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Großbritannien : Gegen Ratingkritik helfen keine Goldbarren

  • -Aktualisiert am

Inspektion: Die Königin zählt Barren Bild: AFP

Die Queen besichtigt Großbritanniens Goldschatz in der Bank of England. Derweil warnen Ratingagenturen, das Land könne seine Spitzenbonität verlieren.

          Zum Jahresende hat die Queen doch noch einmal nachgeschaut, wie es um die Finanzen ihres britischen Königreiches steht. So viel Gerede um Finanzkrisen, Bankzusammenbrüche und Staatsschulden beunruhigen den standfestesten Monarchen: Am Donnerstag wurde Ihre Majestät, Königin Elisabeth II, daher ehrenvoll durch das Panzerverlies und die Tresorhallen der Bank von England geführt. Zwar hat Gordon Brown als ehemaliger Schatzkanzler von 1999 bis 2002 fast 400 Tonnen britische Goldreserven verkauft, aber noch immer liegen ausreichend hohe Stapel der Goldbarren in den Tresoren der Bank von England, um selbst die Queen zu beeindrucken. „Wissen Sie, Finanzkrisen sind wie Erdbeben oder Grippeepidemien - sie sind schwer vorauszusagen; aber jetzt tun wir alles, um eine nächste Finanzkrise zu verhindern“, wurde ihr von den Mitarbeitern der Bank von England versichert. Ihre Majestät stimmte zu: „Ja, ja - alle waren ein bisschen unbekümmert - vielleicht ist es wirklich schwer.“

          Keine gute Prognosekraft hatte Schatzkanzler Brown, als er die 400 Tonnen zu einem damaligen Goldpreis von 282 Dollar die Feinunze verkaufte. Damals war das Gold 6,5 Milliarden Pfund wert - ein Bruchteil des heutigen Wertes, denn der Goldpreis ist derweil von 282 auf derzeit 1696 Dollar die Feinunze gestiegen. Hätte Brown die Barren bloß behalten - er hätte dem Staat mehr als 5 Milliarden Pfund Kosten nach heutiger Rechnung erspart.

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          Bei all diesen Prognoseunsicherheiten gibt es für Großbritannien wenig zu lachen. Das Jahr nimmt keinen guten Ausgang - weder am britischen Anleihemarkt noch für Großbritanniens Selbstbewusstsein. Auch die dritte der drei großen internationalen Ratingagenturen, Standard & Poor’s (S&P), warnt Großbritannien diese Woche, dass das Land innerhalb der kommenden zwei Jahre seine Spitzenbonität („AAA“) verlieren könnte. Moody’s und Fitch haben diese Warnungen schon ausgesprochen. Sollte sich die Konjunktur schlechter entwickeln, als sie es ohnehin schon tut, und die Haushaltspolitik dem britischen Schatzkanzler George Osborne noch mehr in die Parade fahren, ist es vorbei mit der Spitzennote „AAA“.

          Die Londoner City ist gewarnt

          Die Ratingagenturen haben sehr wohl bemerkt, dass Osbornes Plan nicht aufgeht. Er wollte eigentlich schon zur nächsten Wahl im Jahr 2015 verkünden, dass er Erfolg dabei hat, den Schuldenberg Großbritanniens abzubauen. Doch vergangene Woche musste Osborne einräumen, dass die Haushaltssanierung länger dauert, der Schuldenberg auch im Wahljahr noch steigen wird, die Steuereinnahmen vorne und hinten fehlen und die schlingernde Konjunktur nicht in die Gänge kommt.

          Auf den neuen Notenbankchef Mark Carney, der gern mit radikal neuer Geldpolitik das Wirtschaftswachstum ankurbeln würde, muss Osborne noch bis Juli warten. Die britischen Anleihen (Gilts) haben kaum auf die Warnungen der Ratingagenturen reagiert - das kommt erst, wenn sich die Fondsmanager aus dem Markt zurückziehen, und das tun sie erst, wenn die Bonität auf „AA“ abgesenkt wird.

          Aber die Londoner City ist gewarnt, zumal das Fluchtkapital aus der Schuldenkrise langsam wieder nach Kontinentaleuropa zurückfließt. Seit die EZB im Sommer ihre Nothilfe versprochen hat, die Bankenunion einer nächsten Bankenkrise vorbeugen soll und sich die Länder der Währungsunion zunehmend einig sind, desto mehr fassen Investoren wieder vertrauen, fließen Gelder aus dem britischen Anleihemarkt wieder ab, hat sich die Rendite zehnjähriger Gilts wieder von 1,5 auf 1,88 Prozent verteuert und wertet das Pfund ab. Auch für Frankreich war es ein schlechter Wochenausklang, denn mit Fitch hat die dritte Ratingagentur gewarnt, dass es mit der Spitzenbonität „AAA“ von Frankreich bald vorbei sein könne.

          Quelle: F.A.Z.

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