16.10.2009 · Nach den kräftigen Kursgewinnen der letzten Wochen und Monate haben sich die Finanzmärkte am Freitag mit Kursverlusten präsentiert. Der Wechselkurseffekt dämpfte dabei die Kursgewinne in den europäischen Depots.
Von Bettina Schulz, LondonNach den kräftigen Kursgewinnen der letzten Wochen und Monate haben sich die Finanzmärkte am Freitag mit Kursverlusten präsentiert. Kurz nach der Handelseröffnung erreichte der Dax noch ein Jahreshoch von 5886 Punkten, später verlor der Index 0,8 Prozent auf 5780 Punkte. Dennoch frohlocken die Investoren mit Blick auf die kräftigen Renditen, die ihnen die Aktien-, Edelmetall- und Rohstoffmärkte seit Anfang März beschert haben.
In dieser Woche hatte der amerikanische Aktienindex Dow Jones Industrial Index erstmals seit mehr als einem Jahr die Marke von 10 000 Punkten überrundet. Der Ölpreis erreichte mit 78 Dollar je Barrel (rund 159 Liter) das höchste Niveau seit Sommer vergangenen Jahres, und der Goldpreis kletterte gar auf einen Rekord von 1071 Dollar je Feinunze. All dies sind aber „nur“ Dollar-Notierungen: Für deutsche Anleger, deren Heimat- und Depotwährung der Euro ist, errechnet sich wegen der Abwertung des Dollar ein schmalerer Gewinn.
Die Panik in der Finanzmarktkrise hatte zunächst eine Abwertung des Dollar ausgelöst, solange die Märkte glaubten, die Finanzkrise sei auf die Vereinigten Staaten begrenzt. Dies ließ den Dollar gegenüber dem Euro auf 1,60 Dollar abwerten. Als sich die Finanzkrise ausweitete, flossen globale Kapitalströme jedoch als sicherer Anlagehafen wieder in den Dollar. Von Anfang 2008 bis zum 6. März 2009, dem Höhepunkt der Finanzmarktpanik, wertete der handelsgewichtete Index des Dollar nach Angaben von Goldman Sachs um 16,5 Prozent auf. Der Wechselkurs des Dollar schnellte zum Euro auf fast 1,25 Dollar empor.
Umrechnung in Euro kostet satte Teile der Erträge
Im März drehte sich das Blatt. Das Vertrauen der Anleger kehrte zurück, und mit ihm floss Anlagekapital wieder an die Weltfinanzmärkte zurück. Die damit einsetzende Abwertung des Dollar machte in den vergangenen sechs Monaten, bemessen an dem handelsgewichteten Index, 8,38 Prozent aus, während der Euro in dieser Zeit um 3,64 Prozent aufwertete. Der Wechselkurs des Dollar gab gegenüber dem Euro wieder auf 1,49 Dollar nach, eine Abwertung gegenüber dem Euro von 16,6 Prozent.
Dies hat Konsequenzen für Euro-Anleger: So sind die amerikanischen Aktienindizes Dow Jones und S&P 500 seit Anfang März um 42 und 49 Prozent gestiegen, sie spielen einem Euro-Anleger nach der Umrechnung in Euro aber nur 21 und 26 Prozent Gewinn ein. Ähnliches gilt für den chinesischen Hang-Seng-Index, der in dieser Zeit eine rasante Erholung von 71 Prozent verzeichnete, was für deutsche Anleger lediglich ein Plus von 45,5 Prozent bedeutet. Wer auf den Rohölpreis WTI spekulierte, sah die Dollar-Notierung an den Weltmärkten um 72 Prozent steigen und verbuchte nach der Umrechnung in Euro aber „nur“ ein Plus von 47 Prozent.
Der Goldpreis ist derweil faktisch an die Entwicklung des Dollar-Wechselkurses gekoppelt. Je mehr der Dollar abwertet, desto stärker schiebt sich der Goldpreis in die Höhe. Für Euro-Anleger steht dagegen seit Anfang März ein Minus zu Buche. Besser war da schon eine Investition in Silber. Das Edelmetall hat seit März um 31 Prozent zugelegt, in Euro gerechnet ein Gewinn von 11 Prozent.
Trotz des Wechselkurseffektes sind all dies freilich Traumrenditen, die Anleger in normalen Jahren in dieser kurzen Zeit nicht einspielen können. Goldman Sachs erwartet, dass der Dollar gegenüber dem Euro noch bis auf 1,55 Dollar je Euro abwerten wird. Diese Unterbewertung werde sich erst in einem Jahr auf einen Wechselkurs von 1,35 Dollar je Euro abbauen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |