07.02.2007 · Vor dem Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben führenden Industrienationen auf ihrem G-7-Gipfel Ende der Woche schwirren an den Devisenmärkten Spekulationen über mögliche Interventionen zugunsten des Yen.
Vor dem Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure der sieben führenden Industrienationen auf ihrem G-7-Gipfel Ende dieser Woche in Essen schwirrten am Mittwoch an den Devisenmärkten Spekulationen über mögliche Interventionen zugunsten des Yen. Währungshändler halten für möglich, dass sich die Notenbanken bei dem Treffen auf konzertierte Interventionen zur Stützung des Yen einigen könnten. Vor diesem Hintergrund hat sich der Yen, der Ende Januar gegenüber Euro und Dollar jeweils auf vieljährige Tiefstände gefallen war, zuletzt wieder etwas befestigt. Am Mittwoch mussten daraufhin für einen Euro 156,70 Yen gezahlt werden. Am 24. Januar hatte der Euro auf seinem Rekordhoch 158,62 Yen gekostet.
Wie berichtet, haben der niedrige Yen-Leitzins und die durch ihn verursachte Yen-Schwäche eine vielschichtige Kontroverse ausgelöst, die die Teilnehmer des G-7-Gipfelstreffens beschäftigen wird: Europäische Wirtschaftspolitiker kritisieren, dass die Yen-Schwäche europäische Unternehmen und Arbeitsplätze im internationalen Wettbewerb benachteilige.
Carry-Trades: Risiko für das Finanzsystem?
Die Zentralbanken sind besorgt, weil Hedge-Fonds die niedrigen Yen-Zinsen in großem Stil zur Finanzierung von Spekulationsgeschäften nutzen; damit geht das Risiko eines starken Rückschlags einher, der zu einem Risiko für die Stabilität des Finanzsystems werden könnte. Vor diesem Hintergrund stelle sich den Zentralbanken die knifflige Aufgabe, die Spekulation zwar einzudämmen, aber doch nicht so zu verunsichern, dass es zu einem massiven Rückzug der Spekulanten und in der Folge zu Finanzmarktturbulenzen komme, erläutern Fachleute.
Nach Einschätzung von Folker Hellmeyer, einem Währungsfachmann bei der Bremer Landesbank, ist angesichts der Labilität der japanischen Wirtschaft nicht zu erwarten, dass die Bank of Japan ihren Leitzins in nächster Zeit deutlich anheben wird. An dieser Ursache für die Yen-Schwäche dürfte sich somit auf absehbare Zeit nichts ändern. Die Notenbanken dürften deshalb versuchen, die Spekulation über "verbale Interventionen" - also zum Beispiel durch Warnung vor den Risiken der Spekulationsgeschäfte, möglicherweise auch durch Warnung vor möglichen Interventionen - einzudämmen.
Allerdings gilt momentan als eher unwahrscheinlich, dass sich die G-7-Teilnehmer überhaupt darauf verständigen können, die Yen-Schwäche in ihrem Schlusskommuniqué als unerwünscht zu brandmarken. Die meisten Fachleute gehen deshalb davon aus, dass es nur auf den Pressekonferenzen am Rande des Treffens zu Kritik an der Niedrigzinspolitik der Japaner und der Yen-Schwäche kommen wird.
Ohnehin hätten solche verbale Interventionen meist keine nachhaltige Wirkung, meint Hellmeyer. Die Notenbanken könnten deshalb untereinander vereinbaren, in den freien Devisenhandel einzugreifen. Aller Voraussicht nach werde dies aber ohne offizielle Ankündigung geschehen, vermutet Hellmeyer. Denn die Erfahrung lehre, dass verdeckte Interventionen oft größere Wirkung auf den Wechselkurs entfalteten als offene Eingriffe.
Möglicherweise werden die Zentralbank ihre Yen-Reserven aufstocken
Auch Mario Mattera, Währungsfachmann bei der Privatbank Metzler, hält es für möglich, dass es in nächster Zeit zu Interventionen zugunsten des Yen kommt, allerdings in abgeschwächter Form. Dritte Notenbanken könnten dazu übergehen, beim Aufbau oder bei der Pflege ihrer Währungsreserven verstärkt Yen anzukaufen, meint Mattera. Einige Notenbanken, darunter die in Neuseeland, der Schweiz und Russland, hätten dies bereits vor einiger Zeit angekündigt. Hintergrund ist, dass der Yen als Reservewährung an Bedeutung verloren hat. So entfielen im Jahr 2000 noch 6,5 Prozent der gesamten Währungsreserven auf den Yen, im vergangenen Jahr aber nur noch gut 3 Prozent.
Nach Einschätzung Matteras könnten weitere Notenbanken - teils offen, teils verdeckt - dazu übergehen, ihre Yen-Reserven wieder aufzustocken. Dies um so mehr, als der Yen derzeit eher Aufwertungspotential habe, sich Yen-Käufe also auszahlen dürften. Die so verstärkte Yen-Nachfrage könnte den Yen aufwerten lassen. Mattera erwartet, dass der Euro Ende dieses Jahres nur noch 145 Yen kosten wird. Wieder andere Stimmen halten für möglich, dass die Bank of Japan selbst Yen ankaufen könnte. Sie könne so zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, wird argumentiert: nämlich zum einen für eine Aufwertung des Yen sorgen und damit der Kontroverse über die Yen-Schwäche etwas Wind aus den Segeln nehmen. Zum anderen könnte sie die angekauften Yen mit Dollar aus ihren Währungsreserven bezahlen - und damit ihren aufgeblähten Devisenschatz etwas vermindern.
Ähnlich wie der Yen hat in den vergangenen Tagen auch der Schweizer Franken aufgewertet. Wegen der niedrigen Zinsen war auch der Franken zur Finanzierung spekulativer Geschäfte genutzt worden. Die Schweizerische Zentralbank hat angedeutet, dass es demnächst zu einer Anhebung des Leitzinses von derzeit 2 Prozent kommen könnte. Am Mittwoch wurde der Euro daraufhin im Tagestief nur noch mit rund 1,6086 Franken bewertet, nach dem Rekordhoch von 1,6262 Franken am 31. Januar.
Risiko für das Finanzsystem?
Sophia Orti (rum)
- 07.02.2007, 21:24 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |