08.10.2009 · Die baltischen Staaten werden ihre Währungen in naher Zukunft deutlich abwerten, erklärt Hans Redeker, Währungsstratege von BNP Paribas. Er geht ferner davon aus, dass der Euro und vor allem der Yen gegen den Dollar weiter zulegen werden.
Die baltischen Staaten werden ihre Währungen in naher Zukunft deutlich abwerten, erklärt Hans Redeker, Chef-Währungsstratege von BNP Paribas. Er geht ferner davon aus, dass der Euro und vor allem der Yen gegen den Dollar weiter zulegen werden.
Denn die asiatischen Staaten versuchen die Unterbewertungen ihrer Währungen manipulativ zu zementieren. Wir sähen Interventionen in Korea, Taiwan, Thailand - und wo man hinschaue, wüchsen die Währungsreserven. Ihre Reallokation führe neben dem Aufwertungsdruck auf den Euro zu sinkenden Renditen an den westlichen Rentenmärkten.
In Lettland deutet sich eine Abwertung der Währung an. Wie würden Sie die Situation beschreiben?
Die Regierung bereitet sich darauf vor, die Bindung des Lats an den Euro zu brechen um ihn 20 bis 30 Prozent tiefer als bisher wieder „anzudocken“. Die Wahrscheinlichkeit dafür hat deutlich zugenommen, wenn man das Verhältnis zwischen Kosten und Nutzen betrachtet. Der Beitritt zum Euroraum würde erstens zwar in die Ferne rücken, aufgrund der Diskussionen in Westeuropa war er jedoch sowieso nicht mehr unbedingt zu erwarten. Zweitens hat die lettische Regierung beschlossen, dass Gläubiger Kredite maximal nur in Höhe des zugrunde liegenden Vermögenswertes zurückgefordert werden können. Das steht nicht in Einklang mit europäischen Gesetzen und richtet sich vor allem gegen schwedische Banken, die mit ihrem Kreditgeschäft stark in Lettland engagiert sind. Da die Häuserpreise in Lettland stark gesunken sind, dürften sie zu hohen Abschreibungen gezwungen werden.
Auf der anderen Seite lähmt die aktuelle Unsicherheit die Kapitalströme nach Lettland. Das Land wird zunehmend abhängig vom Internationalen Währungsfonds. Man läuft also auf eine Entscheidung zu, nach welcher die privaten Kapitalströme hoffentlich wieder in das Land fließen würden.
Was bedeutet das für die schwedischen Banken?
Sie können Verluste dieser Art zwar auf der „Zeitschiene“ variieren, Verlust bleibt aber Verlust. Die schwedischen Banken sind vergleichsweise gut kapitalisiert und können einen Schlag dieser Art verdauen. Allerdings wird ihre Eigenkapitalquote strapaziert werden. Das heißt, sie müssen am Kapitalmarkt entweder frische Mittel aufnehmen oder bilanztechnisch darauf reagieren. Das könnte die Kreditvergabe in Schweden selbst beeinträchtigen. Sehr wahrscheinlich wird es eine Mischung aus den beiden Szenarien geben. Insgesamt führt die Entwicklung in den baltischen Staaten so auch zu einer gewissen Belastung für die schwedische Krone.
Was bedeutet das für die Stimmung an den Kapitalmärkten und speziell in Osteuropa?
Noch vor sechs Monaten wären erhebliche Turbulenzen möglich gewesen. Allerdings hat sich die Lage an den Finanzmärkten inzwischen verbessert und wir sehen generell erhebliche grenzüberschreitende Kapitalströme in die Schwellenländer, unter anderem auch nach Zentral- und Osteuropa. In diesem Umfeld ist es wesentlich leichter, den Einfluss zu begrenzen. Sowohl der Internationale Währungsfonds als auch Europa haben erhebliches Interesse daran, dass Staaten wie Polen und andere davon nicht betroffen werden, auch wenn die beiden anderen baltischen Staaten sehr wahrscheinlich zusammen mit Lettland kollektiv abwerten werden.
Ist das nicht einfach eine weitere kompetitive Abwertung?
Die Währung der baltischen Staaten sind auf real-effektiver Basis nach einer schleichenden Aufwertung wegen der Inflationsdifferentiale deutlich überbewertet …
… was jedoch die Folge einer falschen makroökonomischen Politik war!
Ja, es war die Folge einer falschen Wirtschaftspolitik. Wenn man die Wechselkurse nun jedoch an die makroökonomischen Gegebenheiten anpasst, so ist das in meinen Augen keine kompetitive Abwertung.
Was bedeutet die Übertragung auf den Euro und die Europäische Zentralbank?
Wir steuern auch beim Euro auf eine Überbewertung zu, allerdings ist sie noch nicht ganz vollzogen. Ich denke, wir werden bis Ende des Jahres weiter steigende Kurse sehen. Denn wir sehen Kapitalabflüsse aus dem Dollarraum in andere Währungsräume, vor allem nach Asien und in den pazifischen Raum. Die asiatischen Staaten versuchen gleichzeitig die Unterbewertungen ihrer Währungen manipulativ zu zementieren. Wir sehen Interventionen in Korea, Taiwan, Thailand - und wo man hinschaut, wachsen die Währungsreserven. Nach unseren Berechnungen haben sie in Asien alleine im September um mehr als 100 Milliarden Dollar zugenommen. Diese Reserven werden weltweit breit gestreut angelegt, was automatisch auch zu einer Nachfrage nach Euro und zu einer weiteren Überbewertung führt.
Das ist eine Folge der politischen Entscheidung in Asien, die Währungen weiterhin unterbewertet zu lassen. Sie hat nach meiner Meinung schon zur jüngsten Finanzkrise beigetragen. Auch nun führt die Reallokation neben dem Aufwertungsdruck im Euro zu sinkenden Renditen an den westlichen Rentenmärkten. Dazu kommen Repatriierungseffekte. Wenn beispielsweise die Landesbanken ihre Bilanzen verkürzen und sich auf das Inlandsgeschäft konzentrieren, so werden die bisher im Ausland eingesetzten Mittel zurückgeholt. Ich gehe davon aus, dass eine solche Bewegung noch vor dem Jahresende zu beobachten sein wird, vor allem gegen das britische Pfund und gegen osteuropäische Währungen.
Wie wird sich EZB-Präsident Jean-Claude Trichet äußern, wird er sich in die wirtschaftspolitische Diskussion dieser Art einmischen?
Ich denke, die Zeit ist dafür noch nicht reif. Tatsächlich hat ein starker Euro eine dämpfende Wirkung auf die europäischen Importpreise und damit auch auf den Dollar-Preisauftrieb bei Rohstoffen. Aus diesem Grund rechne ich noch nicht mit einer verbalen Intervention. Im Gegensatz zu Jürgen Stark von der Bundesbank glaube ich nicht, dass der Kreditzyklus dem Konjunkturzyklus folgt. Das Kreditangebot geht wegen schwacher Bankbilanzen zurück und die Diskussion über höhere Eigenkapitalanforderungen mag den Effekt noch verstärken. Er wird in Europa unterschätzt, denn es auf Unternehmensseite zu einer weiteren Pleitewelle kommen. Dann allerdings würde wohl der Euro unter Druck geraten können.
Ein kurzer Schwenk zum Yen. Wieso ist er so stark?
Japanische Portfoliomanager sichern wegen der geringen Zinsdifferenz in großem Stile die Währungsrisiken neuer oder bestehender Wertpapierpositionen im Ausland ab. Das führt zu einer hohen Nachfrage nach Yen. Zweitens wissen japanische Anleger genau, was sie von einem deflationären Umfeld zu erwarten haben. So führt ihre „Amerikaskepsis“ zu einem gewissen Verkaufsdruck auf den Dollar. Zudem ist die neue japanische Regierung nicht mehr daran interessiert, die Exportwirtschaft zu stützen. Sie strebt eine nachfrageinduzierte Politik an und wird kaum intervenieren. Die Bewertung von Optionen zeigt, dass die mögliche Kursbewegung noch unterschätzt wird, denn Dollar-Yen-Puts sind teurer als Calls.
Welche Kursbewegung ist denkbar?
Wir werden auf ein ähnliches Niveau hinauslaufen, wie im März 1995. Das heißt, der Dollar kann unter 80 Yen fallen.
Was bewegt den Devisenmarkt im Moment generell?
Wir sind in einer Situation, in der wir noch erhebliche Liquidität in den Märkten haben und der die Zinserwartungen auseinander laufen. In dieser Kombination neigen die Währungsmärkte zu Übertreibungen.
Sehen wir sie nicht längst am Beispiel der Kurse des australischen und des Neuseeland-Dollars?
Die Kursentwicklung des Neuseeland-Dollars ist klar überzogen: Die Volkswirtschaft läuft nicht rund. Das Land exportiert vor allem so genannte Soft-Commodities, deren Preise kaum angezogen haben und die in die Vereinigten Staaten verkauft werden, wo die Konjunktur immer noch vor sich hin stottert. Im Gegensatz dazu ist die australische Wirtschaft vergleichsweise gut positioniert. Die Nachfrage nach ihren Gütern und Dienstleistungen aus dem asiatischen Ausland ist robust. Deswegen kann der australische Dollar vorerst noch weiter aufwerten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09 % |
| Silber | 33,55 $ | −0,74 % |
| Platin | 1.648,00 $ | −1,02 % |
| Palladium | 702,00 $ | −1,68 % |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91 % |
| Gas | 0,59 £ | −1,60 % |
| Kaffee | 2,17 $ | +0,72 % |
| Zucker | 0,25 $ | +0,90 % |
| Orangensaft | 1,86 $ | −0,98 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |