22.12.2009 · Verbraucher müssen sich zum Jahreswechsel auf höhere Gaspreise einstellen. Nachdem die Preise dieses Jahr wegen der Wirtschaftskrise um ein Viertel gesunken waren, prognostiziert das Internetportal Verivox nun den ersten Anstieg.
Von Tim HöfinghoffVerbraucher müssen sich zum Jahreswechsel auf höhere Gaspreise einstellen. Nachdem die Preise dieses Jahr wegen der Wirtschaftskrise um ein Viertel gesunken waren, prognostiziert das Internetportal Verivox nun den ersten Anstieg. 51 Anbieter hätten Preiserhöhungen von durchschnittlich 5,2 Prozent angekündigt. Für Verbraucher kommt die Erhöhung mitten in der Zeit der Heizperiode.
In Deutschland heizen rund 20 Millionen Kunden (aus Industrie, Gewerbe, Handel sowie Haushalte) mit Erdgas. Auch andere Verbraucherportale wie Check24 berichten von Gaspreiserhöhungen zum Anfang des kommenden Jahres. Verbraucherschützer erwarten, dass die Preise um bis zu 15 Prozent zulegen werden.
Gas im Jahr 2008 so teuer wie noch nie zuvor in Deutschland
Verivox ermittelte, dass der durchschnittliche Preis für eine Kilowattstunde Gas von derzeit 5,93 Cent auf 5,95 Cent im Januar 2010 steigen werde. Hintergrund sind Preiserhöhungen von 51 Gasanbietern. Für einen Haushalt (mit einem Verbrauch von 20 000 Kilowattstunden, siehe auch: FAZ.NET-Service: Gas-Tarifrechner) entstünden Zusatzkosten von rund 60 Euro pro Jahr. Unter den Anbietern, die die Preise anheben, sind auch mehrere große Gasversorger, die mehr als zwei Millionen Haushalte versorgen. Verivox berichtet aber auch, dass 48 Gasversorger angekündigt haben, die Preise zu senken - um durchschnittlich 5,4 Prozent.
Am Montag teilte zudem das Statistische Bundesamt mit, dass Gas im Jahr 2008 so teuer war wie noch nie zuvor in Deutschland. Die Statistiker ermittelten einen Nettodurchschnittspreis in Höhe von 4,23 Cent pro Kilowattstunde, der inzwischen weiter gestiegen ist. Die Teuerung im Jahr 2008 betrug 15,3 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor. Der Preis war doppelt so hoch wie zehn Jahre zuvor.
Zum Jahreswechsel 2009/2010 steigen die Preise, weil Gasversorger unterschiedliche Beschaffungsstrategien haben. Es geht vor allem um die Ölpreisbindung. So ist in Deutschland geregelt, dass viele Erdgasproduzenten ihre Preise mit einem Abstand von sechs Monaten an den Ölpreis anpassen. Die Befürworter dieser Koppelung argumentieren, dass die Preisbindung die Versorgungssicherheit gewährleiste. Kritiker halten die Bindung für überflüssig. Die Koppelung hat zur Folge, dass Gasanbieter, die langfristige Verträge mit einer Ölpreisbindung haben, nun höhere Kosten verbuchen und diese an ihre Kunden weiterreichen. Denn der in Dollar gehandelte Rohölpreis hat dieses Jahr um 70 Prozent zugelegt. Gasversorger, die hingegen Erdgas kurzfristig und ohne Bindung an den Ölpreis besorgen können, zahlen derzeit niedrigere Preise, die sie an ihre Kunden weitergeben können.
Deutsche Verbraucher haben nicht viel von der „Gasschwemme“ am Weltmarkt
Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise ist die Nachfrage nach Erdgas auf der Welt deutlich gesunken. Zudem sind neue Vorkommen entdeckt worden und das Angebot hat sich vergrößert. Marktbeobachter sprechen mittlerweile von einer "Gasschwemme". So haben sich Erdgaskontrakte, die an der Börse in New York gehandelt werden, dieses Jahr um 20 Prozent verbilligt. Doch "anders als zum Beispiel in den Vereinigten Staaten gibt es in Europa eine starke Verbindung von Ölprodukten und Erdgas", sagt Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank. Deutsche Verbraucher haben also nicht viel davon, dass sich Erdgas auf dem internationalen Rohstoffmarkt so stark verbilligt hat. Den größten Teil des Erdgases bezieht Deutschland aus Russland. Das Gas, das per Pipeline ins Land kommt, ist generell teurer als etwa Flüssiggas.
Für die kommenden Jahre erwarten Fachleute wie Weinberg, dass die Bedeutung von Erdgas weiter steigen wird. "Die Gasnachfrage wird stärker steigen als die Nachfrage nach Öl, besonders in den Industriestaaten." Dies dürfte die Preise weiter in die Höhe treiben. Zumal Erdgas im Vergleich zu Öl als umweltfreundlicher gilt. Bezüglich der Ölpreisbindung argumentieren Branchenkenner, dass die Koppelung auf Dauer kaum aufrechtzuerhalten sei. Ohnehin würden schon viele Verbraucher ihren Gasanbieter wechseln, um die Kosten zu senken. Zudem wird Ende Januar 2010 der Bundesgerichtshof entscheiden, ob die Ölpreiskoppelung Bestand hat.
Verivox- Verbraucherpreisindex für Gas
Der Index berücksichtigt die Preise der Grundversorger und der 30 wichtigsten überregionalen Gasanbieter für einen Jahresverbrauch von 20.000 KWh und einer maximalen Leistungsabnahme von 13 KW.
FAZ.NET-Service: Gas-Tarifrechner
Welche "Preis-Senkungen" denn ?
Markus Teuber (arathorn)
- 22.12.2009, 10:26 Uhr
Aha,
Wolfgang Pohler (WPohler)
- 22.12.2009, 11:21 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |