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Im Gespräch: Jim Rogers „Der Goldpreis wird auf 2000 Dollar steigen“

20.10.2010 ·  Der legendäre Investor Jim Rogers setzt auf steigende Rohstoffpreise. Mit Alexander Armbruster hat er über Gold und Silber, die chinesische Wechselkurspolitik und den Bedeutungsverlust des Dollar gesprochen - und darüber, warum er mit seiner Familie nach Singapur gezogen ist.

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Jim Rogers genießt an den Finanzmärkten Legendenstatus. Im Jahr 1970 gründete er zusammen mit George Soros den Quantum Fund, den er 1980 verlies. Er war Finanzprofessor und ist Autor mehrerer erfolgreicher Bücher, eines davon beschreibt eine Reise mit dem Motorrad um die Welt, für die er ins Guiness Buch der Rekorde eingetragen wurde. Rogers ist ausgewiesener Rohstoffexperte und setzt auch im aktuellen Umfeld auf diesen Bereich.

Als einen Grund dafür nennt der 1942 geborene Rogers die Geldpolitik insbesondere der Vereinigten Staaten, wo die Notenbank möglicherweise im November ein zweites Programm auflegt, um amerikanische Staatsanleihen zu kaufen und so neues Geld in Umlauf zu bringen. Rogers hat nun eine Wette auf fallende Kurse von amerikanischen Staatsanleihen abgeschlossen. Er glaubt daran, dass der Dollar langfristig als Weltreservewährung abgelöst wird. Und er erwartet, dass Gold und vor allem Silber in den kommenden zehn Jahren noch deutlich teurer werden.

Herr Rogers, die amerikanische Notenbank könnte im November zum zweiten Mal ein Programm auflegen, um Staatsanleihen zu kaufen - die Marktteilnehmer schauen darauf momentan wie auf kein anderes Ereignis. Ist jetzt der richtige Moment, um den Markt für amerikanische Staatsanleihen zu verlassen?

Ich habe in geringem Umfang angefangen, diesen Markt zu shorten, also auf fallende Kurse zu setzen. Ob das richtig ist, können Sie mich in einer Woche, einem Monat oder einem Jahr fragen.

Hilft denn ein weiteres Anleihekaufprogramm der Notenbank aus Ihrer Sicht überhaupt, um die Wirtschaft anzukurbeln und die hohe Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten zu verringern?

Diese Maßnahmen haben bisher nicht geholfen, und sie werden auch in Zukunft nicht helfen. So etwas hat während der vergangenen zwanzig Jahre schon in Japan nicht funktioniert und in Großbritannien ebenfalls nicht.

Was sollte die amerikanische Regierung sonst tun?
Nichts, außer Steuern senken und Schulden verringern. Wer bankrott ist, muss auch bankrott gehen. Nur so kann sich das System bereinigen. Wir haben mindestens zwanzig Jahre aberwitzige Übertreibungen an den amerikanischen Kreditmärkten erlebt. Die Folgen können wir nicht innerhalb von zwei Jahren reparieren und hoffen, dass dann schon wieder alles in Ordnung ist. Wir müssen einige Zeit Schmerzen aushalten, das System muss die Fehler liquidieren und dann noch einmal von vorne anfangen. Um es noch einmal zu betonen: Die Vorstellung, dass zwanzig Jahre aberwitzige Ausschweifungen keinen Preis haben, ist lächerlich.

Wird die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten auf absehbare Zeit sinken?

Wenn sich die Wirtschaft erholt, dann schon. Die Frage ist, ob sie das tut. Ich denke, dass sich die Entwicklung wahrscheinlich in zwei Jahren eher wieder verschlechtern wird. Die Vereinigten Staaten erleben ungefähr alle 4 bis 6 Jahre eine wirtschaftliche Abkühlung und dieses seit zwei- bis dreihundert Jahren. In den Jahren 2012 oder 2013 wird eine weitere Abkühlung überfällig sein.

Die Vereinigten Staaten beschweren sich über die Wechselkurspolitik Chinas und fordern Peking auf, eine Aufwertung des Renminbi zuzulassen. Sollte die chinesische Regierung das tun und würde das den Vereinigten Staaten helfen?
Ich glaube nicht, dass das den Vereinigten Staaten sehr viel helfen würde. Gleichwohl sollte China den Wechselkurs seiner Währung freigeben und den Markt über ihren Wert entscheiden lassen. Das wäre gut für China, für die Chinesen und nicht zuletzt für die Welt als Ganze. Ich sehe nicht, wie China eine große, international erfolgreiche Wirtschaft haben kann, wenn seine Währung nicht voll konvertibel ist. Das macht einfach keinen Sinn.

Aber wäre nicht eine Aufwertung des Renminbi ein Problem für Chinas Wettbewerbsfähigkeit, weil dann viele chinesische Produkte im Ausland teurer würden?

Ja, aber im Gegenzug würde alles, was China importiert, billiger. China importiert beispielsweise viel Öl, Baumwolle, und auch Nahrungsmittel. Der Preis all dessen würde aus der Sicht von 1,3 Milliarden Chinesen sinken und diese besser stellen - der Lebensstandard würde steigen. Sicher gäbe es auch einige Leidtragende, aber die Mehrheit des Landes würde von einer aufwertenden Währung profitieren.

Wie sollen Anleger in diesem Umfeld agieren?

Zunächst sollten sie - und das gilt übrigens in jeder Situation - nur in Dingen anlegen, in denen sie sich auskennen. Landwirtschaft ist sicher ein guter Bereich, in dem man für eine Weile investiert sein kann, außerdem einige Währungen.

