Die Finanzmärkte reagieren am Montag mit Kurssprüngen auf die Nachricht, die Euro-Länder und der Internationalen Währungsfonds hätten zusammen ein Rettungspaket für das aufgrund der wirtschaftspolitischen Misswirtschaft der vergangenen Jahre finanziell mit dem Rücken zur Wand stehende Griechenland geschnürt.
Der Euro legt gegen den Dollar um bis zu 1,7 Prozent auf 1,3692 Dollar zu, nachdem er in den vergangenen Tagen noch Kurstiefs von bis zu 1,3267 Dollar erreicht hatte. Der Athex Composite Share Price Index konnte Kursgewinne von bis zu fünf und der MSCI Euro von bis zu 0,8 Prozent verzeichnen. Die Aktien der Piräus Bank, der EFG Eurobank, National Bank of Greece und der Alpha Bank konnten Kursgewinne zwischen neun und elf Prozent verzeichnen. Im Rahmen der Krise waren sie mit Kapitalflucht, zunehmenden Sorgen über ihre Bonität und mit zum Teil stark fallenden Kursen konfrontiert worden.
Euro, Anleihen und griechische Bankaktien erholen sich kurzfristig
Deutlicher nach oben ging es mit den Kursen der griechischen Staatsanleihen. Das bis in den Juni des Jahres 2020 laufende Papiere mit einem Kupon von 6,25 Prozent und der Isin GR0124032666 verbucht einen Kursgewinn von satten 4,7 Prozent auf 98,05 Prozent, nachdem der Kurs in den vergangenen Tagen auf bis zu 92,2 Prozent gefallen war. Die Rendite liegt am Montag bei 6,5 Prozent, nach einem Spitzenwert von 7,35 Prozent noch zu Beginn des Monats. Die Prämien, die für die Absicherung gegen einen Zahlungsausfall Griechenlands für fünf Jahre notwendig sind, gingen von einem Rekordniveau um 55 Basispunkte zurück auf zuletzt 3,715 Prozentpunkte des zu versichernden Nominalwertes.
Die Finanzminister der Euro-Zone hatten am Wochenende bekannt gegeben, Griechenland in diesem Jahr auf Anfrage bis zu 30 Milliarden Euro an dreijährigen Krediten zu einem Zinssatz von rund fünf Prozent - und damit deutlich unter dem Marktpreis - zur Verfügung zu stellen. Weitere 15 Milliarden Euro sollen vom IWF kommen. Diese Nachricht führte auch zu Kursabgaben des starken Schweizer Frankens, während die Aktien der Schweizer Banken deutliche Kursgewinne verzeichnen konnten. Die europäische Rettungslösung für das defizitgeplagte Griechenland könne in den kommenden Monaten die weltweite Börsenhausse stabilisieren und sogar noch verstärken, erklären denn auch Analysten der UBS AG in Sydney optimistisch.
Auch andere Marktstrategen und griechische Politiker bewerteten die angekündigten Maßnahmen und Mittel überaus positiv. Dabei rütteln die nicht nur an den Grundsätzen der europäischen Union, die von der eigenverantwortlichen Finanzpolitik der Mitgliedsstaaten ausgeht, sondern sie schwört das Risiko weiterer „moralischer Versuchungen“ herauf. Wieso sollten andere Staaten sich finanz- und wirtschaftspolitisch verantwortlicher verhalten, wenn sie letztlich darauf rechnen können, ihre Defizite im Notfall durch „Europa“ abdecken lassen zu können?
Ist das Hilfspaket aber ein Einladung zu weiteren Spekulationen?
Auch die Finanzmärkte können geradezu zu neuen Attacken auf andere Staaten ermuntert werden. Erst können Marktteilnehmer von fallenden Kursen profitieren, um sich schließlich mit satten Gewinnen aus den Märkten zu verabschieden, sobald „Europa“ wieder einmal seine scheinbar unerschöpfliche „Schatulle“ geöffnet hat. Es werde nur Zeit gekauft und Unterstützungsmaßnahmen dieser Art gäben dem so genannten “smart money“ die Gelegenheit, sich vor der Insolvenz und vor einer letztlich unumgänglichen Schuldrestrukturierung mit Gewinnen aus dem (griechischen) Markt verabschieden zu können, erklärt beispielsweise Simon Johnson, ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds.
„Die Entscheidung zu Griechenland hat den Anreiz für Staaten erhöht, schwierigen Beschlüssen aus dem Weg zu gehen und stattdessen die Finanzen schleifen zu lassen oder sich zumindest nicht intensiv genug um eine Konsolidierung zu bemühen“, erklärt Volkswirt Paul Mortimer-Lee von BNP Paribas in London.
In diesem Sinne besteht das Risiko, dass der Euro bald wieder unter Druck geraten kann. Nämlich dann, wenn technische Gegenreaktionen zum Verkaufsdruck der vergangenen Wochen ausgelaufen sind und wenn das „Rettungspaket“ als Einladung für weitere Spekulationen dieser Art - zum Beispiel gegen Portugal oder Spanien - begriffen wird. Spekulative Strategien dieser Art sind reizvoll, wenn die Anleger auf den Einsatz von Steuermitteln „zur Rettung“ bauen können, statt mit wirklichen Verlusten rechnen zu müssen. Genau diese Asymmetrie hat in die Krise geführt.
Wozu Anführungsstriche?
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 12.04.2010, 17:04 Uhr
Ich kann es nicht mehr hören ...
Klaus Hill (morchel)
- 12.04.2010, 18:55 Uhr
"Kritiker halten es für eine Einladung an Spekulanten"
Siegfried Reutzel (rs-depot.de)
- 12.04.2010, 18:56 Uhr