Noch hat sich das britische Pfund für seine Wertentwicklung in diesem Jahr die Note befriedigend verdient. Denn während es bisher gegenüber dem Euro mit derzeit 63,93 Pence fast fünf Prozent verloren hat, steht zum Dollar ein Plus von 5,2 Prozent zu Buche.
Doch neuerdings sieht es so aus, als sollte sich nicht nur der Abschwung gegenüber dem Euro wieder verstärken, sondern auch die Stärke im Verhältnis zum Dollar auslaufen. Hier ist das Pfund nämlich mit aktuell 1,5278 Dollar auf ein so tiefes Niveau wie seit dem 5. Juli nicht mehr gefallen.
Diese Schwäche ist auch insbesondere deshalb interessant, weil dem Pfund damit selbst über den drohenden Abbau hoher Dollarpositionen durch Saudi-Arabier nicht auf die Sprünge geholfen werden kann (siehe Link: Gerüchte um saudische Anleger belasten den Dollar).
Spannende charttechnische Lage
Ein noch weiterer Ausbau der Verluste droht insbesondere dann, wenn die Kurse unter 1,5220 Dollar fallen. Denn dann wäre eine wichtige Unterstützung gebrochen und der Weg frei bis auf zunächst 1,50 Dollar. Längerfristig würde das Chartbild sogar eine völlige Korrektur der bisherigen Jahresgewinne vermuten lassen.
Sollte es soweit kommen, dürfte es auch gegenüber dem Euro weiter abwärts gehen. Hier ist das kritische Niveau bei 65,06 Pence. Denn bei Kursen darüber hätte der Euro nicht nur ein neues Jahreshoch, sondern auch die höchsten Notierungen seit September 1999 erklommen.
Enttäuschende Einzelhandelsumsätze
Etwas unter Druck steht das Pfund neuerdings wegen der Befürchtung, die in den vergangenen Jahren im internationalen Vergleich vorzeigbaren Wachstumsraten könnten eine Delle erhalten. Neue Nahrung bekamen diese Ängste am Donnerstag mit der Bekanntgabe der Einzelhandelsumsätze. Nach Rückgängen im Mai und im Juli sind diese zwar im Juli um 0,3 Prozent gestiegen. Allerdings sind sie damit hinter dem von Volkswirten erwarteten Plus von 0,5 Prozent zurückgeblieben.
Nach dieser Ernüchterung kommt es nun zur Verteidigung der oben genannten Chartmarken entscheidend auf das Bruttoinlandsprodukt an. Wird auch da die erwartete Zuwachsrate von 0,6 Prozent verfehlt, spricht viel für eine kurzfristige Fortsetzung der jüngsten Kursverluste.
Der britischen Regierung dürften diese Rückschläge aber vermutlich sogar ganz gelegen kommen. Zumindest wenn sie ernsthaft daran interessiert ist, den britischen Beitritt zur Währungsunion einzuleiten. Denn wenn das derzeitige Kursniveau auch zum Zeitpunkt der Festlegung der Währungsrelation zum Euro auf dem jetzigen Stand wäre, dann wäre dies eine schwere Bürde für die britischen Exportwerte.