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Geldpolitik Notenbanken warnen vor Drang zum Dollar

10.03.2006 ·  Schwellenländer wie China häufen immer mehr Währungsreserven auf. Gründe sind eine exportorientierte Wechselkurspolitik und der Versuch, Unabhängigkeit vom Internationalen Währungsfonds zu gewinnen. Notenbanker warnen vor Risiken.

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Die Anhäufung von Währungsreserven durch Länder wie China, Japan und viele Schwellenländer bringt Risiken und Kosten mit sich. Zu diesem Schluß kommt eine Arbeitsgruppe der europäischen Notenbanken in einer Untersuchung der Entwicklung der globalen Währungsreserven. Auch wenn die Studie keine offizielle Position der Europäischen Zentralbank darstellt, wird in vorsichtiger Notenbankersprache die Sorge ersichtlich, daß die Anhäufung der Währungsreserven auf Dauer nicht beizubehalten sei und zu Verwerfungen an den internationalen Finanzmärkten führen könne.

Der Bedarf, Währungsreserven aufzubauen, könne unter anderem dadurch vermindert werden, daß die Länder ihre Finanzmärkte weiterentwickelten und wohlgeordnet zu flexibleren Wechselkursen übergingen, heißt es. Hinter den Sorgen der Fachleute verbirgt sich vor allem das Argument, daß das große Leistungsbilanzdefizit der Vereinigten Staaten, das aus den Währungsinterventionen Chinas herrühre, nicht auf Dauer Bestand haben könne. Befürchtet wird vielfach, daß eine Korrektur des Leistungsbilanzdefizits zu einer drastischen Abwertung des amerikanischen Dollar führen werde. China hält den Yuan durch den Ankauf amerikanischer Staatsanleihen künstlich unterbewertet.

Währungsreserven haben sich vervierfacht

Die internationalen Währungsreserven haben sich in den vergangenen fünf Jahren in etwa vervierfacht. Im Januar 1995 lagen sie nach Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei 1200 Milliarden Dollar, im vergangenen September bei 4000 Milliarden Dollar. Schwellenländer, und dabei vor allem China, haben ihre Devisenreserven deutlich aufgestockt; sie halten mittlerweile rund 85 Prozent aller internationalen Reserven. China und Japan zusammen kommen allein auf rund 40 Prozent. Der Großteil der Währungsreserven wird mit rund 66 Prozent in Dollar gehalten; der Euro erreicht einen Anteil von etwa 24 Prozent.

Unabhängigkeit vom IWF

Als einen Grund für die außergewöhnliche Entwicklung nennen die Autoren der Studie den Wunsch vieler Schwellen- und Entwicklungsländer Asiens und Lateinamerikas, sich durch den Aufbau von großen Währungsreserven gegen Finanz- und Währungskrisen und gegen Einflußnahme des IWF abzusichern. Gelegentlich wird in Fachkreisen deshalb hinterfragt, welche Aufgabe der IWF künftig wahrnehmen solle. Zum Aufbau der Währungsreserven trägt auch bei, daß Länder wie China den Wechselkurs ihrer Währungen künstlich niedrig halten, um ein exportgetriebenes Wirtschaftswachstum zu befördern.

Für die Schwellenländer sei die Haltung von Währungsreserven mit Risiken und Kosten verbunden, heißt es, unter anderem weil die großen Reservenbestände immer größeren Einfluß auf die Zentralbankbilanzen hätten. Zudem wirke die hohe Nachfrage nach Dollar-Anleihen darauf hin, daß deren Zinssatz sinke, was zu Verzerrungen von Anlageentscheidungen und Verwerfungen an den Finanzmärkten beitrage. Die Expertengruppe hat berechnet, daß die japanischen Interventionen zugunsten des Yen die Rendite amerikanischer Staatspapiere mit dreijähriger Laufzeit um rund 65 Basispunkte gedrückt haben.

Quelle: pwe. / F.A.Z., 11.03.2006, Nr. 60 / Seite 23
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