Seit Jahren fordern insbesondere die Vereinigten Staaten die Aufwertung des chinesischen Yuan, weil sie der Regierung des Landes vorwerfen, ihre Exporte durch eine künstliche Unterbewertung der eigenen Währung zu beflügeln und so zum Druck auf den Dollar beizutragen.
Nun hat China das Wechselkursband erweitert, in dem der Yuan zum Dollar schwanken darf. Doch die Entwicklung des Wechselkurses schwächt am ehesten die Argumentation der amerikanischen Politik. Denn obwohl der tatsächliche Dollarkurs in Yuan nunmehr um bis zu ein Prozent und nicht mehr nur bis 0,5 Prozent vom täglichen Referenzkurs der chinesischen Zentralbank abweichen darf, wertet dieser nicht etwa auf. Vielmehr werden aktuell für den Dollar 6,3153 Yuan bezahlt, nach 6,3036 vor der Erweiterung der Schwankungsbreite.
Fehlender Aufwertungsdruck wegen schwächerer Wirtschaftsdaten
Damit hat nicht der Yuan, sondern vielmehr der Dollar aufgewertet. Auch wenn der Betrag absolut gesehen nicht groß ist, verursacht durch die geringe Schwankungsbreite, so ist doch die Tendenz eindeutig. Wäre der Yuan so deutlich unterbewertet, hätte er das Aufwertungsband ausnützen müssen. Indes liegt der Dollarkurs sogar über dem Referenzkurs der Zentralbank von 6,296 Yuan.
Experten zufolge ist die Abwertung am ersten Tag der neuen Handelsspanne auf die jüngsten Wachstumszahlen der zweitgrößten Volkswirtschaft zurückzuführen. Im ersten Quartal stieg das chinesische Bruttoinlandsprodukt zwar mit einer Jahresrate von 8,1 Prozent, doch hatten Experten mit einem Plus von 8,3 Prozent gerechnet. Damit schwächte sich das Wachstum das fünfte Quartal in Folge leicht ab. Die Führung in Peking hat ihre Wachstumsprognose für 2012 auf 7,5 Prozent gesenkt.
Das Niveau ist zwar hoch, allerdings wird offenbar eine höhere Wachstumserwartung in Preisen und Kursen enthalten gesehen. Vor allem benötigt Aber in China ein hohes Wachstum, um Millionen von Wanderarbeitern in Lohn und Brot zu halten und damit den sozialen Frieden zu sichern. Ein chinesischer Devisenhändler verwies zudem auf die allgemeine Aufwertung der amerikanischen Währung.
Auf dem Weg weg vom Dollar
Analysten zeigen sich allerdings wenig überrascht. Seitdem die chinesische Zentralbank im Juni 2010 abermals eine Schwankung des Yuan gestattete, habe dessen Kurs nur in seltenen Fällen die Schwankungsbreite von 0,5 Prozent gegenüber dem Referenzkurs ausgenutzt, so Adrian Foster, Analyst der Rabobank.
Foster vertritt die Auffassung, dass China die Reform durchgeführt hat, um im Vorfeld des Frühjahrstreffens von Weltbank und Internationalem Währungsfonds einen Tätigkeitsnachweis erbracht zu haben. Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz sieht die Lockerung als einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer völligen Freigabe der Wechselkurse.
So weit gehen andere Analysten nicht. Foster sieht die chinesische Währungspolitik zuerst einmal auf dem Weg zur Abkopplung vom Dollar. In der Zukunft werde der Yuan mehr an einen Währungskorb gebunden werden, um der Währung mehr Flexibilität und Stabilität zu verleihen. Qu Hongbin, Co-Chefvolkswirt für Asien bei der HSBC, sagte weitere flankierende Reformen der Regierung in Peking voraus. Hierzu gehöre die Liberalisierung der chinesischen Anleihe-Märkte und des Finanzsektors.
Eine neuer Zeitabschnitt?
Ein chinesischer Börsianer warnte vor überzogenen Erwartungen. „Auch nach der Ausweitung der Handelsspanne liegt die Kontrolle noch in der Hand der Zentralbank“, betonte er. Dennoch erwarten die meisten Experten eine mittelfristige Aufwertung des Yuan, die aber moderat ausfallen soll. Die Rabobank beziffert ihr Wechselkursziel zum Jahresende auf 6,10 Yuan für den Dollar. Andere Analysten gehen von einer noch geringeren Aufwertung aus.
Für den Yuan habe ein neuer Zeitabschnitt begonnen, schreibt etwa Nathan Chow von der Bank DBS aus Singapur. Die Märkte betrachteten angesichts des niedrigeren Wachstums und vor allem des fallenden Handelsbilanzüberschusses die Währung als weniger stark systematisch unterbewertet. Immerhin habe der Yuan in diesem Jahr um 0,14 Prozent gegenüber dem Dollar abgewertet. Auch die chinesischen Devisenreserven sind zuletzt gesunken.
Renditen chinesischer Anleihen dürften steigen
Insgesamt sind also die Aussichten für China und den Yuan nicht mehr so eindeutig positiv wie noch vor wenigen Monaten. Zwar erscheint der Grundton immer noch optimistisch, allein den Heilsbringernimbus scheint China allmählich zu verlieren. Aufgrund des begrenzten Kapitalverkehrs wirken sich die Veränderungen im Wechselkursregime für deutsche Anleger nur mittelbar aus.
So geht die DBS davon aus, dass die Renditen der Dim Sum genannten Anleihen in Yuan aufgrund der erwarteten höheren Volatilität steigen werden. Zudem dürften sich in den Kursen von Anleihen niedriger Kreditqualität die verringerten Aufwertungserwartungen niederschlagen. Dies komme dem Markt insgesamt zugute.
Wenig glaubwürdige Angaben
Gerhard Dünnhaupt (dunnhaupt)
- 17.04.2012, 18:52 Uhr
Statistische Werte aus China
Andreas Müller-Alwart (Muelleralwart)
- 17.04.2012, 11:05 Uhr