Home
http://www.faz.net/-gv6-75rk3
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Euro Auf Höhenflug

Der Euro hat zeitweise den höchsten Stand seit elf Monaten erreicht. Sein Aufwärtstrend sorgt für eine Abkehr von Fluchtwährungen wie dem Schweizer Franken. Devisenhändler bauen aber nicht auf eine Fortsetzung.

© AP Das Eurozeichen vor der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

An den Devisenmärkten hat sich der japanische Yen zuletzt etwas von seinen jüngsten Verlusten erholt. Zuvor hatte der japanische Wirtschaftsminister Akira Amari vor den Gefahren einer zu schwachen Heimatwährung für die konjunkturelle Entwicklung gewarnt. Ein schwacher Yen verbilligt zwar die Exporte japanischer Unternehmen, verteuert aber im Gegenzug auch den Import des für die Industrieproduktion nötigen Rohöls. Japanische Unternehmen müssten widerstandsfähig genug sein, die Wechselkursnachteile zu überwinden, sagte Amari.

Norbert Kuls Folgen:

Trotz der leichten Erholung liegt der Yen im Vergleich zum amerikanischen Dollar und dem Euro aber immer noch weit zurück. Seit einem Monat hat der Dollar gegenüber dem Yen um 6,5 Prozent an Wert gewonnen.

Der Euro ist sogar um mehr als 8 Prozent gestiegen. Die Schwäche des Yen ist eine Folge der extrem lockeren Geldpolitik der Bank von Japan. Die Zentralbank hatte sich unter dem Druck des neuen Ministerpräsidenten Shinzo Abe kürzlich zu einer weiteren Lockerung entschieden und das Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen aufgestockt.

Verbindliches Inflationsziel von 2 Prozent

Abe verlangt ein verbindliches Inflationsziel von 2 Prozent. Bis dieses Ziel erreicht ist und Japan seine leichte Deflation überwunden hat, soll die Zentralbank eine aggressiv lockere Geldpolitik betreiben. Die Bank von Japan will Anfang der kommenden Woche über mittel- bis langfristige Inflationsziele beraten.

Abe fordert auch einen gemeinsamen Fonds von Zentralbank, Finanzministerium und privaten Banken, der ausländische Staatsanleihen kauft, um den Yen gegenüber Dollar und Euro zu schwächen. „Die japanische Zentralbank wird wahrscheinlich tun, was von ihr erwartet wird“, sagte ein Optionshändler einer großen japanischen Bank dem „Wall Street Journal“. Eine weitere Schwächung des Yen und steigende Kursschwankungen könnten nach der Entscheidung der Bank von Japan nicht ausgeschlossen werden.

Der Euro stieg in den vergangenen Handelstagen überwiegend gegen den Dollar und notierte am Montag mit 1,34 Dollar zeitweise auf dem höchsten Stand seit elf Monaten. Die Nachfrage nach der Gemeinschaftswährung stieg, weil die Aussicht auf eine Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) schwindet. Die Renditen spanischer und italienischer Staatsanleihen sind zuletzt gefallen, was an den Devisenmärkten die latenten Sorgen wegen der Schuldenkrise dämpfte.

Abkehr von klassischen Fluchtwährungen

Dieser Trend führte auch zu einer Abkehr von klassischen Fluchtwährungen wie dem Schweizer Franken. Anfang des Jahres hatte sich der Franken nur knapp über der von der Schweizer Nationalbank mit Interventionen verteidigten Untergrenze von 1,20 Franken je Euro bewegt. In den vergangenen Tagen ist die Schweizer Währung aber stark unter Druck geraten.

Zuletzt wurden mehr als 1,23 Franken für einen Euro gezahlt - das höchste Niveau seit mehr als einem Jahr. An den Anleihemärkten spekulieren Händler, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Gelegenheit nutzen könnte, ihre Bestände an deutschen Bundesanleihen zu reduzieren. Die SNB ist der bedeutendste Einzelinvestor in Bundesanleihen. Allerdings hält sich die Notenbank bedeckt.

