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Federal Reserve : Der starke Dollar macht Amerika zu schaffen

Die Notenbank der Vereinigten Staaten, die Federal Reserve, in Washington. Bild: AFP

Der geringere Export dämpft die wirtschaftlichen Aussichten. Mit Spannung wird die nächste Zinsentscheidung der Federal Reserve erwartet.

          Mit dem steigenden Außenwert des Dollar droht die amerikanische Volkswirtschaft an Schwung zu verlieren. Der Dollar erreichte gegenüber dem Euro den höchsten Wert seit zwölf Jahren. Vor einem Jahr bekam man für 100 Dollar rund 72 Euro, jetzt erhält man knapp 95 Euro. Die allgemeine Erwartung ist nun, dass das symbolisch bedeutsame Tauschverhältnis von 1:1 nicht mehr fern liegt. Der Dollar gewinnt auch gegenüber anderen wichtigen Währungen wie dem Pfund, dem Yen, dem Franken oder dem kanadischen Dollar seit einem Jahr an Wert.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Die Entwicklung spiegelt die relative Stärke der amerikanischen Volkswirtschaft gegenüber anderen Wirtschaftsräumen auf der Welt und die unterschiedlichen Geldpolitiken der Zentralbanken. Während die amerikanischen Notenbank Fed unbeirrbar an ihrem Ziel festhält, die Geldpolitik zu normalisieren und sich noch dieses Jahr vom Leitzins nahe Null zu verabschieden, verbilligen die anderen Notenbanken – allen voran die Europäische Zentralbank – das Geld durch Aufkaufprogramme und dem Festhalten an niedrigen Leitzinsen.

          Umsatzeinbußen für exportstarke Unternehmen

          Die Entwicklung dämpft Amerikas Perspektiven, weil ein starker Dollar die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten verschlechtert. Der negative Effekt wird bereits in den Zahlen von börsennotierten Unternehmen mit starkem Exportumsatz erkennbar. Große Unternehmen wie Pfizer, United Technologies, Procter & Gamble, Microsoft und Google gehören zu der langen Liste börsennotierter amerikanischer Konzerne, die dem starken Dollar die Schuld für Umsatzeinbußen im letzten Quartal des Jahres 2014 geben. Rund zwei Fünftel der Umsätze der amerikanischen S&P-500-Unternehmen hängen von ausländischen Märkten ab.

          Das amerikanische Handelsdefizit nähert sich angesichts dieser Entwicklung einem neuen Hoch. Im Januar wuchs die Lücke zwischen Import und Export um 7,5 Prozent gegenüber dem Januar des Vorjahres. Das Januardefizit betrug knapp 42 Milliarden Dollar. Die steigende Kaufkraft der Amerikaner macht das Einkaufen ausländischer Güter und Dienstleistungen, vor allem Auslandsreisen attraktiv, was die Importe steigen lässt. Währenddessen geht der Verkauf amerikanischer Güter ins Ausland zurück, weil sie sich relativ verteuert haben und zugleich auf Märkte in stagnierenden Wirtschaftsregionen treffen. Das wird besonders deutlich, wenn man die Sonderentwicklungen auf dem Ölmarkt herausrechnet. Denn die Entwicklung der unkonventionellen Öl- und Gasförderung drückt die Importe, weil die Vereinigten Staaten zunehmend zum Selbstversorger werden. Ohne den Sondertrend wäre das Handelsdefizit also noch deutlich höher.

          Die nun gedämpften Exportperspektiven sind ein Rückschlag für Barack Obamas Wachstumsagenda, die zum Ziel hat, den Anteil des Exports an der Wertschöpfung zu erhöhen und eine ausgewogenere Wirtschaftsstruktur zu erreichen. In den Vereinigten Staaten steuert der Export 14,6 Prozent zum Bruttoinlandprodukt bei, vor 15 Jahren waren es knapp 9 Prozent. Zugleich liefert der Arbeitsmarkt, der sich mit einer Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent der Vollbeschäftigung nähert, neue Impulse für den Konsum. Einige Volkswirte haben vor diesem Hintergrund inzwischen begonnen, ihre Wachstumsprognosen für die Vereinigten Staaten leicht nach unten zu revidieren.

          Fed will mit Zinserhöhung die Geldpolitik normalisieren

          Die für viele Ökonomen überraschende Entwicklung des Dollar macht es für die amerikanische Notenbank schwerer, eine Zinserhöhung als positiven Beitrag zur Stärkung der amerikanischen Volkswirtschaft zu verkaufen. Gewöhnlich werden Leitzinsen erhöht, um überschäumende Entwicklungen in der Volkswirtschaft zu dämpfen. Diesmal aber will die Fed mit einer Zinserhöhung die Normalisierung der Geldpolitik einleiten, nachdem der Leitzins seit 2009 nahe null liegt. Bisher lesen die meisten Beobachter der Fed aus deren dürren Statements heraus, dass die Zinserhöhung für Juni vorgesehen ist, eine bedeutende Minderheit hält auch eine Erhöhung erst im Herbst für möglich.

          Fed-Chefin Janet Yellen: Mit höheren Zinsen soll die Geldpolitik normalisiert werden.
          Fed-Chefin Janet Yellen: Mit höheren Zinsen soll die Geldpolitik normalisiert werden. : Bild: AFP

          Weiteren Aufschluss wird die Fed-Sitzung in der kommende Woche bringen. Die Beobachter werden dabei vor allem auf den Begriff „geduldig“ achten. Damit hatte die Fed zuletzt ihre Haltung zur Zinserhöhung beschrieben. Sollte das Wort „geduldig“ im Statement fehlen, würde alle Welt erwarten, dass die Fed schon im Juni ernst macht mit einer Zinserhöhung. Zugleich würde der Dollar weiter an Wert gewinnen.

          Amerikanische Volkswirte sehen die Dollarentwicklung nicht nur negativ: Sie verbinden damit auch die langfristige Perspektive, dass die Volkswirtschaften der Handelspartner sich erholen und in Zukunft zu kraftvollen Einkäufern amerikanischer Produkte werden können. Das dürfte die Zustimmung des französischen Präsidenten François Hollande finden, der bei einem Besuch einer Autofabrik sagte, dass der Euro gegenüber dem Dollar auf ein angemessenes Niveau gefallen sei.

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