10.01.2012 · Analysten rechnen damit, dass die Preise dieses Jahr zunächst fallen werden. Doch die Bandbreite der Prognosen zur Preisentwicklung ist groß. Für Anleger war das Öljahr 2011 positiv, für die Autofahrer war es dagegen so teuer wie keines zuvor.
Von Kerstin PaponDer Ölpreis dürfte in diesem Jahr nur leicht steigen. Dies ergibt eine Umfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung unter mehreren Banken und Fondsgesellschaften. Demnach erwarten die Analysten im Durchschnitt, dass ein Barrel (rund 159 Liter) der amerikanischen Ölsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Jahresmitte etwas weniger als 100 Dollar kosten wird, die Preise also zunächst fallen werden.
Zum Jahresende sollten sich die Notierungen dann wieder über der runden Marke befinden. Am Dienstag kletterte der Preis für WTI auf rund 102 Dollar. Händler führten diesen Anstieg auf den Atomstreit mit Iran und die Unruhen in Nigeria zurück.
Gleichwohl liegen die Prognosen der Institute für dieses Jahr weit auseinander, was nicht zuletzt an den unterschiedlichen Konjunkturerwartungen liegen dürfte. So sagen die Analysten von M.M.Warburg nicht nur für den Ölpreis einen in unserer Umfrage besonders niedrigen Wert vorher. Sie gehören auch mit Blick auf die Aktien eher zu den Pessimisten. Goldman Sachs hingegen befindet sich am oberen Ende der Ölpreisskala.
Die Ölpreise müssten selbst im Umfeld eines relativ geringen Wirtschaftswachstums weiter steigen, um das Wachstum der Nachfrage zu dämpfen und diese mit dem nur begrenzten Angebot in Einklang zu bringen, sagen die Experten von Goldman Sachs. Zudem gehen die befragten Institute im Jahresverlauf von deutlichen Preisschwankungen aus. Die Strategen der BHF-Bank zum Beispiel rechnen für das Jahr 2012 mit einem Tiefstpreis von 85 Dollar und einem Jahreshoch von 110 Dollar.
Mit ihrer WTI-Prognose von 107 Dollar zum Jahresende liegen auch die Rohstoffexperten der Commerzbank über dem Durchschnitt der Umfrage. Sie gehen davon aus, dass der Ölpreis zum Jahresbeginn wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit und der Rückkehr Libyens an den Ölmarkt abermals unter Druck geraten wird. Geopolitische Risiken und Spekulationen auf eine Angebotskürzung der OPEC stünden jedoch einem stärkeren und länger andauerndem Preisrückgang entgegen.
Mit der Erholung der Konjunktur sollte der Ölpreis im Jahresverlauf moderat steigen, heißt es von der Commerzbank. Dabei könnten eine Eskalation der Iran-Krise und weitere Liquidität sogar für einen stärkeren Preisanstieg von Rohöl sorgen, eine weitere Verschärfung der Schuldenkrise im Euroraum und eine länger andauernde konjunkturelle Flaute wiederum könnten die erwartete Preiserholung zunichtemachen.
Für das Jahr 2012 erwarten die Banken im Durchschnitt etwas höhere Ölpreise als noch für das vergangene Jahr. Dies zeigt der Blick auf unsere letztjährige Umfrage. Viele Prognosen blieben damals im zweistelligen Dollar-Bereich. Nur wenige lagen darüber. Tatsächlich bewegte sich der Preis für ein Barrel WTI im Jahr 2011 in einer Bandbreite von 75 bis 115 Dollar und legte in der Jahresbilanz um 8 Prozent zu. Ein Rekordniveau erreichten die Notierungen im Juni 2008 vor dem Zusammenbruch der amerikanischen Bank Lehman mit rund 147 Dollar je Barrel. Der Anstieg des Ölpreises hat wie vieles zwei Seiten.
Hätten europäische Anleger zum Jahresanfang 2011 beispielsweise in Ölzertifikate investiert, so hätten sie auf Jahressicht - ungeachtet der Kosten solcher Anlagen - ein Plus von 12 Prozent erzielt. Dieser Aufschlag speist sich aus dem Anstieg des Ölpreises und den Währungsgewinnen des Dollar zum Euro. Wie fast alle Rohstoffe wird Öl in Dollar notiert. Damit war diese Rohstoffanlage im Jahr 2011 besser als viele andere. Ein Investment in den Dax hätte Anlegern ein Minus von 15 Prozent beschert.
Für Autofahrer hingegen haben der höhere Ölpreis und der stärkere Dollar das Tanken teurer gemacht. Die Preise für Diesel und Super waren in Deutschland im vergangenen Jahr so hoch wie nie. Nach Angaben des Automobilclubs ADAC ist der Liter Diesel um 16 Prozent teurer geworden. Bei Super waren es 8 Prozent.
Wenn sie etwas wüssten, wärn's keine Analysten
Herbert Sax (H.Sax)
- 11.01.2012, 12:55 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |