Home
http://www.faz.net/-gvz-12egt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Euro-Anlagen China schwimmt in Devisenreserven

14.05.2010 ·  Durch die Euro-Schwäche beginnt ein Umdenken in China: Auch die reichen Asiaten bleiben von der Krise nicht verschont und erwägen Umschichtungen von Euro-Anlagen. Marktbeobachter bezweifeln jedoch, dass China nun wieder in den Dollar flüchtet.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (3)

Während Europa immer mehr Kapital aufwendet oder verspricht, um die angeschlagenen EU-Länder und die Gemeinschaftswährung zu retten, badet China im Geld. Zwar werden die Zuflüsse geringer, weil der Handelsüberschuss als Haupttreiber des Reichtums sinkt. Dennoch haben die Devisenreserven im ersten Quartal einen Rekord von 2447 Milliarden Dollar erreicht. Das waren 22 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum. Doch auch die reichen Asiaten bleiben von den Verwerfungen in Europa nicht ungeschoren, da sie einen Teil ihrer Rücklagen in Euro angelegt haben.

Zieht man von den Gesamtanlagen im Ausland die Verbindlichkeiten gegenüber Ausländern ab, ergibt sich als Überschuss eine Netto-Auslandsposition von 1822 Milliarden Euro - 22 Prozent mehr als im Vorjahr (siehe Tabelle). So viel wie China hat kein anderes Land der Welt im Ausland auf der hohen Kante. Durch die aktuelle Abwertung des Euro verlieren sie zwar an Wert. Marktbeobachter bezweifeln aber, dass China nun wieder in den Dollar flüchtet.

Weil China seine Statistiken nicht offenlegt, ist die Höhe dieser Investitionen unbekannt. Der größte Teil der Reserven, vermutlich 60 bis 70 Prozent, dürfte in Dollar-Papieren liegen. So weiß man von amerikanischer Seite, dass China der zweitgrößte Gläubiger für amerikanische Staatsanleihen hinter Japan ist. Bis zu einem Viertel der Devisen - 500 bis 625 Milliarden Dollar - lauten vermutlich auf Euro. Sie verlieren derzeit kräftig an Wert. Der Yuan ist an den Dollar gekoppelt, weshalb jeder Kursgewinn der amerikanischen Währung auch in China spürbar ist. Seit Beginn der Griechenland-Krise im Oktober ist die „Volkswährung“ (Renmimbi) mehr als 15 Prozent im Wert gestiegen und notiert jetzt bei etwa 8,70 Yuan zum Euro.

Erste Hinweise auf ein Umdenken

China habe in den Büchern durch die Euro-Abwertung rund 80 Milliarden Dollar eingebüßt, hat Stephen Jen berechnet, früher Chefanalyst für Devisenfragen bei Morgan Stanley und heute Direktor beim Hedgefonds Blue Gold Capital in London. Die Summe klingt bescheiden im Vergleich zum Gesamtbestand. Doch hat der Abschlag immerhin fünf Monate des Handelsüberschusses von 2009 aufgefressen. Jen illustriert es noch eindrucksvoller: „Das entspricht dem Jahreseinkommen von 80 Millionen Arbeitern in China.“

Die große Frage lautet, ob und in welchem Umfang sich China aus dem Euro zurückzieht. Das könnte zwar weitere Einbußen verhindern, würde die Währung Europas, des wichtigsten Handelspartners der Chinesen, aber noch mehr schwächen. Die Staatsverwaltung für Devisen (Safe), die für Chinas Reserven zuständig ist, warnte Mitte April, dass die griechische Schuldenmisere eine „Kettenreaktion“ auslösen könnte.

Der Finanzdienstleister BNY Mellon sieht in solchen Andeutungen der Safe und der Zentralbank erste Hinweise darauf, dass China zumindest die eingeleitete Umschichtung in Euro zu überdenken beginne. Vor der Euro-Krise hatte das Land unter dem Eindruck des sinkenden Dollarwerts und der einseitigen Ausrichtung erklärt, seine Anlagen diversifizieren zu wollen, unter anderem von Dollar in Euro. Auch Analyst Jen kann sich vorstellen, dass die eingeleitete Devisenumschichtung jetzt gebremst wird.

Beachtlicher Zuwachs der Goldreserven

Andere Analysten teilen diese Meinung nicht. Man erwarte weder nennenswerte Euro-Verkäufe noch eine Absage an das mittelfristige Ziel der Diversifizierung, sagt Jinny Yan, Volkswirtin der Standard Chartered Bank in Schanghai. „Die Chinesen folgen keiner kurzfristigen volatilen Anlagestrategie, sondern denken bei den Devisen in längeren Zeiträumen“, sagt sie. Denn sobald die Notenbank größere Käufe oder Verkäufe tätige, beeinflusse sie den Kurs, von dem sie eigentlich zu profitieren gedenke. „Der Tanker ist viel zu groß, um ständig kleine Wendemanöver zu unternehmen.“

Wie sehr indes Wechselkursschwankungen die chinesischen Anlagen treffen, zeigt nicht nur die aktuelle Euro-Schwäche. Nach Angaben der Safe waren 2008 die im selben Jahr für 478,3 Milliarden Dollar erworbenen Reserven am Jahresende fast 61 Milliarden Dollar weniger wert. 2009 hingegen habe man auf diese Weise 71 Milliarden Dollar hinzugewonnen. Allerdings gibt das Amt nicht an, welcher Teil der Veränderungen auf Preisschwankungen von Wertpapieren zurückgeht und welcher auf Wechselkursveränderungen. Nicht zu vernachlässigen sind auch Chinas Goldreserven. Zwar sind sie klein im Vergleich zu den Devisenbeständen, aber ihr Zuwachs ist beachtlich. Durch Zukäufe und Wertsteigerungen legten die Goldanlagen 2009 um fast 120 Prozent auf 37,1 Milliarden Dollar zu.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
  nach...
von... EUR USD JPY
EUR 1 1,2515 99,715 0,7988
USD 0,7990 1 79,665 0,6384
JPY 0,0100 0,0126 1 0,0080
1,2520 1,5664 124,81 1
25.05.2012 23:00 Uhr
  Vortag
1,2515 −0,14%
 OK
Tops & Flops Kurs Prozent
EUR/RUB 40,0510 +0,71 %
EUR/ZAR 10,5135 +0,32 %
EUR/PLN 4,3498 +0,32 %
EUR/SGD 1,6038 +0,20 %
EUR/CAD 1,2882 +0,09 %
EUR/SEK 8,9732 −0,20 %
EUR/NZD 1,6581 −0,20 %
EUR/CZK 25,2820 −0,28 %
EUR/HUF 299,2500 −0,33 %
EUR/NOK 7,5265 −0,41 %
25.05.2012
Name Kurs Prozent
Gold 1.569,50 $ +0,06 %
Silber 28,24 $ +0,57 %
Platin 1.430,00 $ +0,92 %
Palladium 592,00 $ +0,34 %
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14 %
Gas 0,53 £ −0,56 %
Kaffee 1,68 $ +1,27 %
Zucker 0,20 $ +0,36 %
Orangensaft 1,09 $ +0,32 %
AMEX GOLD BUGS 601,37 -- %
AMEX OIL 1.151,96 -- %
Rogers International 24,14 +0,50 %
von
nach