurde. Es ist kein realer Markt mehr, sondern dient nur noch dazu, einen Referenzpreis zu ermitteln. Kupferanbieter und -konsumenten orientieren sich beim Handel zwar daran, aber die eigentlichen Transaktionen werden nicht an der LME getätigt.
Was kann ich aus dieser Aussage ableiten?
Lassen sie uns eine Analogie ziehen. Die inzwischen geplatzte Hauspreisblase ist entstanden, weil Leute mit günstigen Krediten Häuser kaufen und kurz danach mit Gewinn weiterverkaufen konnten. Sie waren jedoch nicht in der Lage, viele Immobilien zu erwerben, sondern sie machten eine Transaktion nach der anderen. Der Rohstoffhandel ist anders, denn Rohstoffkontrakte bringen den Handel auf Kredit automatisch mit sich …
… Sie meinen den notwendigen Kapitaleinschuss von gerade einmal fünf Prozent des Nominalwertes?
Genau. Um ein Rohstoffkontrakt mit einem nominalen Gegenwert von 100 Dollar erwerben zu können, muss ich gerade einmal fünf Dollar einschießen. Wenn der Preis auf 105 geht, habe ich nicht nur das Eigenkapital verdoppelt, sondern ich kann mir einen weiteren Kontrakt dazu kaufen. Steigt er auf 107,5 kann ich einen weiteren kaufen …. und so weiter. Man muss keinerlei Kreditantrag dafür stellen.
Welche Folgen hat das für den Markt?
Nach meinen Schätzungen gab es im vergangenen Jahr einen Kupferüberschuss von 2,5 Millionen Tonnen. Alleine um den Markt ins Gleichgewicht zu bringen, musste er von jemanden gekauft werden. Um den Preis jedoch nach oben zu bringen, musste man mehr kaufen, möglicherweise noch einmal dieselbe Menge.
Hat der Spekulant Kontrakte für fünf Millionen Tonnen Kupfer in seinem Depot, so können 2,5 Millionen Tonnen physisch geliefert werden, während es weitere leer verkaufte Kontrakte für 2,5 Millionen Tonnen gibt. Im Falle einer Liquidationswelle stehen so jeweils zwei zu verkaufende Kontrakte nur einem gegenüber, das zurückgekauft werden muss.
Was kann eine Verkaufswelle auslösen?
Sobald China ernsthaft beginnt, die lockere Geldpolitik zu zügeln, die dazu gedacht war, die Wirtschaft zu stimulieren, die jedoch zu Spekulation mit Immobilien bis hin zu Kupfer geführt hat, kann das zu einer Panik am Markt im Schanghai führen. Denn dort gibt es große spekulative Kupferpositionen. Sie könnte auch ausgelöst werden, wenn die, die den Aufkauf der Kupferbestände finanziert haben, ihr Geld brauchen. Dann verkaufen sie an die LME, wo die Lagerbestände innerhalb kurzer Zeit von 500.000 auf drei Millionen Tonnen steigen werden. Plötzlich werden sich viele, die dachten, Kupfer sei aufgrund des kolportierten Verbrauchs in China knapp, die Augen reiben und die Realität sehen.
Welche Folgen hat das?
Angenommen, Kunden von Barclays haben Kontrakte für eine Millionen Tonnen Kupfer in ihren Depots, die sie zu drei Dollar je Pfund erworben haben. Sollte der Preis kollabieren und auf einen Dollar fallen, führte das zu einem Verlust von etwa 4000 Dollar je Tonne oder von etwa vier Milliarden Dollar insgesamt. Die Frage ist, ob die Kunden oder Barclays diese Summe haben.
Hier in Europa raten Fondsmanager und Banken ihren Kunden zum Kauf von Rohstoffen. Würden sie?
Ich fürchte, diese Märkte werden sehr schnell reif. Die Basis für die Geldanlage ist etwas zu finden, das einen guten Gegenwert bietet. Ist es klug, etwas für drei Dollar zu kaufen, das sich für einen Dollar herstellen lässt und wofür es ein Überangebot gibt?
Sollten Märkte dieser Art reguliert werden?
Man muss die Möglichkeit beschränken, auf Kredit spekulieren zu können. Das ist sehr einfach, denn man braucht nur die Einschussmargen für Spekulanten deutlich zu erhöhen. Zum Beispiel auf 50 Prozent.
Erwarten sie das?
Nein, denn die Börsen sind mehr an der Volumenentwicklung interessiert als an der Integrität des Marktes.
Politischer Druck, wie er derzeit von den Regierungen zumindest verbal artikuliert wird, wird also nicht umgesetzt?
Ich fürchte, die Regulatoren haben die Märkte nicht mehr im Griff. Dabei sollten sie, ähnlich wie in Las Vegas, grundsätzlich davon ausgehen, dass jeder ein Ganove ist. Genau das liegt nahe, wenn man sieht, welche Beträge im Spiel sind und wie einfach es ist, auf illegale Art und Weise Gewinne zu machen.
Was würden Sie tun, wenn Sie Regulator wären?
Erstens würde ich den notwendigen Kapitaleinsatz für Spekulanten deutlich erhöhen. Zweitens würde ich dafür sorgen, dass alle Transaktionen ausnahmslos über die Börsen abgewickelt werden müssen. Der so genannte OTC-Markt müsste verboten werden, immerhin führte genau der zu Problemen im Derivatebereich. Zudem würde ich es nicht zulassen, dass Fondsmanager gemäß der Entwicklung der Marktpreise entlohnt werden. Denn so werden sie dazu verleitet, alles zu tun, um die Preise in Bewegung zu bringen.
Wie sieht es mit den anderen Metallmärkten aus?
Ähnlich, in Abhängigkeit von der Möglichkeit, die Märkte zu bewegen. Es ist wenig sinnvoll, Aluminium nach China zu bringen, während China mit seiner Produktion die Weltmärkte flutet.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |