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Im Gespräch: Jeffrey Christian, CPM Group in New York „Es findet ein gewaltiger Rummel um das Gold statt“

 ·  Die Rohstoffpreise werden sowohl von der physischen Nachfrage als auch vom Marketingrummel der Banken getrieben, erklärt Rohstoffexperte Jeffrey Christian von der CPM Group in New York. Wer Gold besitzt, sollte es halten, aber nicht weiter zukaufen.

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Die Rohstoffpreise werden sowohl von der physischen Nachfrage als auch vom Marketingrummel der Banken getrieben, erklärt Rohstoffexperte Jeffrey Christian von der CPM Group in New York.

Wer Gold besitzt, sollte es halten, aber nicht weiter zukaufen, denkt er. Der Ölpreis werde dieses Jahr zwischen 65 und 85 Dollar notieren. Kurzfristig sei genug Öl vorhanden. Man sollte also über mehrere Jahre hinweg investieren, damit es sich lohne.

Herr Christian, Sie beobachten den Rohstoffmarkt seit 25 Jahren. Was sollte ein Anleger jetzt kaufen, wenn er reich werden will?

Das ist eine schwere Frage. Ich erwarte, dass Rohstoffpreise dieses Jahr und auch später steigen werden. Aber entscheidend ist, wie risikofreudig ein Anleger ist und für welchen Zeitraum er investieren will. Bei Öl zum Beispiel würde ich drei bis fünf Jahre empfehlen.

Aber ein Privatanleger kann sich schlecht ein Fass Öl in die Garage stellen.

Das stimmt. Auch Geschäfte am Ölterminmarkt haben Nachteile. Es kann Rollverluste bei Terminkontrakten geben, die die Rendite schmälern. Man kann aber Ölfonds kaufen. Allerdings glaube ich, dass der Ölpreis dieses Jahr zwischen 65 und 85 Dollar notieren wird. Man sollte also über mehrere Jahre hinweg investieren, damit es sich lohnt. Es ist genug Öl vorhanden. Erst wenn die wirtschaftliche Erholung zunimmt, wird Öl knapper, und die Preise werden steigen.

Also lieber Gold kaufen?

Der Goldpreis wird wohl am stärksten in den ersten vier Monaten dieses Jahres sein. Je mehr sich die wirtschaftliche Lage auf der Welt bessert, um somehr sinkt der Goldpreis wieder und bewegt sich seitwärts. Der Rekord war im Dezember mit 1225 Dollar je Unze, und seitdem ist der Preis gefallen. Es dürfte damals der zyklische Höchststand für Gold gewesen sein. Ich sehe den Preis eher zwischen 900 und 1100 Dollar in den kommenden Jahren. Notenbanken kaufen mittlerweile mehr Gold, als sie verkaufen. Das hilft den Preisen. Wer Gold besitzt, sollte es halten, aber nicht weiter zukaufen.

Sie halten die Preisentwicklung für Gold für übertrieben?

Auf jeden Fall. Es findet ein gewaltiger Rummel um Gold statt. Es wird sehr viel Werbung betrieben. Und es gibt viele Menschen, die tatsächlich glauben, dass das Finanzsystem, wie wir es seit Jahrzehnten kennen, zusammenbricht.

Wird es das tun?

Nein, auch wenn wir in einer schlimmen Rezession steckten. Natürlich gibt es Panik und Rezessionen. Aber dass alles zusammenbricht? Nein. Trotzdem sind viele Menschen beunruhigt. Und so gibt es eben auch viele Anbieter, die diesen verängstigten Menschen Gold verkaufen. Natürlich macht es Sinn, Gold und andere Edelmetalle als einen sicheren Hafen im Portfolio zu haben. Man sollte aber nicht seine Geldanlage auf ein Untergangsszenario ausrichten. Nach dem Motto: Alles auf Silber, Gold und Trinkwasser.

Was ist mit den anderen Edelmetallen? Sind diese vielversprechender?

Ich bevorzuge Silber, aber auch Platin und Palladium. Silber sollte in den kommenden Jahren im Preis steigen, ebenso Platin und Palladium, weil das Angebot beschränkt ist und sich die Nachfrage erhöhen sollte, wenn es wirtschaftlich aufwärtsgeht. Platin und Palladium sind für den Autobau wichtig, und dieser Bedarf nimmt zu. Ebenso steigt die Nachfrage der Finanzanleger.

Wer sind die treibenden Kräfte auf den Rohstoffmärkten? Die Finanzanleger?

In den Jahren 2001 bis 2008 haben sich die Rohstoffpreise verdoppelt. Dann sind sie wegen der Krise stark gesunken. Nun geht es wieder hoch. Der wichtigste Grund ist die Nachfrage nach Rohmaterialien, besonders aus Schwellenländern. Das führt zu steigenden Preisen. Und viele Menschen konsumieren mehr. Außerdem führt die Geldpolitik zu Inflationssorgen, also kaufen Anleger Rohstoffe. Wenn sich die Rohstoffpreise erhöhen, steigen weitere Investoren ein. Außerdem gibt es einen Marketing-Hype um Rohstoffe: Banken können nicht mehr wie früher Fonds und Aktien verkaufen. Also fragen sich die Banken: Was wollen die Kunden? Die Antwort lautet: Rohstoffe.

Das hört sich nach einer Preisblase im Rohstoffmarkt an, die bald platzt.

Ich denke nicht, dass wir eine Preisblase sehen. Anfang des Jahres 2008 mag es eine Blase gegeben haben, doch der Druck entweicht inzwischen. Etwas blasenartig finde ich allerdings, dass viele Investoren zukaufen und damit schon den Rohstoffbedarf der Unternehmen vorwegnehmen. Aber wenn die Industrienachfrage steigt, sollte dies die Investmentnachfrage ersetzen.

Besonders die hohe Nachfrage aus China treibt die Rohstoffpreise. Welche Konsequenzen hat die straffere Geldpolitik Chinas?

So sehr straffen die Chinesen sie gar nicht. Und es bleibt dabei, dass China weiterhin für eine große Rohstoffnachfrage verantwortlich ist. Allerdings trug das Land 2008 mit rund 6 Prozent zur Weltwirtschaftsleistung bei. Es gibt also noch viele andere Länder, die die Nachfrage zum Beispiel nach Kupfer treiben.

Lohnen sich Agrarrohstoffe? Zucker ist so teuer wie seit 30 Jahren nicht mehr.

Ich mag Getreide. Das Problem für Investoren ist jedoch: Wie soll man in Agrarrohstoffe investieren? Gut, man kann Terminkontrakte kaufen, aber das ist nur kurzfristig eine gute Idee. Klar, es gibt auch Rohstofffonds. Zu unseren Kunden zählen viele wohlhabende Familien und institutionelle Anleger. Wir sehen, dass es eine große Nachfrage nach Ackerland auf der Welt gibt: In Brasilien, Afrika, Malaysia und Indonesien zum Beispiel. Die Anleger, die besonders reich sind, sagen sich: Man kann Weizen nur schlecht lagern, er verrottet. Also kaufen sie eine Weizenfarm, um so von steigenden Rohstoffpreisen profitieren zu können.

Der amerikanische Präsident Barack Obama will die Banken stärker regulieren. Welche Folgen hat das für den Rohstoffhandel?

Obama will den Eigenhandel der Finanzinstitute beschränken. Der amerikanische Kongress wird diese Vorschläge bestimmt nicht unterstützen. Eine direkte Auswirkung auf Rohstoffe sehe ich nicht, es wird nicht weniger Geld in Rohstoffe fließen.

Das Gespräch führte Tim Höfinghoff

Quelle: F.A.Z.
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