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Geldpolitik Zweifel an einer Euro-Rally sind angebracht

19.03.2009 ·  Mit heftigen Kurssprüngen reagierten Renten und Euro auf die Ankündigung der amerikanischen Notenbank, nicht nur noch mehr zweifelhafte Hypothekenpapiere, sondern auch massiv Staatsanleihen zu kaufen. Ob die Bewegung nachhaltig ist, darf bezweifelt werden.

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Die Reaktionen waren heftig. Die Analysten der Unicredit sprachen von einem „Elektroschock“ für die Märkte, die der Commerzbank formulierten es plastisch „Die Fed kauft alles außer Ketchup“ und meinten damit das nächste Billionen-Dollar-Programm zur Rettung der kaputten amerikanischen Finanzmärkte.

Auch die Märkte reagierten heftig. Auch an den Aktien- und Anleihemärkten lösten die Nachrichten Kurssprünge aus. Die Rendite der zehnjährige Schatzanweisungen fiel auf 2,50 Prozent, die der 30jährigen auf 3,52 Prozent. Was Wunder, wenn in den kommenden 6 Monaten bis zu 300 Milliarden Dollar für Schatzanweisungen mit zwei- bis zehnjähriger Laufzeit ausgegeben werden sollen.

Viel oder wenig?

Noch heftiger reagierte der Devisenmarkt. Der Kurs des Euro sprang nach oben und schoss erstmals seit Mitte Januar über 1,34 Dollar hinaus, nachdem die Gemeinschaftswährung im frühen Handel noch unter 1,30 Dollar gehandelt worden war.

Die meisten Marktteilnehmer hatten im Vorfeld nicht damit gerechnet, dass die Fed am Berichtstag derart klar eine Politik der quantitative Lockerung einschlagen und den Kauf von Anleihen am Markt ankündigen würde.

Uneinigkeit besteht in der Bewertung der Dimension. Ein Experte der UBS bezeichnete den Sprung der Anleihenotierungen als „atemberaubend“. Die Fed-Entscheidung sei sehr beeindruckend und bedeutsam. 300 Milliarden Dollar seien eine „sehr signifikante Summe“ wenn man sie etwa mit dem Haushaltsdefizit von 455 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr vergleicht, sagte der UBS-Fachmann.

Ein anderer Stratege gibt sich zurückhaltender. „Berücksichtigt man den hohen Finanzierungsbedarf der Regierung, sind 300 Milliarden Dollar über sechs Monate kein allzu großer Markttreiber“. Nach der Entscheidung der Fed ist der Markt immer sehr volatil. Warten wir ab, wie lange die Euphorie anhält.“

Sinnloser Tritt aufs Gaspedal?

Auch die makroökonomischen Einschätzungen allen doch eher zurückhaltend aus. David Carbon von der Singapurer Bank DBS nennt das Kind beim Namen: Die Fed habe seit August 2007 schon 1 Billion Dollar in die Wirtschaft gepumpt. Davon seinen lediglich 79 Milliarden überhaupt angekommen, der Rest sei in die Bankenreserven geflossen.

Selten hat sich die Theorie der Österreichischen Schule so sehr bewahrheitet, wonach die Injektion von Geld alleine nicht ausreicht, weil ihre Wirksamkeit vom Verhalten der Multiplikatoren, hier also der Banken abhängt. Es habe keinen Zweck, aufs Gas zu treten, wenn die Schaltung kaputt sei, meint Carbon.

Und so glaubt er auch nicht, dass dieser nächsten Billion mehr Erfolg beschieden sein wird. Die Banken wollten nichts verleihen und die Schuldner nichts leihen.Zudem seien einige Banken schlicht bankrott und könnten gar nichts verleihen.

Rentenmarkt ohne fundamentale Unterstützung

Dies kümmert die Finanzmärkte erst einmal wenig. Am Mittwoch verzeichnet der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe eine wahre Kursexplosion. Die Frage ist, ob diese Kursbewegungen nachhaltig sein können. Mansoor Mohi-uddin, Währungsstratege der UBS, glaubt nein. Haushalte und Unternehmen seine weltweit im Begriff, ihre Verschuldung zu reduzieren. Alles sehe eher wie eine Zwischenrally aus, ähnlich der nach den Zinssenkungen im Gefolge der Anschläge vom 11. September 2001.

