06.06.2010 · Der Schweizer Franken ist so stark wie nie. Viele tauschen jetzt ihre Euros in Franken. Hohe Zinsen gibt es nicht. Aber dafür die Hoffnung auf satte Währungsgewinne.
Von Jürgen Dunsch, ZürichKlischees entwerfen Außenstehende, aber kollektive Urängste bilden sich innerhalb von Gemeinschaften heraus. Eine Urangst der Deutschen ist die Furcht vor Inflation und Währungsreformen. Was haben sie nicht alles erlebt seit der Reichsgründung 1871: Goldmark, Rentenmark, Reichsmark, die D-Mark und den Euro. Jetzt kriselt er. Manch einer schielt da neidisch auf die Schweizer, die hatten damals wie heute den Franken und fühlen sich besser denn je mit ihm: Am Freitagnachmittag kletterte der Franken gegenüber dem Euro auf ein Allzeithoch von 1,39.
In einer Welt voller Unsicherheiten gelten der Franken und die stabile Schweiz vielen als "sicherer Hort" für Vermögenswerte. In der Euro-Krise bringen sogar die Deutschen wieder Geld und Gold in den Süden - aber diesmal nicht zur Steuerhinterziehung. Viele wechseln Euros in Franken und bunkern sie als Sicherheit in der Schweiz. Manche, so heißt es, deponieren über Banken sogar Gold in den Stollen des Gotthardmassivs. So gesehen, trifft die aktuelle Werbekampagne der Großbank UBS "Die Schweiz entdecken" ungewollt den Nerv vieler ängstlicher Deutscher.
Seit Jahresbeginn verzeichnet der Franken einen Währungsgewinn von fünf Prozent
Die Bedingungen sind nur bedingt positiv: Wer sein Geld in Schweizer Anleihen anlegt, bekommt Zinsen, die mit 1,5 Prozent für zehnjährige eidgenössische Bundesanleihen sichtbar unter denen deutscher Papiere liegen. Die Banken verlangen zudem hohe Gebühren. Und ihre angeblich überlegene Qualität entpuppt sich zumindest für Durchschnittsanleger oft nur als Marketing-Argument. Andererseits haben weder der tiefe Fall der UBS noch der Schlag gegen das Bankgeheimnis dem Ruf des Landes wirklich geschadet. Das Ausland verbindet die Schweiz wie früher mit Stabilität und Qualität, sagt eine jüngst veröffentlichte Studie der Hochschule St. Gallen.
Trotz Magerzinsen gibt es aber ein Argument für die Geldanlage in Schweizer Franken: die Aufwertungstendenz gegenüber dem schwachen Euro. Seit Jahresbeginn verzeichnet der Franken einen Währungsgewinn von fünf Prozent. Selbst Kurse von 1,42 gegenüber der Gemeinschaftswährung sind Geschichte: Nun hat der Franken ein Allzeithoch von 1,39 erreicht. Es wird wohl weitergehen: UBS und Credit Suisse nennen Werte von 1,35 und 1,37 Franken je Euro. Händler sagen: Der Franken werte deshalb so abrupt auf, weil die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Stützungskäufe der europäischen Gemeinschaftswährung eingestellt habe. Bislang hatte sie den Franken bei 1,40 gehalten.
Das Geld bringt in der Schweiz kaum Zinsen
Die aktuelle Stärke des Franken spiegelt vor allem die Schwäche des Euro. Gegenüber einigen anderen Währungen hat er nämlich abgewertet, etwa gegenüber dem amerikanischen Dollar seit Jahresbeginn um elf Prozent. Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man den Franken mit anderen Währungsfavoriten vergleicht: So legte der kanadische Dollar um 13 Prozent zu, der australische Dollar um fünf Prozent. Zugleich relativiert sich die Aufwertung, wenn man die Wechselkursentwicklung längerfristig und inflationsbereinigt betrachtet: Danach hat der Euro seit Beginn der Währungsunion 1999 nur zwei Prozent nachgegeben.
