21.08.2001 · Die US-Zinssenkung bringt den Aktien zunächst keine Wende. Im vierten Quartal dürfte die Geldpolitik aber Wirkung zeigen, glaubt Volkswirt Ruland.
„Bei der Zinssenkung in den USA um 25 Basispunkte handelt es sich um ein Non-Event. Denn das ist genau das, was erwartet wurde“, erklärt Volkswirt Heino Ruland von Ruland Research.
An den Finanzmärkten dürfte die Entscheidung daher keine neue Ausgangslagen schaffen. Am Aktienmarkt will Ruland eine kurzfristig Rally zwar nicht ganz ausschließen. Selbst wenn es dazu komme, was nach der schwachen Vorstellung vom Dienstag unwahrscheinlich sei, werde sie aber nicht lange Bestand haben. Denn grundsätzlich werde es mit den Kursen zunächst weiter nach unten gehen.
Keine Gefahr einer verpuffenden US-Geldpolitik
Für die europäischen Aktienmärkte gelte dies noch mehr als für den US-Aktienmarkt. Denn durch die frühzeitig eingeleiteten Zinssenkungen sei hier der Boden bereitet für eine konjunkturelle Erholung. „Die Wahrscheinlichkeit, dass die Geldpolitik im vierten Quartal greift und es zu einer Erholung der Wirtschaft kommt, ist sehr groß“, glaubt Ruland.
In Europa sei dies aber nicht zeitgleich zu erwarten, da die Europäische Zentralbank (EZB) bisher nicht auf den Druck reagiert habe, der speziell auf der deutschen Wirtschaft laste. Deswegen sei der EZB aber nicht zwangsläufig ein Vorwurf zu machen, da die konjunkturelle Ausgangslage nicht in allen Mitgliedsstaaten mit der in Deutschland vergleichbar sei.
Auf den Euro sollte sich die Zinssenkung in den USA laut Ruland noch einmal positiv auswirken. Doch über schlechte Exportaussichten spreche dies gleichzeitig wieder gegen den Aktienmarkt.
Rezession am Rentenmarkt schon eingepreist
Am Rentenmarkt dürfte weder die jetzige Zinssenkung noch eine weitere denkbare Zinssenkung große Impulse auslösen. „Nachdem zuletzt die Renditen so schnell gefallen sind wie in den letzten drei Rezessionsphasen nicht, ist hier eine mögliche Rezession bereits voll und ganz in den Kursen eingepreist“, konstatiert Ruland.
In der Realität stellte sich am Aktienmarkt die übergeordnete Prognose von Ruland sofort ein. Die nach Interpretation des zur Begründung des Zinsentscheids veröffentlichten Wortlauts gedämpften Hoffnungen auf eine schnelle Konjunkturerholung ließen sowohl den Dow Jones als auch den Nasdaq Composite vom zwischenzeitlichen Plus deutlich ins Minus abdriften (siehe Link: „Jetzt ist der Dow Jones fällig“). Der Euro präsentiert sich nach einem kurzen Absacker inzwischen mit Aufschlägen. Am US-Rentenmarkt zeigt man sich weitgehend unbeeindruckt, es kommt lediglich zu kleinen Kursaufschlägen.
Grundproblem bleibt die Prognoseunsicherheit
Grundsätzlich betrachtet stuft Ruland die Entscheidung der Fed, auch wenn sie dem allgemeinen Konsens entsprach, als etwas problematisch für die Märkte ein. „Durch diesen neutralen Schritt fällt es schwer abzuschätzen, wohin die Fed die konjunkturelle Reise gehen sieht. Die Zinssenkung um 25 Basispunkte ist weder ein Signal dafür, dass es den Bach runter geht, noch dafür, dass eine Stabilisierung zu sehen ist. Aber vermutlich wissen sie selbst nicht genau, wie es weiter geht,“ bringt Ruland das Problem vor dem derzeit alle Marktteilnehmern stehen, nämlich dem der fehlenden Prognosesicherheit, auf den Punkt. Solange sich aber an der sogenannten „Visibilität“ nichts ändert, dürften sich die Aktienmärkte in der Tat weiter schwer tun.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |