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Im Gespräch: Bastian Peters, Deutsche Nickel GmbH „Die Preisbildung am Nickelmarkt ist irrational“

21.01.2010 ·  Der Nickelpreis liegt zwar satte 63 Prozent unter dem im Jahr 2007 erreichten Rekordwert, allerdings sei er selbst auf dem aktuellen Niveau zu hoch, erklärt Bastian Peters, Einkaufsleiter der Deutsche Nickel GmbH in Schwerte.

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Nickel ist an den Terminbörsen seit Dezember des vergangenen Jahres um bis zu 125 Prozent teuerer geworden. Eine Tonne des Industriemetalls kostete an der London Metals Exchange am Mittwoch etwas mehr als 19.000 Dollar.

Der Preis liegt zwar satte 63 Prozent unter dem im Jahr 2007 erreichten Rekordwert, allerdings sei er selbst auf dem aktuellen Niveau irrational, erklärt Bastian Peters von der Deutsche Nickel GmbH in Schwerte. Angesichts der fundamentalen Lage, die sich durch vergleichsweise hohe Lagerbestände und einen absehbaren Angebotsüberschuss im laufenden Jahr auszeichne, müsste der Preise eigentlich zurückgehen, erklärt er. Der rund 25 Milliarden Dollar schwere Markt - er entspricht etwa der Kapitalisierung der Deutschen Post - werde verzerrt durch spekulative Käufer, sagt er.

Der Nickelpreis hat sich seit März 2009 verdoppelt. Gleichzeitig liegt er mit 18.800 Dollar je Tonne deutlich unter dem Hoch von knapp 52.000 Dollar, das er im Jahr 2007 sieben erreicht hatte. Wie schätzen Sie den Markt ein?

Die offiziell gemeldeten Lagerbestände der Terminbörsen waren im Jahr 2007 mit 5.000 Tonnen im Vergleich mit einer Weltproduktion- und nachfrage von 1,3 bis 1,4 Millionen Tonnen Nickel im Jahr 2008 sehr gering. Das heißt, sie hätten theoretisch nur wenige Tage vom Verbrauch abgedeckt. Auf der anderen Seite kann man als Verbraucher sagen, es gab im Jahr 2007 keine Knappheit; es war überhaupt kein Problem, an Material heran zu kommen.

Es handelte sich um eine Scheinverknappung?

Die Knappheit, die statistisch zu sehen war, ließ sich auf legale Möglichkeiten zurückführen, größere Tonnagen außerhalb der Börsen zu lagern. Einige wenige Marktteilnehmer haben gewisse Mengen aus den Lagern der Börsen herausgenommen, während der Verbraucher dachte, die Lagerbestände seien historisch auf niedrigem Niveau und die Knappheit sei da.

Das klingt nach Manipulation.

Das würde ich so nicht sagen. Die London Metals Exchange hat schließlich inzwischen ihre so genannte „lending guidance“ geändert und auf diese Weise den Riegel vorgeschoben. Danach haben sich die ausgewiesenen Lagerbestände allmählich erholt. Spekulative Anleger haben jedoch im Jahr 2007 laufend gekauft, den Markt bewegen können und den Preis auf mehr als 50.000 Dollar pro Tonne Nickel gebracht. Ein Preis, der fundamental nicht nachvollzogen werden konnte.

Sie als Einkäufer aus der Realwirtschaft hatten nie Probleme, ihren Bedarf zu decken?

Als produzierendes Unternehmen, das auf bestimmte Rohwaren angewiesen ist, brauchen sie natürlich eine längerfristig orientierte Beschaffungsstrategie. Das heißt, Kontakte zu Händlern und Produzenten sowie eine gewisse Marktkenntnis. Der Nickelmarkt ist relativ klein und auf Produzentenseite konzentriert.

Können sie ein paar Nickelkathodenhersteller nennen?

Der größte ist das russische Unternehmen Norilsk, dann gibt es Vale Inco und Falconbridge, sowie einige kleinere.

Schließen Sie längerfristige Kontrakte ab oder mussten sie auch einmal Rekordpreise zahlen?

