11.04.2007 · Der Uranpreis erreicht immer neue Höhen. Die Rally könnte weitergehen, doch Kritiker warnen vor einer Blase. Für Privatanleger stellt sich zudem die Frage, wie sie am Trend teilhaben können. Manches Zertifikat sollten sie meiden.
Uran ist so teuer wie nie - und die Kurve zeigt immer steiler nach oben. Anfang der Woche wurde gemeldet, dass Mestena Uranium aus Texas 113 Dollar je Pfund Uranoxid geboten hat. In der Vorwoche kostete der Brennstoff noch 95 Dollar.
Nach Angaben der Industrieberatung Tradetech war das der größte prozentuale Anstieg, seit 1968 zum ersten Mal Auktionsergebnisse veröffentlicht wurden. Allein in diesem Jahr kletterte der Preis um 57 Prozent. Den Preis treiben Produktionsengpässe, gigantische Ausbaupläne in Schwellenländern und der Klimawandel, der bei den Investoren die Phantasie einer Atom-Renaissance weckt.
Aktie eines kanadischen Uranhändlers
Für Privatanleger ist es nicht einfach, an diesem Trend teilzuhaben - Uran lässt sich schließlich nicht im heimischen Garten horten. Zumindest indirekt kaufen können sie den Brennstoff mit Aktien des kanadischen Uranhändlers Uranium Participation, die auch in Frankfurt gehandelt werden (Isin CA9170171057). Das Unternehmen investiert quasi sein ganzes Vermögen in den Kernbrennstoff, kann also als Uran-ETF gelten.
Uranium Participation veröffentlicht regelmäßig den Nettovermögenswert (NAV, Net Asset Value) des Portfolios. Demnach betrug der NAV je Aktie Ende Februar 11,95 kanadische Dollar je Aktie. An der Börse waren die Titel zu diesem Zeitpunkt aber mit 14,15 kanadischen Dollar bewertet. Die Aktie wird also mit einem ordentlichen Aufschlag zu ihrem inneren Wert gehandelt.
Merrill Lynch: Keine Anpassung trotz langer Laufzeit
Wen das stört oder wer das Risiko eines Einzelinvestments scheut, kann sich auf dem Markt der strukturierten Produkte umschauen. Uran-Zertifikate bieten zum Beispiel Merrill Lynch, UBS und Société Générale. Sie unterscheiden sich deutlich, wie ein Blick auf die Konditionen zeigt.
Das „Merrill Lynch Uran Zertifikat“ (Isin DE000ML0BDN5) setzt auf zehn Unternehmen aus der Branche, darunter Areva, BHP Billiton und Cameco. Der Aktienkorb wird trotz der quasi unendlichen Laufzeit (bis 2105) nicht angepasst. Trotzdem muss der Anleger eine sogenannte Managementgebühr von einem Prozent jährlich zahlen. Auch von den Dividenden sieht er nichts.
UBS: Keine Dividende trotz Schlagwort „Performance“
Auch das „Performance Zertifikat auf den UBS Uranium Basket“ (Isin CH0025274710) setzt auf die Kursentwicklung von zehn Unternehmen. Der Korb wird zwar ebenfalls nicht überprüft, immerhin fällt im Gegensatz zum Merrill-Lynch-Zertifikat bei der UBS aber keine Managementgebühr an.
Die Laufzeit endet 2010. Das mag mit Blick auf den nicht angepassten Aktienkorb sinnvoll erscheinen, zwingt den Anleger aber, sein Geld nach wenigen Jahren wieder neu anzulegen. Irritierend ist, dass die UBS die Dividenden einbehält, obwohl das Zertifikat das Schlagwort „Performance“ im Namen trägt, was zumindest bei Indizes stets für eine Berücksichtigung der Dividenden steht.
Société Générale: Echte Managementleistung
Die Société Générale verlangt für ihr „Open End Index-Zertifikat auf den Urax“ (Isin DE000SG0URX5) zwar wie Merrill Lynch eine Managementgebühr von einem Prozent im Jahr, dafür bekommt der Anleger hier aber eine echte Managementleistung: Das Zertifikat bildet den World Uranium Total Return Index (Urax) ab, der von Dow Jones Indexes berechnet wird. Wie der Name schon sagt, werden die Dividenden reinvestiert.
Im Index sind die Aktien von zehn Unternehmen der Branche vertreten. Das größte ist derzeit BHP Billiton mit einem Gewicht von 15,51 Prozent, dicht gefolgt von Rio Tinto und Cameco. Dow Jones überprüft die Zusammenstellung des Index halbjährlich. Entscheidend ist die Marktkapitalisierung. Auf Sicht von drei Monaten hinkt das Indexzertifikat der Société Générale zwar hinter den Basket-Zertifikaten von UBS und Merrill Lynch hinterher (siehe Grafik), auf lange Sicht dürften die Anleger mit diesem Produkt aber besser bedient sein als mit einem starren Aktienkorb.
Skepsis ist angebracht
Trotz oder gerade wegen der gegenwärtigen Uran-Euphorie sollten sich Anleger gründlich überlegen, ob sie noch auf diesen Investmenttrend aufspringen wollen. Sicher, schon vor Monaten warnten Beobachter vor viel zu hohen Preisen und einer nahenden Korrektur - die bislang freilich ausgeblieben ist. Trotzdem ist eine gesunde Portion Skepsis angebracht.
Das zeigt zum Beispiel eine andere Zahl: Allein seit 2004 sei die Anzahl börsennotierter Uranexplorationsgesellschaften von knapp 20 auf über 500 gestiegen, schreibt die Schweizer Zeitung „Finanz und Wirtschaft“. Das Blatt zitiert Amir Adnani, Chef von Uranium Energy: „Die Situation ist vergleichbar mit dem Technologieboom um die Jahrtausendwende.“
„Mittelfristig rund 65 Dollar pro Pfund“
Die Schweizer Zeitung verweist darauf, dass der Uranpreis als Indikator für eine fundamentale Marktveränderung unzureichend sei, da er nur knapp 20 Prozent des gehandelten Urans abbilde. Der große Rest entfalle auf Langzeitlieferverträge, deren Preis nur selten mit der Marktentwicklung zusammenhänge. „Mittelfristig wird der Uranpreis auf rund 65 Dollar pro Pfund fallen“, wird Farri Babikian zitiert, der die Minensparte von Areva leitet.
Noch deutlicher wurde „Finanz und Wirtschaft“ zufolge Kevin Branbrough, Analyst bei Sprott Asset Management: „Wer jetzt noch in die Uranbaskets der Banken einsteigt, wird sein Geld verlieren.“ Das soll er ausgerechnet auf einer Veranstaltung zu Anlagemöglichkeiten im Uranmarkt gesagt haben, auf der sich vor allem kleine Explorationsgesellschaften präsentierten. Diese hoffen natürlich, dass der Uranboom weitergeht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06 % |
| Silber | 28,24 $ | +0,57 % |
| Platin | 1.430,00 $ | +0,92 % |
| Palladium | 592,00 $ | +0,34 % |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14 % |
| Gas | 0,53 £ | −0,56 % |
| Kaffee | 1,68 $ | +1,27 % |
| Zucker | 0,20 $ | +0,36 % |
| Orangensaft | 1,09 $ | +0,32 % |
| AMEX GOLD BUGS | 601,37 | -- % |
| AMEX OIL | 1.151,96 | -- % |
| Rogers International | 24,14 | +0,50 % |