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Grippe-Effekte Schweinefleisch nur kurzfristig günstiger

29.04.2009 ·  Die Nachrichten über die Verbreitung der Schweingrippe sorgte in den vergangenen Tagen auch den Rohstoff- und Finanzmärkten für Kursbewegungen. Unabhängig von kurzfristigen Effekten wird Fleisch im langfristigen Trend nominal teurer.

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Die Nachrichten über die Verbreitung der Schweingrippe sorgte in den vergangenen Tagen auch den Rohstoff- und Finanzmärkten für Kursbewegungen. So sind die Aktienkurse jener Unternehmen gestiegen, die von einer zunehmenden Nachfrage nach Analysekapazitäten oder gar von einer vorbeugenden Behandlung profitieren könnten. Tatsächlich gibt es konkrete Meldungen, nach welchen Großbritannien das Volumen der geplanten Käufe von antiviralen Medikamenten von 35 auf 50 Millionen Pfund aufstockt.

Dagegen sind an den Warenterminbörsen die Preise von Nahrungsmittel und auch von Schweinefleisch gefallen. In Tokyo hat der Sojapreis seit dem 22. April um 15 Prozent nachgegeben. Allerdings nachdem er seit Dezember um knapp 81 Prozent nach oben gelaufen war. In Chicago sind die Kontrakte für Magere Schweine und für Schweinebäuche in wenigen Tagen um zwischen 15 und 18 Prozent günstiger geworden als zuvor.

Fleisch wird im langfristigen Trend nominal teurer

Der Blick auf die längerfristige Preisentwicklung zeigt jedoch, dass sie kurzfristig volatil ist, während die Preise mittelfristig seitwärts und langfristig aufwärts laufen. Die Preiseinbußen der vergangenen Tage sind aus diesem Grund keineswegs außergewöhnlich. Auch wenn sich angesichts der medialen Omnipräsenz der Meldungen über die Schweinegrippe die Vermutung aufdrängt, kurzfristig orientierte Händler wetteten auf eine nachlassen Nachfrage nach Schweinefleisch und indirekt nach Futtermitteln.

Kurzfristig mögen solche Effekte zu beobachten sein. Allerdings hat der Genuss von Schweinefleisch nichts mit dem Auftreten der Grippe zu tun. Tatsächlich kann eine Infektion über die Zubereitung oder den Verzehr von Lebensmitteln so gut wie ausgeschlossen werden, wenn bestimmte Hygienemaßnahmen beachtet werden. Selbst roher Hackepeter birgt keine Gefahr. Und wer Fleisch bei der Zubereitung zwei Minuten lang auf mindestens 70 Grad Celsius erhitzt, schützt sich sicher vor Erkrankungen, die durch Mikroorganismen übertragen werden. Dazu zählen nicht nur Viren, sondern auch Bakterien wie Salmonellen oder Listerien. Besonders wichtig ist zudem regelmäßiges Händewaschen.

Mit der Bezeichnung „Schweinegrippe“ setzt sich bei vielen Leuten eine falsches Bild in den Köpfen fest. Fachleute jedoch glauben, dass der Begriff in die Irre führt - schließlich handele es sich um ein humanes Influenzavirus, das von Mensch zu Mensch übertragen werde. „Nordamerikanische Grippe“ wäre als Bezeichnung offenbar zu lang oder diskriminierend. So beschlossen die Weltgesundheitsorganisation und die Europäische Union, von der „Neuen Grippe“ zu sprechen.

Grippe hat mit Fleischverzehr an sich nichts zu tun

Das hat auch landwirtschaftspolitische Gründe, schließlich sollen die Menschen weiterhin Schweinefleisch verzehren und nicht den Schweinezüchtern schaden. Tatsächlich wird die momentane Furcht vor der Grippe nach Ansicht des Göttinger Angstforschers Borwin Bandelow in wenigen Wochen abebben. „Die große Panik lässt nach etwa einem Monat nach“, sagte der Professor für Psychiatrie am Mittwoch. „Nach vier Wochen fangen sich die Leute wieder, das ist immer so (siehe auch:Schweinegrippe: „Die Panik lässt nach einem Monat nach“).“

Auf dieser Basis können Preis- und Kursrückschläge bei Agrargütern oder bei Unternehmen, die scheinbar von der Krise betroffen werden könnten, gute Kaufgelegenheiten darstellen. Allerdings nur dann, wenn die grundlegende Angebots- und Nachfragesituation stimmt. Diesbezüglich kann es auf kürzere Sicht gewisse Bedenken führen. Immerhin dämpft die Wirtschafts- und Finanzkrise die Nachfragedynamik alleine schon aufgrund des Einkommens- und Wohlstandseffektes. Zunehmende Arbeitslosigkeit und flaues Wachstum weltweit machen sich bemerkbar.

Auf der anderen Seite haben die Preise für Geflügel in den Vereinigten Staaten seit dem Ende der massierten Berichterstattung über die Vogelgrippe um rund 30 Prozent zugenommen. Langfristig laufen sie im Trend nominal ebenso nach oben, wie die der Schweinebäuche. Kurzfristige Preisschwankungen spielen langfristig kaum eine Rolle.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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