Auch die Analysten der Helaba sind skeptischer. Der Rentenmarkt habe von fundamentaler Seite keine Unterstützung, da es keine Entwarnung für die amerikanische Konjunktur gebe. Ein Anstieg über die nächsten technischen Hürden bei 124,70 und im Bereich um 125 Prozent dürfte daher nicht leicht fallen.

Wie nachhaltig ist die Euro-Rally?

Anders sieht das Bild für den Euro-Dollar-Kurs aus. Zwar werden am Devisenmarkt zunächst einmal Gewinne mitgenommen, was den Eurokurs aber eher leicht drückt. Aktuell handelt er bei 1,3477 Dollar zwar deutlich unter dem Hoch vom Vorabend bei 1,3535 Dollar angezogen, aber immer noch auf deutliche erhöhtem Niveau.

Nicht nur die Fed, sondern auch andere Notenbanken haben die Notenpresse angeworfen und so schwächen so aktiv die eigene Währung. „Mittelfristig besteht das Risiko, dass der Euro angesichts dieser Entwicklungen weiter an Wert gewinnt“, meint Helaba-Devisenanalyst Ulrich Wortberg .

Viele Analysten sehen die EZB daher unter Zugzwang, da ein starker Euro wie eine restriktivere Geldpolitik wirke. Das könnte den Euro wieder in die Defensive bringen. Mohi-uddin sieht ihn zur Jahresmitte sogar auf 1,20 Dollar fallen, sobald die Risikoaversion zurückkehre. Kurzfristig könne er dagegen über 1,40 Dollar steigen.

Der Dollar am Ende?

Andere Marktteilnehmer sind pessimistischer. So etwa Hedge-Fonds-Manager Scott Ainsbury. „Verkauft den Dollar!“ ist seine Devise. Die Maßnahme der Fed sei der letzte Pfeil in ihrem Köcher gewesen und diesen habe sie zu früh verschossen. Er vergleicht den Beschluss mit dem Beschluss der führenden Zentralbanken im Jahr 1985, eine Abwertungspolitik für den Dollar gegen Yen und Mark einzuleiten.

Jessica Hoversen, Devisenanalystin bei MF Global sieht dramatische Konsequenzen. Die Fed finanziere faktisch das Haushaltsdefizit. Wenn die Regierung Obama noch ein Konjunkturpaket auflege, sei der Dollar am Ende.

Im Grunde hängt die Zukunft des Dollar also an der künftigen Politik der EZB. Einen Übergang zu einer Politik des Gelddruckens, denn nichts anderes verbirgt sich hinter dem Begriff der „Quantitativen Lockerung“, hat diese nicht kategorisch ausgeschlossen.

EZB unter Zugzwang

Derzeit wird darauf spekuliert, dass Bundesbankpräsident Axel Weber, im Rahmen einer für Freitag angesetzten Rede weitere Zinssenkungen in Aussicht stellen wird, nicht zuletzt weil die Industrieproduktion in der Eurozone im Januar um 15,5 Prozent fiel, nachdem sie schon im Dezember um 12 Prozent zurückgegangen war.

Praktisch hat die EZB kaum eine Wahl. Hält sie an ihrer nun vergleichsweise noch restriktiveren Geldpolitik fest, geht sie das Risiko einer drastischen Aufwertung ein. Unter den derzeitigen Gegebenheiten könnte dies in die Deflation führen. Das würde aber ebenso wie eine übermäßige Inflation ebenso eine Verfehlung des Ziels der Geldwertstabilität bedeuten.

Wo soll das enden?

Langfristig stellt sich die Frage, wo die weltweite Liquiditätsflut enden soll. Schon die jüngste Finanzkrise war ein Ergebnis übermäßiger Liquiditätszufuhr. Nun wurde die Krise genau mit den Mitteln bekämpft, die sie erst ermöglicht hat. Sollten die Inflationsraten wieder stiegen, wäre dies ein Anzeichen für eine konjunkturelle Erholung. Eine restriktivere Geldpolitik könnte diesen Aufschwung wieder gefährden.

Steuern die Notenbanken indes nicht rechtzeitig dagegen, könnte es dazu führen, dass die Weltwirtschaft einige Jahre später abermals in eine erneute Finanzkrise stürzt. Was dann?

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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