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Geldpolitik Märkte setzen auf weitere Zinssenkungen

31.10.2008 ·  Der jüngste Zinsschritt der amerikanischen Notenbank Fed hat eine Senkungswelle rund um den Erdball ausgelöst. Am Freitag lockerte die Bank of Japan ihre Geldpolitik. Kommenden Donnerstag wird voraussichtlich die EZB folgen.

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Nach der Zinssenkung ist offenbar vor der Zinssenkung. Am Mittwoch hatte die amerikanische Notenbank (Fed) ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf ein Prozent zurückgenommen (Fed senkt erneut die Leitzinsen) und damit eine Zinssenkungsrunde rund um den Erdball ausgelöst. Am Donnerstag folgten die Notenbanken in Ländern wi China, Taiwan oder Südkorea diesem Schritt. Am Freitagmorgen lockerte dann auch die Bank of Japan ihre Geldpolitik. Zwar nahm sie ihren Tagesgeldsatz nur um 20 Basispunkte auf 0,3 Prozent zurück. Doch immerhin war dies ihre erste Zinssenkung seit März 2001 (Rezessionsangst: Japan senkt Leitzins auf 0,3 Prozent).

Doch nun bekommen die Akteure an den internationalen Finanzmärkten offenbar nicht genug. Am Freitag flammten an den Devisenmärkten schon wieder Spekulationen auf, denen zufolge am kommenden Donnerstag die Europäische Zentralbank (EZB) sich der allgemeinen Zinswelle anschließen könnte. Volkswirte rechneten mittlerweile fest mit einer weiteren Zinssenkung in der Eurozone in der kommenden Woche, hieß am Morgen im Handel.

Spekulationen selbst genährt

Diese Spekulationen hat die EZB selbst genährt. Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi bestätigte, dass die Zentralbank auf ihrer Ratssitzung am 6. November ihren Leitzins senken könnte. „Ich denke, es ist eine Möglichkeit“, sagte Bini Smaghi am Donnerstagabend bei den Aufnahmen zu einer Fernsehsendung des „RAI Educational satellite channel“. Die Inflationsrate im Euroraum gehe zurück und nähere sich wieder dem Bereich von knapp 2 Prozent an. Dies werde die EZB bei ihrem Zinsentscheid berücksichtigen, sagte das Direktoriumsmitglied.

Schon zu Wochenbeginn hatte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet selbst diese Erwartung mit überraschend deutlichen Worten geschürt (Trichet deutet weitere Zinssenkung an). „Ich denke, es ist möglich, dass der EZB-Rat bei seinem nächsten Treffen die Zinsen einmal mehr herunternimmt“, sagte Trichet am Montag in Madrid.

Im Vergleich zu den Vereinigten Staaten und Japan gilt der Leitzins für die Eurozone nun ohnehin als besonders hoch. Derzeit beträgt er seit der Senkung vom 8. Oktober 3,75 Prozent. Experten rechnen mit einer Kappung des Schlüsselzinssatzes um erneut einen halben Prozentpunkt.

Euro gibt Kursgewinne wieder ab

Der Kurs des Euro hat am Freitag nach einem deutlichen Anstieg in den vergangenen Handelstagen einen großen Teil der Gewinne wieder abgeben müssen. Händler begründeten die Kursverluste mit weiteren Hinweisen auf Zinsspekulationen, die auf Frankfurt gerichtet seien. Im frühen Devisenhandel stand die Gemeinschaftswährung bei 1,2700 Dollar, nachdem sie im Verlauf der Woche die Marke von 1,30 Dollar zeitweise deutlich übersprungen hatte.

Doch damit dürfte es noch nicht genug sein. Denn auch in den Vereinigten Staaten wird nun schon wieder darauf spekuliert, dass mit dem jüngsten Schritt die Fed ihre Zinssenkungsrunde längst noch nicht abgeschlossen hat. Die Währungshüter der Federal Reserve um ihren Vorsitzenden Ben Bernanke werden den Leitzins womöglich auf weniger als ein Prozent herabsetzen, sollten sich die Gefahren für die amerikanische Wirtschaft noch weiter vergrößern. Zu dieser Einschätzung sind nahezu einhellig Bankvolkswirte an der Wall Street nach der Entscheidung des geldpolitischen Rates der Fed vom Mittwoch gelangt, den Leitzins um einen halben Prozentpunkt auf ein Prozent zu verringern.

Wird die Fed im Dezember wieder aktiv?

„Nach fast genau vier Jahren und vier Monaten ist der Zielzinssatz für Tagesgeld wieder auf einem Prozent angelangt. Es war die richtige Entscheidung“, kommentiert Harm Bandholz von der HVB Group in New York den Beschluss. Zum einen wäre angesichts der großen Finanzmarktturbulenzen jetzt nicht der richtige Zeitpunkt gewesen, die Erwartungen der Marktakteure zu enttäuschen. Zum anderen werde durch den Schritt die amerikanische Zinsstrukturkurve steiler, was eine wichtige Voraussetzung für die notwendige Gesundung der Banken sei. „Aber der Ausblick für die Wirtschaft bleibt düster“, warnt Bandholz.

David Greenlaw von Morgan Stanley sagt voraus, dass die Währungshüter den Zielzins für Tagesgeld im Dezember auf 0,5 Prozent verringern werden, hält es aber auch nicht für ganz ausgeschlossen, „dass sie den Weg zum Nullzins gehen“. Greenlaw weist darauf hin, dass es auf einem solch niedrigen Zinsniveau für Geldmarktfonds schwierig werden könnte, ihre Kosten hereinzuholen. „Aber davon dürfte nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Fonds betroffen sein.“ Wie die Federal Reserve Bank von New York mitteilte, betrug der effektive Tagesgeldzins am Geldmarkt am Donnerstag 0,36 Prozent und lag damit sogar deutlich niedriger als der anvisierte Zielzins.

Sogar einer dänischen Bank Geld von der Fed

Nun ist die Fed auch bemüht, die Dollar-Liquidität außerhalb Amerikas zu erhöhen. Dazu hat die amerikanische Notenbank mit den Zentralbanken Brasiliens, Mexikos, Südkoreas und Singapurs Währungsswaps über insgesamt 120 Milliarden Dollar vereinbart. Im Rahmen zeitlich befristeter Tauschgeschäfte erhalten diese Notenbanken Dollar von der Fed, die sie an heimische Banken ausleihen können, damit diese ihre Dollar-Verbindlichkeiten erfüllen können. Ähnliche Swap-Vereinbarungen bestehen schon mit einer Reihe anderer Notenbanken, darunter der Europäischen Zentralbank.

Am Freitagmorgen wurde auch bekannt, dass die Fed sogar dem größten dänischen Kreditinstitut Danske Bank einen Kredit in Höhe von 29,5 Milliarden Dollar (22,8 Milliarden Euro) gewährt. Die Abmachung sei Teil gewöhnlicher Geschäfte, sagte ein Sprecher der Danske Bank. In Krisenzeiten sei es gut, über Dollarreserven zu verfügen. Nach Angaben von Torp befindet sich die Bank nicht in einer Krisensituation. Den Angaben zufolge kann die Bank bis Ende April 2009 auf den Fed-Kredit zurückgreifen.

Händlern zufolge ist mit Blick auf das nahende Monatsende mit einer hohen Dollarnachfrage zu rechnen. Die Nachfrage komme sowohl von Unternehmen als auch von institutionellen Anlegern.

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