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Energiepreise Doppelt vom Ölpreis profitieren

 ·  Der Ölpreis liegt nahe seinem Rekordwert. Was für die Verbraucher wenig erfreulich ist, sorgt bei Anlegern für hohe Gewinne. Langfristig schmälern Rollverluste jedoch auch deren Rendite.

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© dapd Der hohe Ölpreis gibt Rätsel auf: Von einer außergewöhnlichen Knappheit kann kaum die Rede sein

Der Preis für die in Europa maßgebliche Ölsorte Brent ist am Montag leicht gefallen, liegt jedoch mit rund 93 Euro je Barrel (159 Liter) nahe seinem Rekordwert von 97 Euro aus dem März dieses Jahres. Zuvor hatte der Preis nur im Jahr 2008 kurzzeitig auf mehr als 90 Euro notiert, war zwischenzeitlich jedoch wieder auf weniger als 50 Euro gefallen. Allein in den vergangenen zwei Monaten ist der Ölpreis in Euro gerechnet jedoch um mehr als ein Viertel gestiegen. Die Benzin- und Heizölpreise haben sich dadurch hierzulande ebenfalls stark erhöht. Benzin war mit Preisen von mehr als 1,70 Euro je Liter E10 so teuer wie nie. Der ADAC vermeldete für Samstag im Bundesdurchschnitt einen Rekordpreis von 1,69 Euro. Das bisherige Hoch war mit 1,67 Euro im April verzeichnet worden. Diesel blieb mit knapp 1,54 Euro noch leicht unter seinem bisherigen Rekordhoch. Auch Heizöl war in manchen Regionen so teuer wie nie.

Was für die Ölverbraucher wenig erfreulich ist, sorgt bei den Anlegern im Ölmarkt für hohe Gewinne. Entsprechende Zertifikate stiegen erheblich im Wert. Besonders erfreulich ist für die Anleger, dass der Preisanstieg in der Marktkonstellation „Backwardation“ stattfindet. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass der Ölkauf mit sofortiger Lieferung teurer ist als alle Käufe mit einem späteren Lieferdatum. Wer also schon weiß, dass er eine bestimmte Menge Öl erst in einem Jahr braucht, bekommt sie bei heutiger Bestellung billiger, als wenn er sie sich heute schon liefern lassen würde. Noch günstiger wäre eine Lieferung erst in zwei oder gar in fünf Jahren. Die Kurve der Terminpreise für Öl hat daher derzeit einen fallenden Verlauf (siehe Grafik).

Die Ölnachfrage verliert an Dynamik

Historisch nicht selten, von John Maynard Keynes sogar als „normal backwardation“ bezeichnet, war Backwardation im vergangenen Jahrzehnt eher selten, in diesem Jahr kam sie hingegen schon öfter vor. In der Regel tritt sie dann auf, wenn am Ölmarkt eine besonders große Knappheit herrscht. Dann brauchen die Leute das Öl so dringend sofort, dass sie dafür auch einen wesentlich höheren Preis zu zahlen bereit sind, als wenn sie noch ein wenig auf ihre Lieferung warten würden.

Keine Regel ist jedoch ohne Ausnahme, und so gibt die aktuelle Situation den Fachleuten Rätsel auf. Von einer außergewöhnlichen Knappheit kann nämlich kaum die Rede sein. Die wirtschaftliche Entwicklung in weiten Teilen Europas, in China und Amerika schwächelt. Die Ölnachfrage verliert daher an Dynamik. Auf der Angebotsseite gibt es zwar immer wieder Störungen wie aktuell in der Nordsee, große Ausfälle blieben abgesehen vom Iran jedoch aus. „Der Markt ist eigentlich überversorgt, die Produktion übersteigt die Nachfrage“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank. „Der Preis müsste daher aus fundamentaler Sicht fallen.“

Weinberg sieht den Grund für den Preisanstieg daher eher in der aktuellen expansiven Geldpolitik. „Die Anleger verfügen über hohe Mittelbestände und suchen inflationssichere, liquide Anlageklassen und werden offenbar am Ölmarkt fündig“, sagt Weinberg. Zahlreiche Anleger scheinen angesichts des deutlich gestiegenen Preises mittlerweile aber vorsichtiger zu werden. „In der vergangenen Woche waren an den Terminbörsen Gewinnmitnahmen zu beobachten.“

Optimierungsversuche ohne Erfolg

Den Zertifikateanlegern kommt die Kombination aus Preisanstieg und Backwardation besonders zugute. Da sie an keiner physischen Öllieferung interessiert sind, investiert der Zertifikateemittent die Anlagesummen in Terminkontrakte. Da aber bei Fälligkeit immer noch kein Lieferwunsch des Öls besteht, muss der Terminkontrakt rechtzeitig vorher verkauft und ein weiter in der Zukunft liegender gekauft werden. Diese sind in der Backwardation-Situation jedoch billiger, so dass der Anleger Rollgewinne verzeichnet.

Im vergangenen Jahrzehnt herrschte jedoch meist eine Situation vor, in der Terminkontrakte immer teurer wurden, je weiter sie in der Zukunft lagen. Bei dieser Contango-Situation entstehen dem Anleger bei jedem Wechsel des Terminkontrakts Rollverluste. In der Summe hatte dies in den vergangenen Jahren erhebliche Ausmaße.

So ist der Wert des Brentöl-Zertifikats von Goldman Sachs mit der Wertpapierkennnummer (WKN) GS0CC0 seit dem Frühjahr 2007 nur um 29 Prozent gestiegen, der Ölpreis in Euro jedoch um 86 Prozent. Das Papier mit Wechselkursabsicherung (WKN: GS5HH2) brachte sogar nur 5 Prozent Rendite (siehe Grafik). Die Banken haben angesichts dieser Ergebnisse viele Versuche unternommen, den Rollmechanismus bei Geldanlagen im Rohstoffbereich zu optimieren, jedoch ohne überzeugenden Erfolg.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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