Was halten sie von Gold, dessen Preis zuletzt immerhin auf mehr als 1370 Dollar für eine Unze (31,1 Gramm) und damit den höchsten Wert aller Zeiten gestiegen ist? Ist dort eine neue Blase entstanden?

Eine Blase gibt es dort sicherlich nicht, dazu haben bisher zu wenige Menschen tatsächlich Gold gekauft. Nichtsdestotrotz ist momentan fast jeder bullish auf Gold…

…setzt also auf einen steigenden Preis…
…deswegen würde ich Gold nicht jetzt kaufen. Wenn Gold korrigieren sollte, und der Preis einige Zeit fällt, dann ist der richtige Zeitpunkt zum Einstieg gekommen. Interessanter als Gold ist übrigens sehr wahrscheinlich Silber.

Wieso?

Der Silberpreis liegt momentan noch weit unter seinem bisherigen Hoch, während Gold ja gerade einige neue Höchststände erreichte. Zudem ist Silber nicht nur ein Edelmetall, sondern aufgrund seiner häufigen Anwendung in der Industrie eben auch ein Industriemetall. Deswegen gilt auch: Umso besser sich die Weltwirtschaft entwickeln sollte, umso besser ist das auch für Silber. Ich selbst besitze beides, Gold und Silber.

Wohin steigen die Preise für beide Metalle?

In der nächsten Dekade wird der Goldpreis sicherlich auf mehr als 2000 Dollar für eine Unze steigen, der Silberpreis auf mehr als 50 Dollar. Das bedeutet natürlich, dass beide Preise auf dem Weg dorthin vorübergehend immer auch mal fallen können - jeder Preisanstieg korrigiert zwischendrin.

Was ist mit anderen Rohstoffen? Sie haben mehrfach gesagt, dass wir uns in einer lang anhaltenden Rohstoff-Hausse befinden. Gilt das weiterhin?

Ja. Die meisten Rohstoffpreise liegen unterhalb ihrer historischen Höchststände. Agrarrohstoffe sind wahrscheinlich gerade eine der besten Möglichkeiten, Geld anzulegen.

Wie lange geht diese Hausse weiter?

Genau kann ich das nicht sagen, nur so schnell wird sie nicht enden. Denn es gibt keine nennenswerten neuen Produktionskapazitäten, und solange kein neues Angebot auf den Markt kommt, wird die Hausse weitergehen...

…weil die Nachfrage nach Rohstoffen groß bleibt…

…und solange Regierungen weiter Geld drucken, wird das noch unterstützt. Denn, immer wenn Regierungen Geld drucken, wollen die Menschen in realen Werten anlegen und eben nicht in Papiergeld.

Aktien sind auch reale Werte. Sind sie aus Ihrer Sicht im Augenblick eine Alternative zu Rohstoffen, besonders vielleicht Aktien aus einigen aufstrebenden Volkswirtschaften wie Brasilien, China, Indien oder Russland?

Ich würde weder in Indien noch in Russland investieren. Natürlich wird jede gut regierte aufstrebende Volkswirtschaft, die über große Rohstoffvorkommen verfügt, in den nächsten zwei Dekaden gut abschneiden, weil die Rohstoff-Hausse weitergeht. Das heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass jedes rohstoffreiche Land ein attraktives Anlageziel ist. Der Kongo beispielsweise verfügt über sehr viele Rohstoffe, nur dort würde ich mein Geld nicht anlegen.

Sagen Sie etwas dazu, warum Sie China attraktiv finden, den Nachbarn Indien hingegen nicht.

Indien hat hohe Schulden, China nicht und die Geschichte hat gezeigt, dass Länder mit hohen Schulden tendenziell nicht so schnell wachsen, denn sie müssen meist viel Kraft aufwenden, um ihre Schulden zu tilgen. Indien weist momentan ein Außenhandelsdefizit und zugleich ein Staatsdefizit aus. China hat diese Probleme nicht.

Aber China ist eine Staatswirtschaft. Und noch dazu werden dem Land ähnliche demografische Probleme vorausgesagt wie anderen Ländern auch, zum Beispiel Deutschland.

Ja, davon wird China schließlich betroffen sein. Aber andere Länder stehen in dieser Hinsicht schlechter da, etwa Japan und große Teile Europas. Wir werden sehen, was passiert, zuerst werden sich jedenfalls Europa und Japan damit beschäftigen müssen. Davon ist übrigens auch Amerika nicht ausgenommen. Maßgeblich ist, dass andere Länder diese Probleme vor China bekommen werden.

Und dass die großen chinesischen Unternehmen vom Staat kontrolliert werden, ist kein Problem für den Wachstumspfad dieser Volkswirtschaft?

Na ja, nahezu jedes Land hat heutzutage eine mehr oder weniger vom Staat kontrollierte Wirtschaft. Chinas Wirtschaft wird immer weniger vom Staat kontrolliert, Amerikas immer mehr.

Machen Sie sich Sorgen um Amerika und den Dollar als Weltleitwährung?

Ja, Sie etwa nicht? Die Vereinigten Staaten sind die größte Schuldnernation in der Geschichte. Der Dollar wird seinen Status als Weltreservewährung verlieren, etwas anderes wird langfristig an seine Stelle treten. Die Frage ist, wie lange die Menschen ihn als Leitwährung akzeptieren werden und ob sie damit irgendwann aufhören, so, wie sie das mit dem britischen Pfund einmal getan haben.

Sie selbst sind mit ihrer Familie im Jahr 2007 von New York nach Singapur umgezogen. Sind das die persönlichen Konsequenzen aus der Analyse?

Ich möchte, dass meine Kinder in Asien aufwachsen und Mandarin sprechen lernen. Sie gehen jetzt hier zur Schule.

Das Gespräch führte Alexander Armbruster

Quelle: ala
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