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Geldpolitik Türkei lässt Lira floaten

 ·  Die Finanzkrise in der Türkei hat sich zugespitzt. Deshalb gelten ab heute freie Wechselkurse.

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Die Türkei hat angekündigt, zur Bekämpfung der Finanzkrise im Land ab Donnerstag das System der gleitenden Parität aufzugeben und die türkische Lira floaten zu lassen. Die Erklärung wurde in der Nacht nach einer 12-stündigen Dringlichkeitssitzung von Ministerpräsident Bülent Ecevit und ranghohen Wirtschaftsexperten, darunter auch Zentralbankchef Gazi Ercel, abgegeben.

Wirtschaftsminister Recep Önal sagte nach Abschluss des Treffens, die neue Regelung gelte mit Öffnung der Märkte Donnerstag früh. Das System der gleitenden Parität ist Kernelement eines vom Internationalen Währungsfonds (IWF) gebilligten Anti-Inflations-Plans für die Türkei. Die Finanzmarkt-Turbulenzen in der Türkei waren zu Wochenbeginn durch einen Streit Ecevits mit dem türkischen Präsidenten Necdet Sezer ausgelöst worden.

Standard&Poor's prüft türkische Bonitätseinstufung

Die Talfahrt an den türkischen Finanzmärkten hatte sich am Mittwoch trotz der Beschwichtigungsversuche seitens der Regierung nach dem Streit in der türkischen Staatsführung fortgesetzt. Die türkischen Aktien- und Rentenmärkte rutschten deutlich ins Minus. Am Geldmarkt schnellten die Sätze erneut in die Höhe.Die internationale Ratingagentur Standard & Poor's zeigte sich unterdessen besorgt über die Lage in der Türkei und kündigte an, die Bonitätseinstufungen für das Land zu prüfen.

Streit zwischen Regierungschef und Präsident

Ausgelöst wurden die Finanzmarkt-Turbulenzen zum Wochenbeginn durch einen Streit zwischen Ministerpräsident Ecevit und dem türkischen Präsidenten Necdet Sezer. Ecevit hatte am Montag vorzeitig ein Treffen des einflussreichen Nationalen Sicherheitsrats verlassen und vor Reportern in Ankara gesagt, er sei vom Präsidenten beleidigt worden. Ecevit hatte von einer „schweren Krise“ im Verhältnis zum Präsidenten gesprochen.
Am Mittwoch wurde er dann konkreter: „Es ist klar, dass wir (der Präsident und ich) ernsthafte politische Meinungsverschiedenheiten haben. Wir sind aber immer noch verpflichtet zusammenzuarbeiten", sagte er. Die Auseinandersetzung habe sich nicht um Wirtschaftsfragen gedreht.

Finanzmärkte beunruhigt

Analysten bezeichneten diese Unterscheidung jedoch als irrelevant, da eine politische Instabilität die Märkte genauso negativ beeinflussen könne wie wirtschaftliche Probleme. Die Finanzmärkte zeigten sich daher von den Beruhigungsversuchen unbeeindruckt. An der Aktienbörse brachen die Kurse weiter ein. Der wichtigste türkische Aktienindex sackte bis Handelsschluss gegen 15.00 MEZ um 18 Prozent ab und verzeichnete damit den größten Tagesverlust seiner Geschichte. Seit Ausbruch der Krise am Montag hat der Index fast ein Drittel seines Werts verloren. Am Bondmarkt verlor der Kurs der richtungweisende zehnjährige Staatsanleihe ebenfalls deutlich an Boden.

Tagesgeldzins bis auf 5000 Prozent

Am Geldmarkt schnellten die Zinsen weiter nach oben. Die Tagesgeldsätze stiegen am Mittwoch im Durchschnitt auf 2900 Prozent und in der Spitze auf 5000 Prozent, nachdem sie Mitte der vergangenen Woche noch bei 40 Prozent gelegen hatten. Die Zentralbank gab dem Markt Liquidität über 531 Billionen türkische Lire bei einem Zinssatz von 4000 Prozent. „Selbst während der Krise von 1994 haben wir keine Raten von 5000 Prozent gesehen. Die Zentralbank will einigen (Banken) da wohl eine Lektion erteilen", sagte ein türkischer Portfolio Manager.

Die Ratingagentur Standard & Poor's teilte am Mittwoch in London mit, „ernsthaft besorgt“ über die Lage in der Türkei zu sein. Vor allem die politischen Risiken seien mit dem Streit in der politischen Führung gestiegen. Die Finanzmarktturbulenzen könnten zudem Wirtschaftsreformen der Regierung erschweren. Daher werde eine Herabstufung der langfristigen und kurzfristigen Kreditwürdigkeit des Landes von den bisherigen Niveaus „B+“ beziehungsweise „B“ geprüft.

IWF-Kredite gefährdet

Zentralbankchef Gali Ercel hatte am Vortag die Finanzmärkte aufgefordert, Ruhe zu bewahren, um das Wirtschaftsreformprogramm der Regierung und die damit verbundenen Kredite des Internationalen Währungsfonds (IWF) nicht zu gefährden. Der IWF hatte der Türkei im vergangenen Jahr Kredite in Milliardenhöhe zugesagt, die jedoch an Wirtschaftsreformen, Inflationseindämmung und die Haushaltsdisziplin des Landes geknüpft sind. Die Kredite belaufen sich insgesamt auf ein Volumen von rund elf Milliarden Dollar.


Quelle: @zyd, mit Material von: Reuters, vwd
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