Dennoch ändert das nichts daran, dass die SNB den Wechselkurs mit Sorge betrachtet. Ihr sitzen die exportorientierten Schweizer Firmen im Nacken, denen eine Aufwertung das Leben erschwert. Eric Scheidegger vom Staatssekretariat für Wirtschaft in Bern findet eine Aufwertung grundsätzlich nicht schlecht, solange sie langsam erfolgt: Sie treibe die Unternehmen zu Innovationen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu wahren. Laut Scheidegger ist eine Aufwertung des Franken aber gefährlich, wenn sie rasch und stark erfolgt. Genau das geschieht aber, wenn Anleger auf der Flucht sind und einen sicheren Währungshafen suchen.
Diese Flucht wollte die Nationalbank bisher verhindern, indem sie "einer übermäßigen Aufwertung" des Franken gegenüber dem Euro "entschlossen" entgegenwirken wollte. Im April hat sie ihren Fremdwährungsbestand auf den Rekordwert von 154 Milliarden Franken hochgefahren - weit mehr als ein Drittel davon in Euro. Dennoch stieg der Franken, und ein Ende ist nicht abzusehen. Generell dürfte die Nationalbank nichts gegen eine allmähliche Aufwertung haben. Weil auch die Wirtschaft dieses Jahr um bis zu zwei Prozent zulegen wird. Die SNB wird wohl die Leitzinsen anheben, aber erst nach der Europäischen Zentralbank. Sonst würde der Franken kräftig zulegen.
Wenn Anleger jetzt ihr Geld in die Schweiz verlagern, trägt diese Flucht Züge einer Verzweiflungstat. Denn hier bringt das Geld Sicherheit, aber kaum Zinsen. Wer mehr sucht, muss schon zu Schweizer Aktien greifen. Die Favoriten der Experten sind zurzeit Credit Suisse, Nestlé und Swatch. Die Hoffnung auf steigende Zinsen bleibt. Mittelfristig kann es nur aufwärts gehen, das ist klar. Und das bei mäßiger Inflationsrate. Wer daher in den Franken investiert, wählt wohl eine Rundumversicherung. Aber das kann er auch mit Franken-Konto und Depot in Deutschland tun. Das Gold im Gotthard müssen nur die besonders Furchtsamen wählen.
Gewusst wie: Geld in der Schweiz anlegen
1. Das Schweizer Bankkonto. Wer ein Konto in der Schweiz eröffnen will, muss seinen Personalausweis mitnehmen. Er muss keinen Wohnsitz in der Schweiz haben. Bei der Kontoeröffnung erfasst die Bank Personalien und Postadresse. Parallel können Anleger ein Wertpapierdepot einrichten, um Aktien oder Anleihen zu kaufen. Das Versteuern der Erträge regeln sie selbst. Wer sichergehen will, dass er nicht als Steuerflüchtling gilt, sollte kein Bargeld einzahlen, sondern von einem deutschen Konto überweisen.
2. Das deutsche Konto mit Schweizer Franken. Man muss das Geld aber nicht gleich in die Schweiz tragen. Franken oder Aktien in Franken lassen sich auch kaufen, wenn man bei einer deutschen Bank ein Fremdwährungskonto hat. Allerdings sind die Gebühren solcher Konten meist höher, und wer vom Inland auf das Konto zugreift, kann Verluste erleiden. Denn er ist stets vom aktuellen Wechselkurs abhängig. (du.)
"Argentinischer Euro"?
Uwe Bussenius (uwebus)
- 06.06.2010, 20:47 Uhr
Weg mit diesem Euro!
norbert doerre (ndoerre)
- 06.06.2010, 22:51 Uhr
Anfänger
Anton Paschke (Anton_Paschke)
- 07.06.2010, 07:59 Uhr
Wie wär´s mal wieder mit Gehirn einschalten?
Pia Bücken (muscat)
- 07.06.2010, 15:31 Uhr
Schweizer Währungsreserven in Euro
Tobias F. Annacker (ElCondorPasa)
- 07.06.2010, 19:03 Uhr
Jürgen Dunsch Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
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