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Im Gespräch: Paul Walker, Vorstandsvorsitzender von GFMS „Goldpreis birgt Abwärtsrisiken“

22.09.2009 ·  Paul Walker von Gold Fields Mineral Services (GFMS), einem führenden Gold- Forschungsinstitut, sieht den Preis in den kommenden Monaten in einer Spanne von 900 bis 1100 Dollar je Unze schwanken.

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GFMS ist das wichtigste unabhängige Beratungsunternehmen der Edelmetallbranche. Es beschäftigt 15 Analysten, Volkswirte und Geologen. Paul Walker ist der Vorstandsvorsitzende. Er sieht den Preis in den kommenden Monaten in einer Spanne von 900 bis 1100 Dollar je Unze schwanken.

Herr Walker, die Bullen jubeln angesichts der hohen Goldpreise. Doch Sie sind nicht gewillt, ohne Vorbehalte dem Bullenlager beizutreten. Warum nicht?

Damit sich der Goldpreis auf dem aktuellen Niveau halten kann, ist er auf eine anhaltend hohe Investmentnachfrage angewiesen. Ich glaube nicht daran, dass sich diese Nachfrage ohne Unterbrechungen stetig fortsetzen wird. Deshalb sehe ich auch Abwärtsrisiken für den Goldpreis.

Was wäre das ideale Umfeld für eine anhaltend hohe Investmentnachfrage?

Eine Kombination aus Inflationserwartungen und ersten Zeichen von Inflation.

Sie verweisen als Belastungsfaktor auch auf gestiegene Verkäufe von Altschmuck. Aber waren diese nicht ein Resultat des Liquiditätsbedarfs in der Krise?

Die meisten Altgoldverkäufe waren aus meiner Sicht ein Resultat der höheren Goldpreise und keine Notverkäufe aufgrund der Kreditkrise.

Nach Ihrer Ansicht könnten steigende Zinsen den Goldpreis belasten. Aber ist das nicht nur bei steigenden Realzinsen zu erwarten? Wie wahrscheinlich ist das bei eventuell steigenden Inflationsraten?

Steigende nominale und reale Zinsen erhöhen für Halter von Gold die Opportunitätskosten. Die Zinsen können vom derzeitigen Niveau aus nur steigen. Sollten sie wegen eines anziehenden Wirtschaftswachstums anziehen, dürfte Gold ins Straucheln kommen. Sollten die Zinsen wegen Inflationsängsten steigen, könnte der Goldpreis hoch bleiben, weil einige Anleger Gold als Schutz gegen Inflation sehen. Doch ich glaube, dass die Notenbanken bei ernsthaften Inflationssorgen die Zinsen aggressiv erhöhen werden. Und das wäre dann schlecht für Gold.

Gold ist noch unterproportional in den Depots vertreten. Spricht das nicht für weitere Käufe, nachdem die Krise zu einem Umdenken in Sachen Risikomanagement geführt haben dürfte?

Es besteht kein Zweifel daran, dass das Nachdenken über das Thema Risikomanagement das Gold kurzfristig auf dem Radarschirm der Anleger halten wird. Produkte wie ETFs haben nach meiner Einschätzung das Niveau eines langfristig haltbaren Goldpreises erhöht. Doch die Nachfrage nach diesen börsengehandelten Goldfonds dürfte auch wieder nachlassen, und das wird kurzfristig die Goldpreise belasten.

Können Sie sich eine Rückkehr zum Goldstandard vorstellen?

Gold ist ein fester Bestandteil der Geldwirtschaft und bildet für viele Notenbanken die Reservebasis. Eine Rückkehr zum Goldstandard kann ich mir aber nicht vorstellen. Das ist nicht praktikabel und wäre auch zu restriktiv. Die meisten Ökonomen haben erkannt, dass mit Papiergeld ohne Golddeckung das langfristige Wirtschaftswachstum gesteigert werden kann, solange damit verantwortungsvoll umgegangen wird.

Raten Sie einem Anleger, der sich in Gold engagieren will, eher zu Anlagen in physischem Gold oder in Goldaktien?

Ich empfehle eine Kombination aus beidem, wobei Goldaktien einen Hebel auf die Entwicklung des Goldpreises bieten.

Sind ETFs, deren Bestände in Banken gelagert werden, in einer Bankenkrise so sicher wie privat gelagertes physisches Gold?

Im Grunde genommen ja. Aber wenn man sich wirklich Sorgen um die Stabilität des Finanzsystems macht, dann sollte man besser physisches Gold halten.

Überzeugte Goldanhänger behaupten, es gebe einflussreiche Institutionen, die gemeinsam versuchten, den Goldpreis zu manipulieren und künstlich niedrig zu halten? Wie stehen Sie dieser Verschwörungstheorie gegenüber?

Dafür gibt es überhaupt keinerlei Beweise. Und letztlich wären diese Versuche auch nicht aufgegangen, da sich der Goldpreis in den vergangenen acht Jahren vervierfacht hat. Alle von uns gesammelten Daten, die auf unabhängigen Quellen basieren, stützen diese Behauptung jedenfalls in keiner Weise.

Das Gespräch führte Jürgen Büttner.

Quelle: F.A.Z.
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