Nach den Wahlen in Griechenland herrscht zunächst einmal Erleichterung an den Finanzmärkten. Das Schlimmste ist ausgeblieben, der von manchen befürchtete Untergang des Euro fand erst einmal nicht statt. Der Dollarkurs des Euro stieg im europäischen Handel auf 1,2724 Dollar und damit auf den höchsten Stand im laufenden Monat.
Nicht positiv, nur nicht negativ
Indes waren die Aufschläge wenig spektakulär. Der Devisenkurs setzte zunächst lediglich den Trend fort, den er mit der zunehmenden Hoffnung auf eben ein solches Wahlergebnis schon zu Monatsbeginn eingeschlagen hatte. Das nimmt auch insofern nicht Wunder, als die Nachricht aus Griechenland nicht in dem Sinne positiv ist, als dass der Euroraum nun gerettet und stabilisiert ist.
Vielmehr ist die Nachricht lediglich nicht negativ und der Untergang erst einmal verschoben. Das kommt auch darin zum Ausdruck, dass der Dollarkurs des Euro in Asien ebenfalls zunächst einmal auf bis zu 1,2714 Dollar gestiegen war, um dann wieder bis auf 1,2674 zurückzufallen.
Und auch die Herrlichkeit in Europa hielt nicht lange. Viel mehr kam der Euro wieder unter Druck und notiert bei 1,2643 Dollar auf dem Niveau vor der Wahl.
Keine Änderung der Grundprobleme
Denn auch wenn sich in Griechenland zwar eine parlamentarische Mehrheit der Spar- und Reformwilligen abzeichnet, so dürfte zunächst die Regierungsbildung schwierig bleiben, vor allem aber der weitere Reform- und Stabilisierungskurs. .„Das Wahlergebnis ändert nichts an der Tatsache, dass die griechische Wirtschaft in einem tiefen Loch steckt - ohne klaren Ausweg. Das Programm vom März ist bereits vom Weg abgekommen. Und das wirft die Frage auf, ob überhaupt irgendein Programm erfolgreich sein kann, wenn sein Umsetzungsrisiko so hoch ist.“, sagt Tristan Cooper, Analyst für Staatsanleihen bei der Fondsgesellschaft Fidelity. Die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sieht daher auch keinen Wendepunkt in der Euro-Schuldenkrise.
Das zeigt sich nirgends deutlicher als in der Tatsache, dass die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen wieder stiegen. Die Rendite zehnjähriger spanischer Anleihen erreicht mit 7,15 Prozent ein neues 15-Jahres-Hoch. Der Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen wuchs damit auf 5,76 Prozentpunkte und stieg damit auf einen neuen Höchststand seit 1993. Bis dahin reichen die Daten zurück. Italiens Papiere rentieren mit 6,049 Prozent noch unter den diesjährigen Rekordhochs.
„Spanien gerät wieder in den Blickpunkt, der Markt fragt sich, wie sie ihre Probleme lösen wollen”, sagt Christian Reicherter, Analyst bei der DZ Bank. „Der Markt ist beunruhigt über die faulen Kredite bei den spanischen Banken, das belastet die Bonds.” Nach aktuellen Daten der spanischen Zentralbank ist der Anteil der notleidenden Kredite in den Büchern der spanischen Banken im April auf 8,72 Prozent gestiegen, nach 6,36 Prozent vor einem Jahr.
Auch die Tatsache, dass Spanien die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) empfohlenen zusätzlichen Sparmaßnahmen vorerst nicht umsetzen will, dürfte der Stimmung nicht förderlich sein.
Die Priorität seiner Regierung sei es, das Haushaltsdefizit zu senken. Der IWF hatte die spanische Regierung am Freitag aufgefordert, die Mehrwertsteuer und die Sondersteuern anzuheben und die Löhne der Staatsangestellten zu kürzen.
Noch größerer Rettungsschirm?
