12.09.2006 · Nach einer atemberaubenden Hausse kommen immer mehr Zertifikate und Fonds auf den Markt, die an Rohstoffpreise gekoppelt sind. Diese sind aber seit Anfang September wieder deutlich gesunken.
Der Zugang zur Geldanlage in Rohstoffen, bis vor wenigen Jahren noch ein Tummelplatz ausschließlich für Spezialisten, hat sich für Privatanleger wesentlich vereinfacht. Das Angebot an Fonds, börsengehandelten Indexfonds (ETF) und vor allem an Zertifikaten hat sich in den vergangenen drei Jahren parallel zu dem Anstieg der Rohstoffpreise nahezu explosionsartig ausgeweitet.
Nachdem in den vergangenen Tagen jedoch eine starke Korrekturbewegung an den Rohstoffmärkten eingesetzt hat, werden vermehrt Stimmen laut, die diese zunehmende Produktvielfalt als ein Warnsignal interpretieren. „Dies spricht dafür, daß der Zyklus oben angeschlagen hat“, sagt Heinz-Werner Rapp, Chefstratege des unabhängigen Bad Homburger Vermögensverwalters Feri. Er verweist vor diesem Hintergrund auf die Blütezeit der Technologiefonds zu Beginn der Aktienbaisse nach der Jahrtausendwende sowie der Garantiefonds genau in der Phase der beginnenden Kurserholung an den Aktienmärkten 2003/04.
„Korrektur von überhöhten Niveaus“
Die Rohstoffpreise gaben gemessen am CRB-Index, der die durchschnittliche Wertentwicklung von Rohstoff-Terminkontrakten abbildet, seit Anfang September um 4,5 Prozent nach. Allerdings hatten sie in den vergangenen fünf Jahren auch eine atemberaubende Hausse erlebt. Vom Herbst 2001 bis zur Spitze im Mai dieses Jahres verdoppelte sich der CRB-Index. „Wir erleben jetzt eine Korrektur von überhöhten Niveaus“, sagt Rapp. Er schränkte allerdings ein, daß es sich dabei um eine taktische Momentaufnahme für die nächsten Monate handele. Auf lange Sicht stehe er diesem Marktsegment weiterhin positiv gegenüber.
Als Preistreiber erwiesen sich in der Vergangenheit vor allem Industriemetalle. Aber auch die Preise für Edelmetalle und Rohöl kannten in dieser Zeit nur eine Richtung - nach oben. Investoren, die auf steigende Preise setzten, konnten in dieser Zeit erfreuliche Gewinne einstreichen. Noch größere Wertzuwächse brachten Engagements in Aktien von Bergbau- beziehungsweise Energiekonzernen. Beispielsweise hat sich der Anteilswert des in der deutschen Anlegerschaft inzwischen weit verbreiteten Merrill Lynch World Mining Fund vom September 2001 bis zum Höhepunkt im Mai dieses Jahres versechsfacht.
„Rohstoffboom ist eine Steilvorlage für die Branche“
Solche Zuwächse wecken Begehrlichkeiten - bei den Anlegern wie auch bei den Anbietern von Anlageprodukten. Zwar gibt es keine verläßliche Statistik, die das Investitionsvolumen von Privatanlegern in Rohstoff-Anlageprodukten abbildet. Doch allein die schiere Anzahl läßt auf eine profitable Marktnische schließen. Die zwei führenden Anbieter von Rohstoff-Zertifikaten, Goldman Sachs und ABN Amro, haben inzwischen 959 beziehungsweise 879 entsprechende Produkte im Angebot. Bei ABN Amro gibt es allein gut 100 Anlageprodukte, welche die Preisentwicklung von Brent-Rohöl als Basis haben und mit denen sich die unterschiedlichsten Marktszenarien spielen lassen. „Der Rohstoffboom ist eine Steilvorlage für die Zertifikatebranche“, sagt Ulrich Stephan, der bei dem Heidelberger Finanzvertrieb MLP das Vermögensmanagement leitet. Sie könne einfach schneller auf die Nachfrage reagieren, während sich Fonds diesbezüglich eher schwertäten.
Bei den Fonds ist das Angebot tatsächlich übersichtlicher. Die Feri-Fondsdatenbank zählt derzeit 75 Fonds, die in Rohstoff- beziehungsweise Energieaktien investieren. Doch zur Jahrtausendwende waren es erst 20 - allein im laufenden Jahr kamen 13 neue Fonds dazu. Hinzu kommt, daß sich der eine oder andere Rohstoff-Fonds erst beim näheren Hinsehen als solcher zu erkennen gibt. Deutlich ausgeweitet hat sich zuletzt auch das Angebot an vergleichsweise kostengünstigen börsengehandelten Indexfonds. In London startete kürzlich der Anbieter ETF Securities eine Marktoffensive mit 29 neuen Fonds. In Deutschland bietet der Marktführer Indexchange seit längerem einen Fonds an, der den Verlauf des Stoxx-Index für Aktien aus der Grundstoffindustrie nachvollzieht. Die Fondsgesellschaft Axa Investment Managers fügte in diesen Tagen ihren drei schon in Frankfurt gehandelten Rohstoff-ETF einen Fonds hinzu, der auf dem Goldman-Sachs-Index für Agrarprodukte basiert.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |