16.09.2009 · Der allgemeine Wirtschaftsoptimismus ist groß. Allerdings nicht in Großbritannien. Selbst Regierung und Zentralbank rechnen nicht mit einer raschen Erholung. Die Hoffnungen richten sich auf den Export, der nur durch eine schwache Währung beflügelt werden könne.
Der allgemeine Wirtschaftsoptimismus ist groß. Die Währungen der „marktwirtschaftlichen“ Wirtschaftslokomotiven der vergangenen Jahre, der Vereinigten Staaten und Großbritanniens stehen unter Druck. Der Dollar hat gegen den Euro in den vergangenen vier Wochen etwas mehr als 4 Prozent seines Wertes verloren und den langfristigen Abwertungstrend längst wieder aufgenommen.
Das britische Pfund hat seit Anfang August etwas mehr als 5 Prozent seines Wertes gegen den Euro und knapp 9 Prozent gegen den Yen und gegen Industrie- und Edelmetalle verloren. Der Pfund-Goldpreis hat in den vergangenen vier Wochen um 8,6 Prozent auf zuletzt 615 Pfund je Feinunze des edlen Metalls zugelegt, das zunehmend als Alternativwährung zu gelten scheint.
Erreicht das Pfund die Parität zum Euro?
Analysten wie die der BNP Paribas prognostizieren, das Pfund werde im ersten Quartal des kommenden Jahres die Parität zum Euro erreichen, die es im Dezember des vergangenen Jahres nur knapp verpasst hat. Damals waren in der Spitze knapp 98 Pence nötig gewesen, um im professionellen Handel einen Euro erwerben zu können. Danach konnte sich die britische Währung war auf bis zu 84,40 Pence erholen. Seit Mitte Juni befindet sich die Währung jedoch wieder in der Defensive. Am Mittwoch sind 89,10 Pence nötig, um einen Euro kaufen zu können. Der mittelfristige Kurstrend zeigt nach oben, die britische Währung wertet also wieder ab.
Premierminister Gordon Brown, „Schattenkanzler“ George Osborne und Mervyn King, Gouverneur der Bank of England, hätten in ihren jüngsten Reden klar gemacht, eine wirtschaftspolitische Linie zwischen lockerer Geldpolitik und restriktiver Finanzpolitik gefunden zu haben, die eine Minderung der Bonität des britischen Staates vermeide, schreiben die Analysten der BNP Paribas. Allerdings müsse der Staatssektor in diesem Rahmen schrumpfen. Während das Budgetdefizit in diesem Jahr 15 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreiche, müsse es im kommenden Jahr auf mindestens 12 Prozent zurückgefahren werden.
... wegen kompetitiver Abwertung?
Das Falle zusammen mit gleichzeitigem Konsolidierungsbedarf im Privatsektor. Dort liege das Verhältnis zwischen Schulden und verfügbarem Einkommen bei 160 Prozent. Verbraucher müssten folglich künftig mehr sparen als in der Vergangenheit - und das belaste den Konsum. Zusammengenommen richteten sich die Wachstumshoffnungen alleine auf den Exportsektor. Angesichts der mangelhaften Kostenstrukturen bleibe nur die kompetitive Abwertung als Impuls. Die Zentralbank werde ihr „quantitative Easing“ ausweiten, bis das erreicht sei.
Eine Studie von Moody's habe zudem gezeigt, dass die britischen Banken bisher gerade einmal die Hälfte der notwendigen Abschreibungen getätigt hätten. Zusammen mit den sehr wahrscheinlich bald erhöhten Kapitalanforderungen von regulatorischer Seite werde das die Banken zur Bilanzkürzung zwingen und auf diese Weise das Kreditangebot einschränken.
Die kritische Lage der britischen Wirtschaft zeigt sich an den am Mittwoch veröffentlichten Zahlen zum Arbeitsmarkt. Danach ist die Arbeitslosigkeit (Claimant Count Rate) in Großbritannien im August auf den höchsten Stand seit dem Jahr 1995 gestiegen. Die britische Wirtschaft und damit der Arbeitsmarkt hing in den vergangenen Jahren zu stark vom Finanzsektor ab. Dieser wird unter normalen Umständen nicht mehr wachsen können.
Oh dear
Ronald Gruenebaum (bruxman)
- 16.09.2009, 18:00 Uhr
Was hätten denn die Briten zu exportieren?
Martin Gürsch (Betroffener)
- 20.09.2009, 20:05 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |