27.10.2009 · Lange Zeit sträflich vernachlässigt scheinen die Zentralbanken nach der Krise der Bildung von Vermögenspreisblasen mehr Aufmerksamkeit als bisher zu schenken. In Australien und in mehreren asiatischen Staaten bremsen sie geldpolitisch.
Regierungen und Zentralbanken haben gemeinhin das Ziel, hohe Wachstumsraten bei geringem Preisauftrieb zu erreichen. Allerdings stellt sich immer die Frage, wie solche Ziele konkret gemessen werden. In der Vergangenheit richteten die Zentralbanken ihre Geldpolitik vielfach nur an eng definierten Inflationsraten aus. Der Preisauftrieb an Immobilien-, Aktien-, Renten- oder auch Rohstoffmärkten spielte für sie keine Rolle.
Das führte in diesen Bereichen zu überhöhten Preisen und zusammen mit geringem Risikobewusstsein und starker Verschuldung zur Wirtschafts- und Finanzkrise der vergangenen Monate. Sie war und ist im Kern nichts anderes, als der Beginn der Korrektur solcher Preisblasen. Nachdem Regierungen und Zentralbanken mit extrem expansiven Fiskal- und Geldpolitiken auf die Krise reagierten, entstand sofort wieder das Risiko, dass sie sich erneut mit heißer Luft füllten.
In Asien deutet vieles auf überhöhte Immobilienpreise hin
Immerhin sind die Kurse an den Börsen in den vergangenen Monaten massiv nach oben gelaufen, Energie- und Rohstoffe sind teurer geworden und selbst an den angeschlagenen Immobilienmärkten der Industriestaaten zeigen sich aufgrund der getroffenen Maßnahmen zumindest kurzfristig gewisse Stabilisierungs- oder gar Belebungsanzeichen. In vielen asiatischen Staaten deutet vieles auf überhöhte Immobilienpreise hin.
Inzwischen scheinen einige der Zentralbanken etwas aus der Vergangenheit gelernt zu haben und ändern ihr Verhalten. Zu den deutlichsten gehört die australische Notenbank, die nicht nur begonnen hat, die Zinsen zu erhöhen, sondern die ausdrücklich eine aufwertende Währung begrüßt. Denn eine starke Währung bremst die wirtschaftliche Dynamik eines Landes und dämpft auf diese Weise die Gefahr einer Blasenbildung.
Selbst die asiatische Zentralbanken scheinen nun damit zu beginnen, gegen eine Blasenbildung, vor allem im Immobiliensektor, vorzugehen. So haben die Zentralbanken in Südkorea, Hongkong und Singapur die Geschäftsbanken in den vergangenen Wochen angewiesen, ihre Kreditbedingungen zu verschärfen. Indien hat am Dienstag die Kreditinstitute verpflichtet, mehr Liquidität in Staatsanleihen zu halten, was als Zeichen für eine beginnende geldpolitische Straffung gewertet wurde.
Mit den Maßnahmen reagieren die Währungshüter in Asien auf die anziehenden Immobilienpreise und wollen eine Krise wie am amerikanischen Markt für bonitätsschwache Hypothekenkredite verhindern. Sie versuchen die Lektion, die der amerikanische Notenbankchef Ben S. Bernanke angeblich aus der Finanzkrise gezogen hat, anzuwenden: Zu hohe Liquidität aus dem Markt abschöpfen, bevor diese die Wirtschaft destabilisiert.
„Die Behörden müssen rasch gegen Blasen bei Vermögenswerten vorgehen und diese nicht ausufern lassen“, sagt Tai Hui von Standard Chartered. „Die Zentralbanken sind bereit, etwas Wind aus den Segeln zu nehmen, sei es über die Zinsen oder administrative Maßnahmen.“ In Hongkong, wo die Hypothekenzinsen den niedrigsten Stand seit 19 Jahren erreicht haben, sind die Eigenheimpreise in diesem Jahr um 26 Prozent gestiegen. Das hat die Behörden bewogen, die Rückzahlungsanforderungen für Luxushäuser zu verschärfen. In Singapur sind die Verkäufe von neu gebauten Wohnungen in den ersten sieben Monaten um 10.000 gestiegen, was bereits über der Zunahme von 4.300 aus dem gesamten vergangenen Jahr liegt. In Südkorea expandierten die Bankenkredite an private Haushalte im August den siebten Monat in Folge, während die Häuspreise stiegen.
Eine Rally haben auch einige Börsen hingelegt. Der chinesische Shanghai Composite Index seit Jahresbeginn um 66 Prozent geklettert. Die Leitindizes in Hongkong, Südkorea, Singapur und Taiwan haben alle mehr als 45 Prozent zugelegt. Der Preisanstieg bei den Vermögenswerten heizt auch die Debatte an, ob die Notenbanken darauf mit Zinserhöhungen oder schärferen Vorschriften für Finanzinstitute zur Eindämmung des Kreditwachstum reagieren sollen. Analysten sind der Meinung, dass eine Kombination aus beiden Ansätzen wahrscheinlich sei. „Das Problem für die Zentralbanken ist, ob sie die Zinsen erhöhen wollen, weil die Preise bei den Vermögenswerten eine Krise heraufbeschwören könnten, wie sie auch die Industrieländer heimgesucht hat“, sagt Robert Subbaraman, Chefökonom bei Nomura International.
Zunehmende Sorgen über Vermögenspreisblasen
Die Fed hatte früher argumentiert, dass Ausschläge bei Vermögenswerten die Notenbank nichts angehe. Sie gab diese Haltung jedoch zumindest verbal auf, nachdem der Zusammenbruch des amerikanischen Hypothekenmarktes zu 1,6 Billionen Dollar an Kreditverlusten und Abschreibungen führte. „Es ist ganz offensichtlich geworden, dass es schwerwiegende Konsequenzen haben kann, wenn nichts unternommen wird, um zu verhindern, dass gewisse Blasen groß werden“, erklärte Janet Yellen, Präsidentin der Fed San Francisco.
Die Währungshüter in Asien setzen auf beides. In Hongkong begrenzten die Behörden den Kreditanteil für die Finanzierung von Häusern, die mehr als 20 Mill. Hongkong-Dollar kosten, auf 60 Prozent, zuvor lag er bei 70 Prozent. Südkorea plant bei Finanzierungsgesellschaften außerhalb des Bankensektors die Vorschriften für Kredite an private Haushalte zu verschärfen. China hat die fünf größten Banken des Landes angewiesen, die Rückstellungen für notleidende Kredite zu erhöhen und ihre Eigenkapitalquote beizubehalten.
Neben derartigen administrativen Maßnahmen müssen die asiatischen Zentralbanken die Geldpolitik mit Argusaugen beobachten, um Blasen bei Vermögenswerten zu verhindern, erklärte die Asiatische Entwicklungsbank. Der südkoreanische Notenbankgouverneur Lee Seong Tae sagte, künftige Zinserhöhungen dürften üppiger als die üblichen Trippelschritte von 25 Basispunkten ausfallen. Auch Indien hat erste Schritte zur Rücknahme der Stützungsmaßnahmen gemacht. So müssen Banken jetzt mehr Barmittel in Staatsanleihen investieren. Die vorgeschriebene Liquiditätsquote wurde von 24 auf 25 Prozent erhöht. „Es ist empfehlenswert den Ausstieg stufenweise anzutreten“, erklärte Notenbankgouverneuer Duvvuri Subbarao am Dienstag.
Auf dem Spiel steht zwar die Konjunkturerholung in der Region, die die Weltwirtschaft aus der Rezession führen könnte, wie viele hoffen. Allerdings wäre es unvernünftig, die Wirtschaft mit denselben Methoden des Kredit getriebenen Wachstums der vergangenen Jahre neu beleben zu wollen, die letztlich zur Krise geführt hätten, erklären kritische Ökonomen. In diesem Rahmen müssten in Asien nicht nur die Zinsen, die im Vergleich mit dem Wachstum vielfach viel zu tief sind, angehoben werden, sondern auch die Währungen aufgewertet und administrierte Preise auf realistische Niveaus gebracht werden, heißt es weiter.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |