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Edelmetalle : Goldkaufen ist ein deutsches Phänomen

In der Bundesbank gelagerte Goldbarren Bild: dpa

Die Deutschen lieben Edelmetalle, deswegen ist im Gegensatz zum Rest Europas Gold hierzulande eine begehrte Anlage. Der Verkauf hat nach Händlerangaben den höchsten Stand seit vier Jahren erreicht.

          Der Verkauf von physischem Gold und Silber in Deutschland hat 2015 zugelegt, obwohl oder vielleicht gerade weil der Weltmarktpreis im Jahresverlauf deutlich nachgegeben hat. Das berichten Goldhändler, aber auch Banken übereinstimmend. In einer internationalen Großbank hieß es auf Anfrage, es sei „offenbar ein deutsches Phänomen“, dass sich Privatanleger hierzulande stärker mit Gold eingedeckt hätten, während Anleger beispielsweise in Italien und Spanien Gold abgegeben hätten.

          Von einem Absatzrekord im Edelmetallgeschäft berichtete die Bayern LB. „Wir haben 2015 mehr Münzen und Barren an unsere Kunden geliefert als je zuvor“, sagte Michael Eubel, der Leiter der Abteilung Sorten und Edelmetalle der Bank. Die Bayern LB habe 2015 rund 768 Tonnen an physischen Edelmetallen gehandelt, das entspreche dem Gewicht von 40 vollbesetzten Reisebussen.

          Neues Rekordjahr

          Vor allem die Nachfrage nach Investment-Silber sei 2015 hoch gewesen, in diesem Segment habe die Bank mit 720 Tonnen weit mehr als doppelt so viel umgesetzt wie im Vorjahr, als es 302 Tonnen waren. Auch bei Goldmünzen und Goldbarren konnte die Bank einen Anstieg verzeichnen, der Absatz erhöhte sich um gut 6 auf 47,9 Tonnen. Zu den Gründen für den Rekord soll allerdings sowohl ein Ausbau der Handelsaktivitäten der Bank auf diesem Gebiet gehört haben als auch ein verstärktes Interesse von Kunden. Motive der Kunden könnten die Niedrigzinsphase gewesen sein, hieß es, die Verunsicherung im Devisenhandel durch den Frankenschock nach der Freigabe der Währung durch die Schweizerische Nationalbank im Januar vorigen Jahres sowie das beständige Ringen um Griechenland in der Eurozone.

          Auch die Degussa Goldhandel GmbH in Frankfurt berichtete über ein neues Rekordjahr seit der Gründung des Unternehmens vor mehr als vier Jahren. Der Umsatz mit Anlegern in Deutschland habe 2015 um 36 Prozent zugelegt. „Insgesamt schätze ich, dass der Goldabsatz in Deutschland im letzten Jahr bei rund 120 Tonnen gelegen hat, das ist der höchste Stand innerhalb der letzten vier Jahre und repräsentiert einen Wert in Höhe von rund 3,8 Milliarden Euro“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Wrzesniok-Roßbach. Deutschland sei damit nach China und Indien und weit vor den nächstplazierten Vereinigten Staaten weltweit drittgrößter Markt für Anlagegold gewesen.

          Bild: F.A.Z.

          Von einem deutlichen Plus bei den Goldverkäufen im vergangenen Jahr berichtete auch der Goldhändler Pro Aurum, allerdings nicht von einem Rekord. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben das größte bankenunabhängige Edelmetallhandelshaus in Deutschland. Der Umsatz mit Goldverkäufen sei trotz des rückläufigen Weltmarktpreises 2015 um knapp 25 Prozent gestiegen, sagte ein Sprecher. Der Umsatz der Silberverkäufe habe um 12 Prozent zugelegt.

          Schwächere Nachfrage nach dem Edelmetall

          Allerdings sei das nicht der höchste Umsatz aller Zeiten gewesen: Vielmehr seien die von der Finanz- und Euro-Krise geprägten Jahre 2008 bis 2011 die „absoluten Spitzenjahre“ in der zwölfjährigen Unternehmensgeschichte gewesen. „Danach wurde es parallel zu den Preiskorrekturen bei Gold und Silber wieder stiller um Edelmetalle“, sagte der Sprecher. Seit 2015 könne das Unternehmen wieder einen deutlichen Nachfrageanstieg feststellen: „Die Goldumsätze liegen aber noch immer rund 20 Prozent unter den Spitzenmonaten der Jahre 2008 bis 2011.“ Eine „große Nachfrage von Verbrauchern nach Gold- und Silbermünzen im letzten Jahr“ vermeldete zudem der Berufsverband des Deutschen Münzenfachhandels: „Wir erwarten auch für das laufende Jahr eine ähnliche Entwicklung.“

          Es ist aber nicht das erste Mal, dass Goldhandelsunternehmen in Deutschland über gute Geschäfte berichten, während ein sinkender Goldpreis zugleich auf eine schwächere Nachfrage nach dem Edelmetall insgesamt hindeutet. Im Verlauf des Jahres 2015 ist der Goldpreis von 1199 Dollar auf 1069 Dollar gefallen, also ein Minus von knapp 11 Prozent. Allerdings hat der Anstieg des Wechselkurses des Dollars gegenüber dem Euro diesen Wertverlust zu großen Teilen ausgeglichen.

          In den ersten Wochen dieses Jahres ist Gold wieder etwas teurer geworden. Am Mittwoch kostete eine Feinunze rund 1100 Dollar. Für den weiteren Verlauf des Jahres erwarten die Analysten laut Bloomberg im Mittelwert einen Goldpreis von 1107 Dollar, bis zum Jahresende 2016 einen Preis von 1116 Dollar.

          Quelle: F.A.Z.

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