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Euro-Prophet Felix Zulauf : „Europa zahlt für den Euro mit viel Leid“

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Vermögensverwalter Felix Zulauf an seinem Urlaubsort Kampen auf Sylt. Bild: Mutter, Anna

Der Schweizer Felix Zulauf ist der Vermögensberater einer Handvoll Superreicher. Den Euro hält er für ein Unglück. Gold ist ein Trost.

          Herr Zulauf, noch vor der Einführung des Euro warnten Sie, die Währungsunion könnte als eine der kürzesten in die Geschichte eingehen. Sind Sie ein Hellseher?

          Schön wäre es. Aber um diese Prognose zu treffen, waren nun wirklich keine hellseherischen Fähigkeiten vonnöten. Es genügten vielmehr gute Kenntnisse in Wirtschaftsgeschichte.

          Wozu sollen die nützlich sein?

          Die Politiker haben sich bei Einführung des Euro einer großen Fantasterei hingegeben - dabei hätten sie besser die Geschichte von Währungsunionen studieren sollen. Wirtschaftliche und kulturelle Unterschiede haben in der Vergangenheit noch jede Währungsunion zu Fall gebracht: Sie alle hatten stets nur eine begrenzte Haltezeit. Selbst ein Verbund wie die skandinavische Münzunion, die im 19. Jahrhundert zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden geschlossen wurde, hat am Ende nicht standgehalten. Dabei waren sich diese Länder in ihrer Wirtschaftsstruktur und Kultur viel ähnlicher, als es heute die Staaten des Euroraumes sind.

          Steht der Euro vor dem Ende? Bilderstrecke
          Vermögensverwalter im Gespräch : Steht der Euro vor dem Ende?

          Die skandinavische Währungsunion hielt fast 50 Jahre. Da bliebe dem Euro noch viel Zeit.

          So viel Zeit hat der Euro keinesfalls. Ich erwarte, dass der Druck im Euroraum in den nächsten zwei Jahren deutlich zunimmt. Denn Europas Wirtschaft gleitet in eine heftige Rezession ab. Südeuropa konnte sich daraus in den vergangenen Jahren sowieso nie richtig befreien. Die Industrieproduktion Italiens liegt 25 Prozent unter dem Stand von 2007, im Falle von Spanien sind es sogar 30 Prozent - eine katastrophale Situation, zumal sich die Konkurrenzfähigkeit dieser Schuldnerländer kaum verbessert hat. Und derzeit zeigt auch die Konjunktur in starken Ländern wie Deutschland erste Schwächen. Dies ist eine gefährliche Mischung, die zu einer neuen Eskalation der Krise führen kann.

          Wird der Euro daran zerbrechen?

          Wenn es so käme, wäre das zwar kurzfristig sehr schmerzhaft, aber langfristig ein Segen für Europa. Den Euro künstlich zu erhalten ist nämlich auf Dauer das viel größere Unglück.

          Sie wollen damit sagen, dass ein Euro-Crash für Europa gar nicht so schlimm wäre?

          Das mag vielleicht intuitiv nicht sofort einleuchten, aber schauen Sie sich nur an, welche Folgen die Gemeinschaftswährung für den Kontinent hatte. Für mich ist die Einführung des Euro die dümmste Entscheidung, die Europa seit den Versailler Verträgen von 1919 getroffen hat. Sicher, die Absicht war nachvollziehbar: Europa wollte sich als regionaler Wirtschaftsraum stärker international positionieren. Erreicht hat man das Gegenteil: Jetzt ist der Kontinent wirtschaftlich geschwächt und wird es bleiben - ein Schuldnerland nach dem anderen gleitet in die Depression ab. Europa ist heute zerstritten und gespalten.

          Das sind harte Worte. Die Politik beteuert stets das Gegenteil. Scheitert der Euro, scheitert Europa, hat Angela Merkel gesagt.

          Mit Verlaub: Dies ist wirklich Unfug. Die Politik weigert sich bis heute, die Folgen der Währungsunion konsequent zu Ende zu denken. Sie trägt den Euro als Dogma vor sich her wie der Vatikan den Zölibat. Natürlich fürchten die Politiker die Kosten eines Zusammenbruchs, die auf kurze Sicht hoch wären. Aber langfristig am Euro festzuhalten wird am Ende teurer sein - ganz Europa wird dies mit viel Leid bezahlen.

          Was macht Sie da so sicher?

          In der Währungsunion prallen zwei völlig entgegengesetzte Wirtschaftsphilosophien aufeinander. Da ist zum einen der Ansatz, für den Deutschland beispielhaft steht: Die Deutschen wollen eine starke Währung. Denn dann lohnt es sich zu sparen. Dies führt zu höheren Investitionen, zu mehr Arbeitsplätzen und steigenden Einkommen. Durch die höheren Löhne lässt sich mehr konsumieren, aber auch noch mehr sparen. Länder, die so wirtschaften, erhöhen also den Wohlstand ihrer Bürger. Ist eine Währung aber strukturell schwach, lohnt sich das Sparen nicht, entsprechend sind die Investitionen niedrig und die Wettbewerbsfähigkeit tief. Arbeitsplätze werden vernichtet, die Reallöhne sinken. Dies ist der Weg, auf den die südeuropäischen Länder den Euroraum schicken, wenn sie jetzt nach neuen Rettungsmaßnahmen durch die Europäische Zentralbank (EZB) rufen. Denn diese schwächen den Euro und senken den Wohlstand der Bürger. Hier steht die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder auf dem Spiel.

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