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Energie und Rohstoffe Uran - der Spekulationswahn ist vorbei

15.04.2009 ·  Der Spekulationswahn der vergangenen Jahre hat auch im Uranmarkt seine Spuren hinterlassen. Lief der Preis für Uranoxid zunächst stark nach oben, so hat er inzwischen stark korrigiert. Lehman sitzt noch auf großen Beständen.

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Der Spekulationswahn der vergangenen Jahre im Energie- und Rohstoffbereich hat auch im Uranmarkt seine Spuren hinterlassen. Der Uranpreis brach Ende des Jahres 2004 aus seinem langjährigen Seitwärtstrend nach oben aus, legte stark zu und erreichte im Juni 2007 mit 136 Dollar je Pfund Uranoxid das 20-Fache dessen, was in den Jahren zuvor üblich gewesen war.

Ähnlich wie bei vielen anderen Rohstoffpreisen hat die Wirtschafts- und Finanzkrise inzwischen jedoch auch bei Uran zu einer Preiskorrektur geführt. Ende März kostete ein Pfund Uranoxid noch 46 und am Montag gar noch 40 Dollar. Das waren 70 Prozent weniger als noch vor knapp zwei Jahren. Der Preisrückgang entspricht in etwa dem, der auch bei Öl zu beobachten war.

Positionsliquidierung führt zu Preiskorrektur

Die schwache wirtschaftliche Entwicklung hat die Energienachfrage gedämpft und dazu geführt, dass spekulative Marktteilnehmer, die sich damals in Erwartung scheinbar nie enden wollenden Wachstums bei ebenso scheinbar immer knapper werdender Rohstoffversorgung stark in diesen Bereich eingekauft hatten, ihre Positionen liquidieren mussten.

Bei Öl mag das aufgrund der Liquidität des Marktes in geordnetem Rahmen möglich gewesen sein, bei Uran sieht das jedoch anders aus. Denn dieser Markt ist vergleichsweise illiquide und auf der anderen Seite relativ übersichtlich. Einer geringen Zahl von Anbietern steht eine vergleichsweise geringe Anzahl von Nachfragern gegenüber.

Umso erstaunlicher sind die Strategien spekulativer Anleger, deren Engagement aufgrund des vorübergehenden Preisauftriebs der vergangenen Jahre zwar zu vermuten war, das inzwischen jedoch offensichtlich geworden ist. So haben sich Hedge-Fonds wie RAB Capital, Investmentbanken und selbst Privatanleger über rasch aufgelegte Zertifikate in den engen Markt eingekauft und die Preise auf diese Weise nach oben getrieben. Längst ist jedoch klar, dass sie sich kräftig verzockt haben.

Nicht nur die mit viel versprechenden Argumenten verkauften und beworbenen Zertifikate dieser Art haben die Erwartungen der Käufer enttäuscht, sondern auch viele der professionellen Anleger liegen daneben. Die insolvente Bank Lehman Brothers besitze genügend Uran, um eine Atombombe zu bauen, hieß es in einem Bericht von Bloomberg am Dienstag. Nachdem Terminkontrakte zur Lieferung fällig wurden, gelangten nach Händlerschätzungen bis zu 500.000 Pfund oder umgerechnet 227 Tonnen des radioaktiven Materials in das Portfolio der früheren New Yorker Investmentbank. „Wir werden das Material in den nächsten zwei Jahren stufenweise auf den Markt bringen. Wir verkaufen es nicht auf einen Schlag und haben keinen Notverkauf im Sinn,“ erklärte Vorstandschef Bryan Marsal.

... zusammen mit zunehmendem Angebot

Aufgrund einer Angebotsschwemme hat der Uranpreis von September bis November um 30 Prozent nachgegeben. Im vergangenen Jahr wurde mehr als doppelt so viel Uranoxid auf den Markt gebracht wie im Jahr 2007. Nach Angaben des Marktbeobachters Ux Consulting waren es mehr als 43 Millionen Pfund beziehungsweise 19,5 Millionen Kilogramm.
Ob sich der Uranpreis ohne spekulative Impulse erholen wird, dürfte sich erst noch zeigen müssen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise kann nun sogar dazu führen, dass China und Indien den Neubau zahlreicher geplanter Atomkraftwerke verzögern könnten.

Der Handel mit Uran wird normalerweise von sogenannten Broker-Dealern wie MF Global und Tullett Prebon sowie direkt von Bergbauunternehmen und den Betreibern von Kernkraftwerken abgewickelt. Er wird staatlich kontrolliert. Die Regierungen beaufsichtigen den Transport von radioaktivem Material und begrenzen die Zahl von Käufern und Verkäufern durch Lizenzen. Wichtigste Akteure im Uranhandel sind Bergbauunternehmen und Betreiber von Kernkraftwerken.

Diese Konstellation führt dazu, dass der Markt normalerweise zumindest auf operativer Basis ausgeglichen ist und wenig Raum bietet für große Preisbewegungen. Neben der Berücksichtigung von Emittentenrisiken werden kritische Anleger genau das berücksichtigen, wenn ihnen künftig entsprechende Zertifikate zum Kauf angeboten werden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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