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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Euro Hilfreiche Katastrophenszenarien

 ·  Die Gerüchte um den Euro überschlagen sich. Manche sehen ein Abrücken der Schwellenländer. Doch die Realität ist wie so oft unspektakulär.

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Krisen sind immer ein Herd für Gerüchte. Angesichts der Krise, in der sich der Euroraum derzeit befindet, wäre es verwunderlich, wenn es an den Devisenmärkten ruhig bliebe. Sieht man einmal von den großen Katastrophenszenarien ab, so werden derzeit vor allem zwei kleinere gehandelt.

Am Wochenende gab es Berichte, wonach das unter seiner Bankenkrise leidende Spanien unter den Euro-Rettungsschirm gedrängt werden solle. Der „Spiegel“ hatte ohne Nennung von Quellen berichtet, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble habe den spanischen Wirtschaftsminister Luis de Guindos bei dessen Besuch am Mittwoch in Berlin unter Druck gesetzt. Spanien müsse sich Geld vom Rettungsschirm besorgen, um damit das Kapital seiner Banken aufzupolstern.

Zwei Katastrophenszenarien

Die Bundesregierung hat indes diesen Bericht zurückgewiesen. Die Entscheidung liege alleine bei der spanischen Regierung. Albert Gallo, Leiter der Abteilung für europäische Makro- Strategie bei der britischen Großbank Royal Bank of Scotland geht indes nicht davon aus, dass Spanien je unter den Rettungsschirm schlüpfen werde. Seinen Berechnungen zufolge würde ein Paket im Volumen von 370 bis 455 Milliarden Euro gebraucht, um Spanien durch die Zeit bis Ende 2014 zu bringen. „Dies ist unrealistisch”, schreibt er in seiner Notiz an Kunden. Denkbar sei, dass das Land um eine vorbeugende Kreditlinie beim Euro-Stabilitätsmechanismus (ESM) anfragen werde.

Zweites Szenario ist der Austritt Griechenlands aus dem Euroraum, das beispielsweise der neue französische Finanzminister Moscovici zuletzt nicht mehr ausschließen wollte, auch wenn ein Verbleib wünschenswert sei, eine Analyse wie sie in ähnlicher Weise von der Bundesregierung vertreten wird: Martin Kotthaus, Sprecher des Finanzministeriums sagte der Nachrichtenagentur Reuters: „Alle Bestrebungen gehen dahin, dass Griechenland Teil der Euro-Zone bleibt.“

Flucht der Schwellenländer aus dem Euro?

Die Gerüchte und Bedrohungsszenarien setzen dem Eurokurs derweil zu, der sich am Montag mühsam über der Marke von 1,24 Dollar hält. Seit Anfang Mai hat die Gemeinschaftswährung acht Cent an Wert gegenüber dem Dollar eingebüßt. Dafür sollen laut einem Bericht der „Financial Times“ auch die Zentralbanken der Schwellenländer verantwortlich sein, die angeblich im Mai ungewöhnlich viele Euro verkauft haben sollen.

Belege dafür gibt es nicht, da Statistiken dazu nur vom Internationalen Währungsfonds vier Monate nach Quartalsende veröffentlicht werden. Um zu wissen, wie sich also die Währungsreserven der Schwellenländer im zweiten Quartal tatsächlich entwickelt haben, wird man wohl bis November warten müssen.

Normales Vermögensmanagement

Gleichwohl halten Experten derartige Verkäufe für plausibel, wenngleich für unspektakulär. Nicht zuletzt muss man auch berücksichtigen, dass der Abbau von Euro-Devisenreserven durch die Zentralbanken der Schwellenländer fast jeden Euro-Kursrückgang der Vergangenheit begleitet hat. Das Gegenteil wäre auch verwunderlich, ist doch der Euro zweitwichtigste Reservewährung nach dem Dollar. Solange die Zentralbanken daher für die Gemeinschaftswährung positiv gestimmt sind, kann sich deren Kurs stabil halten.

Aber dies ist angesichts des derzeitigen Umfelds und der Kursentwicklung nicht der Fall. Außerhalb des Euroraums, verstünden nur wenige Marktteilnehmer in der Tiefe, was sich dort abspiele, heißt es von Expertenseite. Das treffe auf amerikanische Hedgefonds ebenso zu wie auf die Manager von Zentralbankportfolios in Brasilien oder Indien. Diese reagieren auf Marktentwicklungen wie alle Marktteilnehmer, indem sie Positionen abbauten, deren Risiko steige. Das drückt naturgemäß weiter auf den Kurs.

Gibt China die Hoffnung auf?

Indes scheinen die Befürchtungen etwas größer geworden sein, als sie es zu vor waren. So soll laut Meldungen von Nachrichtenagenturen unter Berufung auf ungenannte Kreise die chinesische Regierung jedes Ministerium aufgefordert habe, Maßnahmen für den Fall eines Abschieds von Griechenland von der Währungsunion zu analysieren und so schnell wie möglich Vorschläge zu präsentieren. Angeblich sollen Schritte vorbereitet werden, um den Yuan stabil zu halten. Denkbar sei auch eine stärkere Kontrolle des grenzübergreifenden Kapitalverkehrs.

Allerdings hat China offiziell seine Unterstützung für den Euroraum bekräftigt. Auch künftig werde in Staatsanleihen und andere Vermögensanlagen der Währungsunion investiert, kündigte Zentralbank-Chef Zhou Xiaochuan in der Zeitung „Chinese Business News“ (Montagausgabe) an. „Voraussetzung ist sicherlich, dass wir in diesen Ländern Reformen sehen, und dass sich diese Investitionen auszahlen“, sagte Zhou.

Katastrophenszenarien als Wahlkampfhilfe

Dieser haut damit in dieselbe Kerbe wie letztlich die europäische Politik. Alles Gerede über einen möglichen Austritt Griechenlands aus dem Euro diene lediglich dazu, die Wahlergebnisse im gewünschten Sinne zu beeinflussen, sei doch der Verbleib im gemeinsamen Währungsraum in der Bevölkerung dort sehr populär. In diesem Sinne könnten die Meldungen aus China auch als Verstärkung des Drucks auf Griechenland zu verstehen sein, dass das Land aus China keine Unterstützung zu erwarten hat, wenn es aus dem Euro ausscheidet. Das ist insofern bemerkenswert, als dass China bisher einigen kleinen Ländern unter die Arme gegriffen hat oder ihnen Unterstützung signalisierte, wenn diese einen Sonderweg anstrebten.

Für die Kursentwicklung des Euro gilt, dass derzeit mit weiterem Kursdruck zu rechnen ist. Das zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sowohl die Nettokaufpositionen im Dollar als auch die Nettoverkaufpositionen im Euro in den vergangenen vier Wochen deutlich gestiegen sind. Indes warnen die Analysten der Credit Agricole, dass diese Positionierung eher dem schlechten Euro- als dem starken Dollar-Sentiment zu verdanken ist.

Solange angesichts der zuletzt schwachen amerikanischen Konjunkturdaten eine weitere Lockerung der Geldpolitik im Raum steht, werde sich der spekulative Appetit auf den Dollar eher nicht weiter verstärken. Andererseits werde eine Eindeckungsrally im Euro solange nicht stattfinden, solange sich die Nachrichtenlage nicht verbessere. Damit ist aber vor den Wahlen in Griechenland am 17. Juni nicht zu rechnen.

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Jahrgang 1964, Redakteur in der Wirtschaft.

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