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Griechenlandsorgen, tiefe Zinsen Euro trotz zwischenzeitlicher Erholungschancen in der Defensive

08.04.2010 ·  Der Euro ist zwar nicht schwach, befindet sich allerdings gegen den Dollar in der Defensive. Tiefe Zinsen und strukturelle Probleme machen sich bemerkbar. Bei „Entspannungen“ sind nach extremen Positionierungen Zwischenerholungen möglich.

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Der Euro zählt seit Dezember des vergangenen Jahres zu den schwächsten Währungen weltweit. Nach mehreren Zwischenerholungsversuchen im Januar und im März des laufenden Jahres steht der Kurs der Gemeinschaftswährung schon seit Tagen wieder unter Druck.

Am Donnerstag hat er den fünften Tag in Folge zumindest im Verhältnis zum amerikanischen Dollar nachgegeben. Mit Kursen von bis zu 1,3283 Dollar je Euro im Tagestief nahe an einem Jahrestief, welches wiederum nur knapp über dem Korrekturtiefs liegt, welche im Rahmen der Turbulenzen der Wirtschafts- und Finanzkrise in den Jahren 2008 und 2009 markiert wurden.

Tiefe Zinsen und strukturelle Probleme sprechen gegen den Euro

Für die relative Schwäche der europäischen Währung werden einerseits die anhaltend tiefen Zinsen in der Eurozone verantwortlich gemacht. Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag beschlossen, den Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von einem Prozent zu belassen. Angesichts der sich neuerdings wieder eintrübenden Wachstumserwartungen - immerhin hat die deutsche Industrieproduktion im Februar überraschend stagniert - rechnet kaum jemand mit einer baldigen Änderung des europäischen Leitzinses.

Dazu kommt die aufgefrischte Sorge über einen möglichen Zahlungsausfall in Griechenland, das stark verschuldet ist, das im laufenden Jahr Anleihen im Wert von mehreren Milliarden Euro refinanzieren muss und das strukturelle Probleme hat. Diese Kombination dämpfte die Nachfrage nach Vermögenswerten aus dem Euroraum und damit nach dem Euro, heißt es gemeinhin. Die Kreditausfallswaps auf griechische Anleihen markierten am Donnerstag ein Rekordhoch. Der Abschluss einer Absicherung gegen den Zahlungsausfall griechischer Staatsanleihen kostete am Donnerstag 451 Basis- oder 4,5 Prozentpunkte des bezogenen Nominalwertes. Damit zählten griechische Papiere zu den vier teuersten Staatspapieren weltweit, wenn es um derartige Absicherungen geht. Zudem ist die Renditedifferenz zwischen griechische und deutschen Staatsanleihen auf den höchsten Wert seit der Euro-Einführung 1999 geklettert.

Anleger und Devisenhändler hatten sich in den vergangenen Monaten aus Sorge, Griechenland könne zahlungsunfähig werden beziehungsweise aus der Überlegung, eine „Rettung“ durch Finanzhilfen von anderen Nationen werde den Maastricht-Vertrag brechen und andere Staaten zu ähnlich laxem Finanzgebaren wie Griechenland verleiten, zum Verkauf des an sich schon hoch bewerteten Euro verleiten lassen. Viele Marktteilnehmer gehen davon aus, dass sich die Probleme nicht rasch bereinigt werden können. Neben Griechenland befinden sich viele andere Staaten wie Island, Bulgarien, Ungarn, Portugal, Spanien, Lettland, Kroatien und Estland und auch Irland in schwierigen Finanzpositionen. Aus diesem Grund verloren in den vergangenen Monaten auch die Währungen vieler osteuropäischer Staaten an Wert gegen den Dollar.

Bei „Entspannungen“ sind nach extremen Positionierungen Zwischenerholungen möglich

Unabhängig von der Bewertung der amerikanischen Finanzlage tendieren spekulative Anleger aufgrund der problematischen Makrolage immer wieder dazu, sich gegen den Euro zu positionieren. Deswegen und auch wegen der anhaltenden Überbewertung dürfte der Kurs des Euro mittelfristig zumindest gegen den Dollar noch weiter nachgeben können. Kurzfristig sind sie allerdings immer wieder vergleichsweise extrem positioniert. Das führt immer wieder zu kurzfristigen Gegenbewegungen, sobald es zu positiv interpretierbaren Daten oder Informationen kommt.

So erklärte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Zinsentscheidung, ein Zahlungsausfall sei kein Thema für Griechenland. „Trichet hofft wohl, dass die Reformen, die durchgeführt werden sollen, ausreichen, um die Märkte zu beruhigen. Aber leider ist das nicht der Fall“, erläuterte Vincent Chaigneau, Leiter Strategie für Währungen und festverzinsliche Papiere bei Société Générale in London der Nachrichtenagentur Boomberg. Die Aktivierung der EU-Hilfsmechanismen für Griechenland liege in den eigenen Händen des Landes, erklärte Trichet.

Auch Griechenland selbst versucht für positive Nachrichten zu sorgen. Das Haushaltsdefizit des Landes sei dank der Sparmaßnahmen der Regierung im ersten Quartal des Jahres 2010 im Vergleich mit der Vorjahresperiode massiv gesunken. Der Fehlbetrag zwischen Januar und März 2010 verringerte sich von 7,1 Milliarden Euro im Vorjahresquartal auf 4,3 Milliarden Euro, teilte der griechische Finanzminister Georgios Papaconstantinou mit. Das entspricht einem Rückgang um 40 Prozent zum Vorjahr.

Solche Mitteilungen mögen dazu beitragen, dass sich der Kurs des Euro gegen den Dollar am Donnerstag am Nachmittag etwas erholen kann. Solche Erholungsbewegungen können in einem Umfeld mit wieder aufkommenden Risikoappetit unter Umständen ausgeprägt werden und weiter tragen als vielfach erwartet. Angesichts der Erfahrungen der vergangenen Wochen scheint es jedoch nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Sorgen über die Finanzlage vieler Staaten wieder aufkommen und unter anderem den Euro belasten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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