Devisenhändler halten einen weiteren Höhenflug des Euro aber nicht für eine ausgemachte Sache. Denn im November war die Industrieproduktion im Euroraum zum dritten Mal in Folge gesunken. Einige Marktteilnehmer rechnen daher mit Rückschlägen für die Gemeinschaftswährung.

Mehr zum Thema

„Die Eurozone ist noch nicht aus dem Schlimmsten heraus“, sagte Joe Manimbo, der die Devisenmärkte in Washington für den amerikanischen Geldversender Western Union analysiert. „Schwache Konjunkturdaten aus dem Wirtschaftsblock könnten Investoren eine Ausrede bieten, Gewinne nach dem zuletzt bemerkenswerten Anstieg des Euro mitzunehmen“, sagt Manimbo.

Andere Devisenfachleute sind wegen der nachlassenden Sorgen um die europäischen Peripheriestaaten optimistisch. „Wir sehen ein positives Umfeld für den Euro und erwarten, dass der Kurs in den kommenden Monaten auf 1,35 Dollar steigt“, sagte Marcus Hettinger, der bei der Schweizer Großbank Credit Suisse in Zürich die Anlagestrategie für die globalen Devisenmärkte verantwortet.

Quelle: F.A.Z.

 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Weitere Nachrichten ProSiebenSat.1 will angeblich bei Scout24 einsteigen

Zalando wächst auf Kosten des Gewinns, Qualcomm will angeblich Tausende Jobs streichen, der Umsatzschwund bei IBM setzt sich fort und die Tokioter Börse legt zu. Mehr

21.07.2015, 06:41 Uhr | Wirtschaft
Nach SNB-Entscheidung Rekord-Absturz an der Schweizer Börse

Die überraschende Aufhebung des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank SNB hat die Schweizer Börse am Donnerstag massiv einbrechen lassen. Auch internationale Analysten wurden von der Entscheidung überrascht. Mehr

30.04.2015, 10:47 Uhr | Finanzen
Japan Unterhaus will Auslandseinsätze erlauben

Das japanische Unterhaus hat mit den Stimmen der Regierungskoalition mehrere umstrittene Sicherheitsgesetze verabschiedet. Kritiker sehen eine Verletzung der Verfassung. Mehr

16.07.2015, 11:56 Uhr | Politik
Nach Euro-Abwertung Osnabrück verzockt sich mit Krediten in Schweizer Franken

Gute Zinsen, stabiler Wechselkurs: Kredite in Schweizer Franken waren für viele Kommunen attraktiv. Auch für die niedersächsische Stadt Osnabrück. Aber durch die Euro-Abwertung tun sich Millionendefizite auf. Die Angst im Rathaus wächst. Mehr

18.02.2015, 09:42 Uhr | Wirtschaft
Devisenmärkte Im Auge des Sturms

Am Devisenmarkt schwanken die Kurse kräftig und der Euro befindet sich mittendrin. Öfter als Verlierer und manchmal als Gewinner. Das Pfund gehört dabei jedoch zu den stärksten Währungen. Mehr Von Gerald Braunberger

24.07.2015, 09:31 Uhr | Finanzen

Veröffentlicht: 15.01.2013, 22:49 Uhr


Wichtige Wechselkurse
Name Kurs Änderung
  Dollar --  --
  Franken --  --
  Yen --  --
  Pfund --  --
  Dollar in Yen --  --
  Dollar in Pfund --  --
Wertpapiersuche
EUR USD JPY
EUR 1 -- -- --
USD -- 1 -- --
JPY -- -- 1 --
-- -- -- --
=

Wichtige Rohstoffe
Name Kurs Änderung
  Gold --  --
  Silber --  --
  Rohöl Brent --  --
  Rohöl WTI --  --