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Zertifikate und ETFs

Geld in Agraranlagen Das Gold liegt auf dem Acker

Geldanlagen in der Landwirtschaft sind gefragt. Der amerikanische Großinvestor Jim Rogers rät dazu, Ackerland kaufen. Und zwar in Australien. Korrespondent Christoph Hein war dort.

© F.A.Z. Vergrößern Exporte von Agrarrohstoffen und die Aufteilung des Agrarmarktes

Duncan Ball kniet sich, lässt die schwere, nasse Erde durch seine Finger gleiten. "Solch einen Boden finden Sie nur ganz selten in Australien. Er ist gut für vier Ernten im Jahr", sagt der Großbauer. Das Land hier oben rund um den Marktflecken Narrabri, 600 Kilometer nördlich der Metropole Sydney, ist platt wie eine Pfanne. Am Rand erheben sich ein paar Vulkanhügel, in die andere Richtung flaches Land, so weit das Auge reicht, und irgendwann dann die Wüste, der Outback.

Wer hier lebt, muss Einsamkeit ertragen können. Dennoch tritt Ball gewandt auf. Er ist beredt, charmant, er könnte auch Banker sein. Vielleicht färbt der Kontakt ab: Denn der 36-Jährige hat in den vergangenen Monaten mindestens so viel Zeit in Vorstandszimmern in Sydney, Hongkong oder Singapur verbracht wie auf dem heimischen Acker.

Gefragte Fachleute

Alle wollen, was Ball hat. Seinen Boden. Vor allem aber sein Wissen. Denn der Bauer aus dem Osten Australiens arbeitet an einem neuen Modell der Vermarktung von Ackerland und Farmen. Das fungiert unter dem Namen Laguna Bay Pastoral Company und liegt im Trend. Von Sydney bis Hamburg, von Singapurs Bankenviertel bis zur Wall Street feilen die Herren des Geldes an Anlagemodellen. Ihr Kern: Ackerland. Kühe. Oder Lämmer. Weil sie davon in der Regel keine Ahnung haben, brauchen sie Fachleute. So kommt es, dass Männer wie Duncan Ball oder Detlef Schön nun hoch im Kurs stehen.

"Theoretisch kann ich für meine Arbeit jeden Preis verlangen", sagt etwa Schön. Der Oldenburger hat ein bewegtes Leben hinter sich: Landwirtschaft in Göttingen und Weihenstephan studiert, einen eigenen Hof nach der Wende in Vorpommern hochgezogen, für Getreidehändler Cargill spekuliert und von Rotterdam aus für den niederländischen Agrohändler Nidera Weizen eingekauft. Dann trat 2007 das Hamburger Fondshaus Aquila Capital an ihn heran: "Die suchten händeringend jemanden, der für sie das Agroinvestment aufbaut." Schön stand bereit und legt nun gerade den vierten "Agrar-Invest" für Aquila auf - diesmal für Lammfleisch.

Lehman hat die Welt verändert

Der Anfang war holprig: "Wir liefen genau in die Lehman-Krise hinein. Das war die Zeit, als sich Investoren kaum noch unter dem Tisch hervortrauten." Dann aber wurde aus dem Fiasko eine Chance: Die wuchernde Weltfinanzkrise mit niedrigen Zinsen, einer Geldschwemme und der Suche nach Sicherheit ließ Anleger auf dem Boden der Tatsachen landen - im Wortsinn.

"Seit Lehman brauche ich überhaupt nicht mehr vom Schreibtisch aufzustehen, um Investoren vom Sinn eines Engagements in Ackerland zu überzeugen", sagt Schön. "Vor Lehman hätten mich die Banker doch hinausgeworfen, wäre ich ihnen mit einer einstelligen Prognose gekommen." 4 bis 6 Prozent Gewinn seien mit der Investition in Bauernland "glaubwürdig zu erreichen", sagt Schön. "Natürlich kann auch ich eine Excel-Tabelle auf 20 Prozent aufblasen, aber da geht es höchstens um die Savanne bei Timbuktu. Tiefhängende Früchte gibt es sonst allenfalls noch in Australien."

Investorisch unterrepräsentiert

Glaubt man den Aposteln der Agrarinvestition, liegt nichts näher, als Euro oder Dollar in Boden oder Vierbeiner zu pumpen. "Was ist der Unterschied zwischen Investitionen in Container und in Schafe?", fragt Schön. Und antwortet selbst: "Container kann ich nachbauen, wenn die Nachfrage steigt. Lämmer nicht. Die brauchen Mutterschafe, Weideland, Futter."

Wer über die Schafe hinausblickt, erkennt drei langfristige Trends: Nur 0,3 Prozent des weltweiten Ackerlandes liegt bislang in Händen von Investoren, nur 0,4 Prozent der weltweiten Marktkapitalisierung der Börsen widmet sich der Landwirtschaft. Und das, obwohl Ackerbau und Viehzucht immerhin 1,8 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt der Industrieländer beitragen.

China nimmt zu

Die beste Nachricht aus Sicht des Investorenlagers aber kommt noch: "Weil die Weltbevölkerung bis 2020 auf knapp acht Milliarden Menschen zunehmen wird, sinkt der Anteil der Äcker und Felder von fast 0,5 Hektar pro Kopf auf nur noch 0,2 Hektar", rechnet die Investmentbank Morgan Stanley vor. Der Abbau der Armut auf der einen, das Anwachsen der Mittelschicht auf der anderen Seite führt zur Nachfrage nach immer mehr proteinhaltiger Nahrung. Die Produktion von einem Kilo Rindfleisch aber erfordert mehr als zehn Kilogramm Getreide.

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Veröffentlicht: 09.01.2012, 15:01 Uhr


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