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Geplanter Börsengang : Wie viel ist der Ölgigant Aramco wirklich wert?

Mitarbeiter von Saudi Aramco auf einer Konferenz in Bahrain Bild: Reuters

Zwei Billionen Dollar soll der saudische Riese beim geplanten Börsengang auf die Waage bringen. Aber die Zweifel an den Preisvorstellungen des Königshauses in Riad wachsen.

          Es soll der größte Börsengang der Finanzgeschichte werden: Das Königshaus der Saud will den staatseigenen Erdölgiganten Saudi Aramco an den Kapitalmarkt bringen und damit ein Zeichen setzen für eine radikale Transformation der ganzen Volkswirtschaft des Ölstaats. Doch es mehren sich die Signale, dass der heikle wirtschaftspolitische Kurswechsel nicht reibungslos verläuft. „Erstaunlich und unrealistisch“, sei die Preisvorstellung, die das Königshaus für Aramco ansetze, zitiert das „Wall Street Journal“ einen namentlich nicht genannten Manager des Unternehmens.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mehr als 2 Billionen Dollar soll der Staatsriese wert sein – das jedenfalls behauptete vergangenes Jahr der zweite Kronprinz Muhammad Bin Salman Al Saud. Dies wäre mehr als zweieinhalb Mal so viel wie die Marktkapitalisierung des iPhone-Herstellers Apple, des bislang wertvollsten Börsenkonzerns der Welt. Der 31 Jahre junge mögliche Thronfolger Bin Salman ist die treibende Kraft hinter den Plänen für den Börsengang und den Radikalumbau der Wirtschaft des Landes.

          APPLE

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          Unabhängige Ölexperten bezweifeln zwar seit langem, dass Aramco wirklich 2 Billionen Dollar wert ist. Aber dass nun auch Stimmen aus dem notorisch öffentlichkeitsscheuen Unternehmen selbst ein Fragezeichen hinter die Zahl des mächtigen Vize-Kronprinzen setzen, ist ein Novum – und es deutet auf Meinungsverschiedenheiten im Land über den wirtschaftspolitischen Kurswechsel hin. Es gibt noch mehr Indizien für Schwierigkeiten: Ursprünglich sollte der spektakuläre Börsengang bereits Anfang 2017 erfolgen, nun ist vom Herbst 2018 die Rede. Im März kündigte die Regierung in Riad außerdem an, den Unternehmensteuersatz für Aramco drastisch zu senken – offensichtlich, um den Konzern für Investoren attraktiver zu machen.

          Ist Aramco wirklich so viel mehr wert als andere Unternehmen?

          Aramco-Chef Amin Nasser versichert dennoch, dass der Börsengang wie geplant komme: „Alles läuft sehr gut“, sagte der Ölmanager diesen Monat. Am Montag gab die britische Großbank HSBC bekannt, sie habe ein Beratungsmandat für die Transaktion. Es war dabei von Anfang an klar, dass nur ein kleiner Anteil von 5 Prozent an die Börse gebracht werden soll. Aber wenn man die Preisvorstellungen der Saud zugrunde legt, hätte auch diese Aktienplazierung ein in der Finanzgeschichte einmaliges Volumen von 100 Milliarden Dollar. Das wäre gut viermal so viel wie der bislang größte Börsengang – der des chinesischen Internetkonzerns Alibaba im Jahr 2014.

          Aber ist Aramco wirklich so viel mehr wert als alle anderen Unternehmen auf der Welt? Unbestritten ist, dass der Riese der mit Abstand wichtigste Ölkonzern ist. Rund 10 Millionen Fass Rohöl (zu 159 Liter) fördert Aramco täglich und damit mehr als doppelt so viel wie Exxon-Mobil, der größte privatwirtschaftliche Ölkonzern. Die Ölreserven Saudi-Arabiens wiederum werden mit mehr als 260 Milliarden Fass beziffert, wobei diese Zahl freilich bisher nicht unabhängig überprüft werden kann. Noch mehr Öl soll es nur in Venezuela geben. Unstrittig ist auch, dass die Förderkosten der Saudis zu den niedrigsten der Welt zählen, weil ihre Ölquellen einfach erschließbar sind.

          Dennoch sollen interne Berechnungen von Saudi Aramco den Wert des Unternehmens mit maximal 1,3 bis 1,5 Billionen Dollar beziffern, schreibt das „Wall Street Journal“ – also bis zu 700 Milliarden Dollar weniger als Bin Salman behauptet. Das würde sich in etwa mit einer Schätzung des amerikanischen Wertpapierhauses Sanford Bernstein von 1,0 bis 1,5 Billionen Dollar decken. Das norwegische Beratungshaus Rystad wiederum taxiert Aramco auf 1,4 Billionen Dollar.

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