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Wetten auf schwache Währung : Euro-Verfall macht Hedgefonds reich

From riches to rags: John Taylor hat sich mit Wetten gegen den Euro verrechnet. Bild: Reuters

Hedgefonds haben auf einen steigenden Dollarkurs gesetzt und machen jetzt Gewinn. Doch schnell ist das schöne Geld weg – die Risiken sind weiterhin sehr groß.

          Für John Taylor kommt der Absturz des Euro zu spät. Sein auf Devisenspekulationen spezialisierter Hedgefonds FX Concepts, der zu seinen besten Zeiten 14 Milliarden Dollar verwaltete, ging vor anderthalb Jahren pleite. Taylor hatte davor massiv gegen die europäische Gemeinschaftswährung gewettet und den Zerfall der Währungsunion prognostiziert. Er unterschätzte allerdings den politischen Willen, den Euro zu retten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Als sich die Verluste von FX Concepts häuften, entzogen ihm seine Kunden, darunter große amerikanische Pensionskassen und deutsche Versicherer, Vertrauen und Geld. Es war ein in der Branche beispielloser Fall. Einst hatte Taylor seinen besten Mitarbeitern und deren Partnern zusätzlich zu hohen Boni noch großzügige Erste-Klasse-Reisen in exotische Länder spendiert.

          Am Ende konnte der Fonds nicht mal mehr die Rechnung für die Reinigung der zwei großen Aquarien in den Büros an der New Yorker Park Avenue bezahlen. Laut Insolvenzantrag schuldete FX Concepts dem New York Aquarium Service 3742,10 Dollar.

          Hedgefonds profitieren von schwacher Währung

          Auch der Hedgefondsmanager John Paulson, der mit einer Wette auf fallende Häuserpreise im Zuge der Finanzkrise zum Milliardär und Superstar der Wall Street geworden war, biss sich am Euro in den vergangenen Jahren die Zähne aus. Paulson hatte im Februar 2012 wegen „struktureller Mängel“ das Ende der Währungsunion prognostiziert. Nachdem Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), im Juli des gleichen Jahres den unbedingten Willen erklärte, den Euro zu erhalten, reduzierte Paulson seine negativen Engagements im Euroraum. Am Ende des Jahres begründete er den Großteil seiner Verluste mit Wetten gegen europäische Staatsanleihen.

          In diesem Jahr machen Hedgefonds, die noch im Geschäft sind, mit der Wette auf eine Abwertung des Euro aber viel Geld. Der Eurokurs ist seit Anfang des Jahres um mehr als 12 Prozent auf 1,06 Dollar gefallen – das niedrigste Niveau seit 12 Jahren. Der Pure Alpha Fund der großen Hedgefondsgesellschaft Bridgewater Associates hat im Januar und Februar unter anderem aufgrund von Engagements gegen den Euro 7 Prozent an Wert gewonnen.

          Die Gewinner der Branche sind vor allem sogenannte Macro-Fonds, also Hedgefonds, die von großen wirtschaftlichen Trends, etwa einer Änderung der Geldpolitik, profitieren wollen. Dazu gehören Namen wie Caxton Associates, Moore Capital and Tudor Investment.

          Abwärtstrend ist Schuld der EZB

          Wetten auf eine Abwertung des Euro sind in der Finanzbranche seit vergangenem Sommer beliebter geworden, als die EZB erstmals negative Leitzinsen in Aussicht stellte. An den Terminmärkten haben Profianleger entsprechende Positionen seit Jahresanfang um 19 Prozent ausgeweitet. Das geht aus Daten der amerikanischen Terminbörsenaufsicht CFTC hervor.

          Investoren setzen überwiegend auf eine weitere Abwertung – sie gehen „short“, wie das im Jargon der Branche heißt. Noch im vergangenen Mai hatten sich Investoren für eine Aufwertung in Position gebracht. Zwar findet an den amerikanischen Terminmärkten nur ein Bruchteil des globalen Devisenhandels statt. Die Daten zu den Positionen der Händler (Commitment of Traders) gelten aber als guter Indikator für die allgemeine Stimmung.

          Der aktuelle Abwertungstrend ist zu einem guten Teil eine Konsequenz des avisierten Anleihekaufprogramms der EZB. Die Notenbank will monatlich Wertpapiere im Wert von 60 Milliarden Dollar kaufen, um die langfristigen Zinsen zu drücken und die Konjunktur zu stimulieren. Durch die Geldschwemme wertet der Euro ab.

          Gewinne kommen aus dem Devisengeschäft

          Die Wette gegen den Euro ist aber auch eine Wette auf eine Aufwertung des Dollar. „Der Markt sieht den amerikanischen Dollar positiv und hält dagegen alle anderen Währungen netto ,short‘. Der Euro macht weiterhin den Hauptteil dieser Position aus“, schreibt Camilla Sutton, die leitende Devisenstrategin der kanadischen Scotiabank. Die amerikanische Notenbank hatte ein Anleihekaufprogramm im vergangenen Jahr beendet und eine Erhöhung der Leitzinsen noch in diesem Jahr signalisiert.

          Währungsspekulanten unter den Hedgefonds-Betreibern haben in diesem Jahr überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Der größte Einzelfonds von Caxton Associates, der rund 8,5 Milliarden Dollar verwaltet, hat seit Anfang des Jahres 7 Prozent zugelegt, verriet ein Investor dem „Wall Street Journal“. Drei Viertel dieser Gewinne sollen auf Devisengeschäfte zurückgehen.

          Kommen Verluste für Fonds?

          Der Hauptfonds der 15-Milliarden-Dollar-Firma Moore Capital soll seit Anfang des Jahres mit einer ähnlichen Strategie um mehr als 4 Prozent und das Pendant von Tudor Investment um knapp 5 Prozent zugelegt haben. Tudor verwaltet 13 Milliarden Dollar. Insgesamt haben Hedgefonds, gemessen am Branchenindex HFRI Composite, im Januar und Februar durchschnittlich 2 Prozent Gewinn gemacht.

          Macro-Fonds können Erfolgsgeschichten gebrauchen. Wegen mangelnder Erfolge hatten Anleger im vergangenen Jahr 28 Milliarden Dollar aus diesem Fondstyp abgezogen, wie der Branchendienst HFR meldet. Eine Garantie auf ein gutes Jahr gibt es aber nicht. Sollte die Fed überraschenderweise die Zinsen doch nicht bald erhöhen, dürften viele Anleger eine gemeinsame Kehrtwende machen. Verluste wären dann unvermeidbar. John Taylor und John Paulson können ein Lied davon singen.

          Quelle: F.A.Z.

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