In Verträgen werden nur die so genannten Prämien festgelegt, die dem Börsenpreis zugeschlagen werden. Die Preise, die der Lieferung zugrunde gelegt werden, beziehen sich dann auf Tages- oder auch auf Durchschnittswerte. Wir selbst sichern die Differenz per Termingeschäft ab, damit das Unternehmensergebnis davon nicht beeinflusst wird. Bei hohen Preisen jedoch steigt das gebundene Umlaufvermögen bei gleich bleibenden Tonnagen, so dass sich die Cashflows angleichen müssen.

Wer sind ihre Kunden?

Wir liefern im Bereich Optik an Firmen wie Osram, Bosch und im Zündkerzenbereich an General Electric, Federal Mogul oder ebenfalls Bosch.

Sie erklären, auch auf dem aktuellen Niveau sei der Nickelpreis irrational hoch. Wieso?

Man rechnet im Jahr 2010 mit einer Nickelproduktion von knapp 1,4 Millionen Tonnen, bei einer Nachfrage von etwa 1,3 Millionen Tonnen. Gleichzeitig haben wir Bestände in LME-Lagern von knapp 160.000 Tonnen. Davon liegt ein großer Teil physisch in Rotterdam und damit nahe an den europäischen Verbrauchern. Dazu kommen beträchtliche Lagerbestände und China in beträchtlichem Umfang und weitere außerbörsliche Lager in Europa. Insgesamt ist der Markt also gut versorgt.

Was führt denn dann dazu, der Nickelpreis sich auf dem Niveau befindet, auf dem er jetzt ist?

Der Preis hat sich aus meiner Sicht losgelöst von den Fundamentaldaten. Es sind in den vergangenen Jahre viele Anlagegelder in den Metallbereich geflossen. Und da der Nickelmarkt eine hohe Volatilität gezeigt hat, ist er interessant geworden für die spekulativen Anleger. Und dieser Trend scheint sich fortzusetzen, obwohl er den physischen Gegebenheiten völlig voraus ist.

Woran machen Sie das fest?

Im Jahr 2009 lag die Kapazitätsauslastung bei den Nickelproduzenten bei knapp unter 80 Prozent. Wenn der physische Bedarf da wäre, könnte also ohne weiteres mehr produziert werden. Zudem befindet sich Vale Inco seit August des vergangenen Jahres im Streik. Die Produktion soll jedoch Ende des Monats mit tariffreiem Personal wieder aufgenommen werden. Freie Kapazitäten, die Lagerbestände und ein voraussichtlicher Produktionsüberschuss von 7 oder 8 Prozent des Jahresbedarfs müssten dem Preis eigentlich einen Dämpfer geben.

Wer sind die Anleger, die kaufen und den Preis hochtreiben?

Ich habe vielerlei Kontakte, aber Namen werden selten genannt. Es sind zum Teil die Investmentbanken, die Kapital platzieren. Darüber hinaus spielen die Indexfonds eine große Rolle.

Wie reagieren Ihre Kunden auf die Preisturbulenzen?

Seltsamerweise haben die Kunden im Jahr 2007 weniger über den Nickelpreis diskutiert, als sie es seitdem tun. Es scheint sich in ihren Köpfen etwas verändert zu haben. Sie vertrauen keinen Prognosen mehr und wollen selbst festlegen, wann sie den Preis fixieren. Sie versuchen die Preisrisiken zu minimieren.

Das heißt, viele Marktteilnehmer sind von den aufgekommenen Preisturbulenzen überrascht worden?

Richtig, vor allem die jüngeren.

Wie groß ist die Marktmacht DNick-Gruppe?

Wir in der DNick-Gruppe sind mit Nickel- und Nickelbasislegierungen im Hochlegierungsbereich tätig und haben pro Jahr einen Nickelbedarf von etwa 3.500 Tonnen an Nickelkathoden. Der Legierungsbereich ist für zehn bis 15 Prozent der weltweiten Nachfrage nach dem Metall verantwortlich, die Edelstahlproduzenten stehen dagegen etwa für 70 Prozent der Gesamtnachfrage.

Der Nickelanteil in unseren Endprodukten ist vergleichsweise hoch und liegt zwischen 60 fast 100 Prozent. Wir produzieren Drähte, Stäbe und Bänder. Sie können die Produkte zum Beispiel in den Stromzuführungen von Glühbirnen, in Zündkerzen oder auch in Schweißdrähten finden.

Das Gespräch führte Christof Leisinger

Quelle: FAZ.NET
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