Die Tatsache, dass weiter an der Stabilisierung des Währungsraums gearbeitet werden muss und die Probleme nicht kleiner geworden sind, zeigt auch ein Bericht der Tageszeitung „Die Welt“, wonach der Euro-Rettungsschirm abermals aufgestockt werden könnte. Grund sei nicht Griechenland, sondern Spanien. Die bis zu 100 Milliarden Euro, die für die Rekapitalisierung der spanischen Banken zur Verfügung gestellt werden sollen, sollen angeblich aus dem provisorischen Rettungsfonds EFSF gezahlt werden. Das Nachfolgeinstrument, der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM), der ab 1. Juli bereitstehen soll, bliebe so unangetastet.
Ursprünglich war aber vorgesehen, dass alle EFSF-Hilfen auf den ESM angerechnet werden. Somit würde sich die Gesamtkapazität beider Instrumente auf bis 800 Milliarden Euro erhöhen. Die Bundesregierung lehnt das Ansinnen ab.
Man werde wie in den Wochen und Monaten zuvor wieder auf die Entwicklungen vor allem in Spanien und Italien schauen, sagt Helaba-Analyst Umlauf. Eine schnelle Lösung sei nicht in Sicht und der EU-Gipfel Ende Juni werde vermutlich nicht die Wende bringen. Domini Schnider, Volkswirt bei der Schweizer Bank UBS erwartet daher auch keine lang anhaltende Euro-Rally.
Die Devisenanalysten der Societe Generale sehen die Dauer des Euro-Aufwärtsmomentums gar als bis Mittwoch begrenzt an. An diesem Tage werden die Ergebnisse der anstehenden Offenmarktausschusssitzung der amerikanischen Notenbank veröffentlicht. Diese könnten die „Euro-Party“ ganz schnell beenden. Nachhaltige Kurse zwischen 1,27 und 1,30 Dollar dürften durch die Refinanzierungssorgen in Spanien und Italien verhindert werden.
Weiter durch die Wüste
Insgesamt wirken die Wahlergebnisse in Griechenland etwas stabilisierend, was beispielsweise in hohen Kursaufschlägen für griechische Staatsanleihen zum Ausdruck kommt. Sie wirken auch einer starken Abwertung des Euro entgegen. „Eine von der reformgegnerischen Partei Syriza geführte Koalition hätte einen ungeordneten Ausstieg Griechenlands aus dem Euro zur Folge haben können - mit samt eines destabilisierenden Ansturms auf die Banken, auch in anderen Euro-Ländern. Diese Belastungsprobe für die Finanzmärkte konnte nun zunächst vermieden werden.“, sagt Trevor Greetham, Leiter der Abteilung Vermögensallokation bei Fidelity.
Nach einer Umfrage der Finanznachrichtenagentur Bloomberg in der vergangenen Woche unter den großen Devisenhandelsunternehmen hätte ein Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsunion das Risiko weitere Austritt erhöht und so Druck auf den Kurs ausgeübt.
Indes gehört an den Märkten ein kleinere Eurozone, zu der unter anderem Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien gehören, zu den erwarteten Szenarien. Das wird sogar positiv für den Devisenkurs gesehen, weil diese als stärker gilt.
Insgesamt also bleibt der weitere Kurs des Euro unklar. Am sichersten ist, dass er von den Winden der Politik und der Finanzmarktgerüchte weiter kräftig durchgeschüttelt werden wird, und zwar solange bis an den Märkten wieder Vertrauen in die Eurozone herrscht. Das aber ist schwer herzustellen, weil die Auffassungen unterschiedlich sind. und von der Nicht-Überlebensfähigkeit bis zu einer stärker fiskalisch integrierten Zone reichen. Insofern ist die Wahl in Griechenland nur eine Oase auf einem noch langen Marsch des Euro jetzt durch die Sierra der spanische Probleme, in der dieser durchaus auch verdursten kann.
man suche mal bei der WIWO
vera schmidt (vera-s)
- 19.06.2012, 10:38 Uhr
die Welt
Wolfgang Ebel (einsteinalbert)
- 18.06.2012, 16:56 Uhr
Die MdB denken, jetzt hätten sie Ruhe bis September - großer Irrtum
Dieter Spethmann (dspeth)
- 18.06.2012, 15:56 Uhr
ehrlich gestanden
vera schmidt (vera-s)
- 18.06.2012, 15:54 Uhr
Wer hat denn gedacht, dass jetzt alles in Butter ist...
Siegfried Koch (Obacht2012)
- 18.06.2012, 15:42 Uhr