01.10.2009 · Die Aktien der Großkonzerne gelten als langweilig. Derivate auf Öl taugen auch wenig. Kleine Ölunternehmen seien interessanter, findet der Ölanalyst Fadel Gheit, der den Ölmarkt seit 25 Jahren beobachtet.
Fadel Gheit beobachtet seit 25 Jahren den Ölmarkt. Er ist Analyst bei der Investmentbank Oppenheimer & Co. in New York. Er findet die Aktien der Großkonzerne langweilig und Derivate auf Öl taugten auch wenig. Kleine Ölunternehmen seien interessanter.
Herr Gheit, wo sollten Anleger, die in den Ölmarkt investieren möchten, ihr Geld einsetzen?
Auch wenn der Rohölpreis zugelegt hat, haben die meisten Aktien der Ölunternehmen an der Rally nicht wirklich teilgenommen. Der breite Aktienmarkt, der sich im S&P-500-Index abbilden lässt, hat sich besser entwickelt als die Aktienkurse großer Öl- und Gasunternehmen. Der S&P 500 ist seit Jahresanfang um 17 Prozent gestiegen, aber die Konzerne - darunter Exxon, Royal Dutch Shell und BP - haben zusammen nur 1 Prozent gewonnen.
Das klingt nicht gut für Investoren...
Das stimmt. Die stärksten Zuwächse hatten die kleinen Öl- und Gasproduzenten, darunter Anbieter wie Anadarko Petroleum und Chesapeake Energy. Solche Werte haben sich gut entwickelt, manche gewannen mehr als 100 Prozent hinzu.
Anleger sollten also Exxon und Co. vergessen und auf die Kleinen setzen?
Ja. Es ist zudem ein deutlicher Wechsel im Anlegerverhalten zu beobachten: Die Investoren gehen ein höheres Risiko ein, denn sie wollen mehr Wachstum. Das können aber Großkonzerne wie Exxon nicht mehr liefern, genauso wenig wie Shell und Conoco Phillips. BP hat etwas Wachstum zu bieten, aber das ist nicht zu vergleichen mit den kleinen Unternehmen.
Nehmen wir an, Exxon findet 1 Milliarde Barrel Öl: Das entspricht nur 4 Prozent der Exxon-Reserven. Hingegen entsprechen 100 000 Barrel Öl rund 30 Prozent der Reserven der Mur-phy Oil Corporation. Das bedeutet: Je kleiner das Unternehmen, desto größer das Wachstumspotential für den Fall, dass sie bei einer Bohrung erfolgreich sind. Der Markt zahlt für Wachstumsaussichten.
Dann macht Tullow Oil alles richtig? Die sind klein und haben gerade ein großes Ölfeld vor Afrikas Küste gefunden.
Nach dieser Entdeckung hat sich der Aktienkurs von Tullow Oil fast verdoppelt. Die Kurse der Kleinen reagieren besonders stark auf gute Nachrichten.
Wie geht es mit dem Ölpreis weiter?
Es ist unwahrscheinlich, dass der Ölpreis abstürzt. Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hat sich festgelegt: Sie halten sich an ihre Quoten. Sie werden den Markt nicht mit zu viel Öl beliefern und damit die Preise senken, nur weil die Nachfrage schwach ist. Der Verbrauch wird nicht stark zulegen, weil die Weltwirtschaft schwach ist und Öl gespart wird. Die Opec wird kein Überangebot erzeugen.
Was halten Sie davon, statt Aktien lieber Öl-Derivate zu kaufen?
Ich halte nichts von Derivaten. Das sind finanzielle Instrumente, die gefährlich sind und neue Krisen auslösen können. Banken wie Goldman Sachs, Morgan Stanley, UBS und Deutsche Bank haben mehr Kontrolle über die Öl-Kontrakte als Exxon und BP zusammen.
Es liegt an den Aufsichtsbehörden zu reagieren. Wenn man die Spekulanten im Ölgeschäft bremsen würde, könnte der Ölpreis um 10 Dollar sinken, davon bin ich überzeugt. Abhängig von den Fundamentaldaten müsste der Ölpreis eher bei 50 Dollar liegen. Dabei ist auch berücksichtigt, dass es immer wieder politische Spannungen wie zuletzt die Lage in Iran gibt und dies den Ölpreis beeinflusst.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |