04.04.2010 · Christoph Eibl ist Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des Schweizer Vermögensverwalters Tiberius Asset Management. Er sagt, warum er auf Agrarrohstoffe setzt und der Goldpreis weiter zulegen sollte. Und welche Rohstoffe deutlich billiger werden, wenn Notenbanken ihre Hilfen zurückfahren.
Christoph Eibl ist Mitgründer und Vorstandsvorsitzender des Schweizer Vermögensverwalters Tiberius Asset Management. Er sagt, warum er auf Agrarrohstoffe setzt und der Goldpreis weiter zulegen sollte. Und welche Rohstoffe deutlich billiger werden, wenn Notenbanken ihre Hilfen zurückfahren.
Herr Eibl, auf welche Rohstoffe setzen Sie momentan?
Dieses Jahr werden die Agrarrohstoffe der attraktivste Sektor unter den Rohstoffen sein. Metalle dürften auf mittlere Sicht hingegen schwächer sein. Allerdings bleibt Palladium ein Favorit.
Warum favorisieren Sie gerade die Agrarrohstoffe?
Es gibt Knappheiten in diesem Bereich. Mit der alternativen Energieform Ethanol und Biokraftstoffen für Mais und Zucker existiert zudem eine klare Wachstumsgeschichte. Die Agrarnachfrage steigt, gleichzeitig hält das Angebot nicht Schritt. Im Agrarsektor ist zudem Kaffee interessant. Die Lagerbestände sinken, die Nachfrage nach Kaffee ist stabil. Das bedeutet, dass dieser Rohstoff für Anleger fundamental interessant ist.
Viele Preise für Agrarrohstoffe sind seit Anfang des Jahres aber um rund 30 Prozent gesunken.
Das hatte weniger mit den Rohstoffen selbst zu tun. Wegen der Eurolandschwäche und dem starken Dollar haben spekulative Anleger Anfang des Jahres Rohstoffe verkauft. Wenn es eine Debatte wie um Griechenland gibt, dann geraten Anlagen schnell unter Druck, die mit Währungsbewegungen korrelieren, wie etwa Rohstoffe. Zumal der Agrarsektor eher ein kleiner Markt ist. Er ist bei weitem nicht so liquide wie zum Beispiel der Markt für Metalle. Eine Verkaufswelle trifft dann die Agrarrohstoffe umso stärker.
Rohstoffe bleiben also ein riskantes Geschäft für Privatanleger?
Privatanleger sollten Rohstoffe nicht als homogene Anlageklasse betrachten. Die Rohstoffmärkte koppeln sich nicht völlig ab von der Entwicklung an den Devisen- und Aktienmärkten. Das bedeutet, dass man sich als Anleger genau überlegen sollte, in welchen Rohstoff man investieren will. Lediglich in einen Index zu investieren reicht oft nicht.
Was halten Sie von Gold?
Es gibt ein großes Interesse der Marktakteure, in Gold zu investieren. Es ist eine richtige Welle im Markt, und es lohnt nicht, sich dagegenzustellen. Allerdings muss man sich bewusstmachen: Der Goldmarkt wird von Spekulanten getrieben. Es gibt keine Knappheit, vielmehr existiert eine große Gruppe von Investoren, wie zum Beispiel wohlhabenden Familien, aber auch anderen institutionellen Anlegern, die in großem Stil Gold kaufen.
Warum?
Die Zinsen sind sehr niedrig. Damit wird Gold zum Geldersatz. Warum sollte ein vermögender Kunde zu einem sehr niedrigen Zins sein Geld bei der Bank anlegen? Da kauft er lieber Gold, das gibt zwar keine Zinsen, aber wenn die Bank pleite ist, bleibt dem Anleger immer noch das Gold.
Wo sehen Sie den Goldpreis in den kommenden Monaten?
Der Goldpreis ist stabil und wird eher steigen. Das Interesse der Anleger bleibt groß. Wir erwarten einen Goldpreis bis Jahresende von 1200 Dollar.
Was ist mit anderen Rohstoffen wie Öl?
Rohöl ist aus Anlegersicht interessant, wenn es weniger als 80 Dollar je Barrel (159 Liter) kostet. Ich sehe keine Chancen, dass Öl so bald über der Marke von 90 Dollar liegt. Es gibt genug Öl, und die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) hat genug freie Kapazitäten, die sie in den Markt führen kann. Der Preissprung für Öl von 30 auf 145 Dollar für ein Barrel im Jahr 2008 und dann der Rückgang auf 30 Dollar konnte nicht im Interesse der Opec sein. Denn bei 145 Dollar ist die Diskussion für Ölalternativen sehr groß. Und bei 30 Dollar fehlen der Opec die Einnahmen, und die Anreize zur Erschließung neuer Felder sind zu gering. Der Ölpreis wird in den kommenden Monaten eher zwischen 70 und 85 Dollar notieren. Anleger sollten in Öl investieren, wenn es Richtung 70 Dollar geht, und sie sollten verkaufen, wenn sein Preis über 80 Dollar liegt.
Sind die Spekulanten wieder raus aus dem Ölmarkt?
Ich denke schon. Aber sie akzentuieren die Preise nur. Das bedeutet, dass sie zwar für die kurzfristigen Preisbewegungen eine bedeutende Rolle im Ölgeschäft ausüben, aber sie haben keinen nachhaltigen Einfluss. Sonst wäre der Ölpreis immer noch bei 145 Dollar. Die Fundamentaldaten wie Angebot und Nachfrage siegen immer über die Spekulanten. Sie können aber über mehrere Monate hinweg die Märkte verzerren. Dabei haben die Spekulanten auch positive Eigenschaften.
Welche sind das?
Sie tragen zur Preisfindung an den Märkten bei. Vielmals zeigen Spekulanten einen guten Riecher für fundamentale Marktentwicklungen und bringen die Märkte schneller wieder ins Gleichgewicht, als dies ohne spekulative Anleger möglich wäre. Das bedeutet auch, dass in überbewerteten Märkten Leerkäufe sinnvoll sind
Was passiert mit den Rohstoffpreisen, wenn die Notenbanken ihre massiven Liquiditätshilfen zurückfahren, die zur Linderung der Finanzkrise ausgegeben wurden?
Ich glaube nicht, dass die langfristigen Kapitalzuflüsse in Rohstoffe aufgrund der Liquiditätspolitik spürbar abflauen. Dazu bräuchte es einen Konjunkturabschwung, und der ist nicht in Sicht. Basismetallpreise dürften in der zweiten Jahreshälfte aber deutlich unter Druck geraten, also mit einem Minus von 20 Prozent. Ich denke da an Nickel. Auch Zink wird preiswerter, denn es gibt hohe Lagerbestände. Auch der Kupferpreis ist innerhalb eines Jahres bereits um 120 Prozent gestiegen. Das kann so nicht weitergehen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09 % |
| Silber | 33,55 $ | −0,74 % |
| Platin | 1.648,00 $ | −1,02 % |
| Palladium | 702,00 $ | −1,68 % |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91 % |
| Gas | 0,59 £ | −1,60 % |
| Kaffee | 2,17 $ | +0,72 % |
| Zucker | 0,25 $ | +0,90 % |
| Orangensaft | 1,86 $ | −0,98 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |